Koalitionsverhandlungen Mehr Geld für arbeitende Frauen

Gesellschaftlich notwendig, doch schlecht bezahlt: Arbeit in der Altenpflege

(Foto: dpa)

Frauen arbeiten oft in Teilzeit und schlecht bezahlten Berufen - und verdienen entsprechend weniger als Männer. Union und SPD wollen die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern nun abbauen. Auch in typischen Frauenberufen soll endlich mehr gezahlt werden.

Von Robert Roßmann, Berlin

Union und SPD wollen die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen abbauen. Darauf verständigte sich am Wochenende die Koalitionsarbeitsgruppe für Familie, Frauen und Gleichstellung.

Die Tarifpartner sollen per Gesetz "zum Abbau von Entgeltunterschieden verpflichtet werden", sagte die SPD-Verhandlungsführerin Manuela Schwesig. Dies sei "ein Meilenstein für mehr Gleichstellung im Erwerbsleben". Die Sozialdemokraten hätten dafür lange gekämpft.

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer. Dabei werden allerdings weder die Art noch die Dauer der jeweiligen Tätigkeit berücksichtigt. Bei identischen Berufen, Hierarchiestufen und Arbeitszeiten liegt die Differenz im einstelligen Bereich. Männer zieht es häufiger in gut zahlende Branchen, während viele Frauen nach wie vor Berufe am unteren Ende der Gehaltsskala wählen: als Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Verkäuferinnen.

Außerdem arbeiten deutlich mehr Frauen (7,7 Millionen) als Männer (1,8 Millionen) in Teilzeit oder in Minijobs - meistens wegen der Erziehung ihrer Kinder. In die hoch bezahlten Spitzenjobs mit ständiger Verfügbarkeit steigen deshalb vor allem Männer auf.

Angestrebt: Neubewertung typischer Frauenberufe

Die Verhandlungsführerin der Union, Annette Widmann-Mauz, sagte, die Koalition wolle jetzt die Ursachen für die ungleiche Entlohnung beseitigen. "Typische Frauenberufe, etwa in der Kinderbetreuung oder in der Pflege, sind noch immer schlecht bezahlt, obwohl sie für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind." Ziel der Koalition sei es deshalb, "gerade Berufe in der Pflege, der Kinderbetreuung und der frühkindlichen Bildung aufzuwerten und damit auch besser zu bezahlen".

Dafür müsse man "gemeinsam mit den Tarifparteien zu einer Neubewertung dieser typischen Frauenberufe kommen". Es gehe nicht an, dass wichtige Entscheidungen für die Beschäftigten "in Tarifkommissionen nur von Männern getroffen werden". Deshalb wolle eine große Koalition dafür sorgen, dass die Tarifkommission künftig ausgewogen mit Frauen und Männern besetzt seien.

Die Arbeitsgruppe einigte sich auf ein Bündel von Maßnahmen. So sollen Arbeitnehmer unter anderem einen individuellen Auskunftsanspruch über das im Betrieb für ihre Tätigkeit übliche Lohnniveau erhalten. Wie dies genau geregelt werden soll, ist noch unklar.

Arbeitgeber lehnen Vorschlag ab

Darüber hinaus sollen Unternehmen verpflichtet werden, "anonymisierte Entgeltberichte" vorzulegen. Dadurch soll Transparenz geschaffen werden. Große Unternehmen sollen auch verpflichtet werden, ihre Maßnahmen zur Überwindung der Entgeltungleichheit zu dokumentieren.

Widmann-Mauz versprach, es werde trotz der vielen Vorschriften kein "neues Bürokratiemonster" geben. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lehnte das Vorhaben trotzdem umgehend ab. "Ein Entgeltgleichheitsgesetz, weitere bürokratische Regulierung oder die verbindliche Einführung von Lohnmess-Instrumenten sind nicht erforderlich und belasten unnötig die Unternehmen," sagte ein BDA-Sprecher dem Tagesspiegel am Sonntag.

Die bestehenden Entgeltunterschiede seien "fast ausschließlich auf das unterschiedliche Berufswahlverhalten von Frauen, längere Erwerbsunterbrechungen und die häufigere Teilzeitarbeit in geringem Stundenumfang zurückzuführen". Und bei gleicher Tätigkeit und gleichem Arbeitgeber sei eine Lohndiskriminierung der Frauen ja ohnehin bereits verboten.