UN-Statthalter Christian Salazar Volkmann spricht "von systematischen Menschenrechtsverbrechen in großem Stil". Präsident Uribe reagierte zunächst wie üblich. Die Ermordeten seien "nicht zum Kaffeepflücken" unterwegs gewesen, verkündete er, das schmerzte die Hinterbliebenen noch mehr.

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Sein polternder Menschenrechts-Beauftrager Carlos Franco wettert im Präsidentenpalast Casa de Nariño, die Opfer hätten mit Kokain dealen wollen - dabei erwartete sie am Zielort Blei. Beiläufig erwähnt Franco, dass sich die Regierung schäme. Die Führung entließ 29 Militärmitglieder, darunter drei Generäle, gegen Hunderte Soldaten wird ermittelt.

Seit der Razzia registrieren die UN nur noch wenige Übergriffe. Allerdings werden viele Verfahren verschleppt - 29 Verdächtige im Fall Soacha kamen auf freien Fuß, weil die Untersuchungshaft ablief. Und Santos trat nicht zurück, sondern soll als Präsidentschaftskandidat am 30. Mai Uribes Erbe antreten. Die Falsos Positivos sind einer der grausigsten Skandale der Ära Uribe. Wenn Carlos Franco behauptet: "Das Thema ist heute praktisch erledigt", dann klingt das für die Betroffenen wie Hohn.

Carmenza Gómez erzählt, wie ihr zweiter Sohn niedergemetzelt wurde. John Nelson Gómez wollte mithelfen, den Tod seines Bruders Victor Fernando aufzuklären, das kostete auch ihn das Leben. Erst wurde er nach Drohungen von Unbekannten eine Brücke hinab geschubst. Dann schossen ihm am 4. Februar 2009 zwei Killer in den Mund, er starb am folgenden Morgen.

Carmenza Gómez wird ebenfalls bedroht, sie musste ihr Viertel verlassen, sie, die alleinerziehende Mutter und Großmutter von acht Lebenden und zwei Toten. Fast alle Mütter und Geschwister der Ermordeten von Soacha gelten als gefährdet.

Beistand leisten der Anwalt Luis Alfonso Ruiz und die Organisation Fedes, unterstützt vom katholischen Hilfswerk Misereor aus Aachen. Der Jurist Ruiz weiß, dass seine Telefone abgehört wurden, er nennt die Täter "ein kriminelles Unternehmen, das geht über das Militär hinaus".

Carmenza Gómez sagt, sie habe keine Angst. Sie will, dass die Mörder bestraft werden. Sie trat vor einen Ausschuss des Senats. Eine späte Einladung von Präsident Uribe schlugen die Frauen aus, sie wollten sich nicht auch noch im Wahlkampf benützen lassen. "Ich verzeihe Uribe und Santos nie", sagt Carmenza Gómez.

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  1. Tausend Tote für eine schöne Statistik
  2. Falsche Gefallene
  3. Sie lesen jetzt Bedrohung und Hohn anstelle von Gerechtigkeit
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(SZ vom 21.04.2010/kfb)