Beiträge rauf, Steuern runter: Die FDP bleibt in den Koalitionsverhandlungen das, was sie immer war, eine Klientelpartei.
Die FDP hat in den Koalitionsgesprächen mit CDU und CSU eine Gesetzesänderung durchgesetzt, von der die Öffentlichkeit bisher wenig mitbekommen hat: Jeder Bürger kann in Zukunft die Rechnung seines Steuerberaters wieder beim Finanzamt geltend machen.
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Dirk Niebel (links) und Guido Westerwelle: Die FDP betreibt bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union wieder Klientelpolitik. (© Foto: dpa)
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Das klingt nach einem unbedeutenden Detail. Tatsächlich aber weckt der Beschluss Erinnerungen an eine Partei, die längst Vergangenheit sein sollte: jene FDP, die außer Steuersenkungen und Wahlgeschenken an die eigene Kernwählerschaft - oder einer Kombination aus beidem - programmatisch nichts zu bieten hatte.
Es zählt zu den unbestrittenen Erfolgen des Vorsitzenden Guido Westerwelle, dass er die Freien Demokraten in den vergangenen Jahren aus der Ecke der reinen Klientelparteien herausgeführt hat.
Das ist einer der Gründe dafür, dass die Liberalen auch für Menschen wählbar wurden, die nicht Anwalt, Notar oder Steuerberater sind. Drei Wochen nach der Bundestagswahl jedoch mehren sich die Zeichen, dass Westerwelles Strategiewechsel womöglich nur für die Oppositionspartei FDP galt: Denn statt sich etwa der Erfolge zu rühmen, die seine Unterhändler bei den Beratungen über die innere Sicherheit und die Bürgerrechte erzielten, macht er das Zustandekommen der Koalition allein davon abhängig, dass ein monströses Steuersenkungsprogramm in die Tat umgesetzt wird.
Es ließe sich an dieser Stelle viel über die Haushaltsnöte sagen, in denen der Bund steckt und warum sich Steuererleichterungen eigentlich verbieten. Das wahre Problem liegt jedoch darin, dass für Westerwelle Steuersenkungen ein reiner Selbstzweck sind.
Die entscheidenden Fragen stellen der FDP-Chef und sein Ko-Unterhändler Hermann Otto Solms deshalb erst gar nicht: Welche Aufgaben soll der Staat - auch vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise - eigentlich künftig wahrnehmen? Wie muss die zugehörige finanzielle Ausstattung aussehen? Und passen zu diesen Anforderungen tatsächlich Steuersenkungen?
Auch die beiden Herren wissen, dass der Staat strukturell unterfinanziert ist. Und die deutschen Steuersätze sind im internationalen wie im historischen Vergleich keineswegs zu hoch: 1958 musste ein Arbeitnehmer auf 10.000 Euro Jahreseinkommen 24,5 Prozent Steuern zahlen, heute sind es noch 3,5 Prozent.
Das bedeutet nicht, dass es im Steuerrecht keinerlei Probleme gäbe. Viel gravierender aber sind die immens hohen Sozialabgaben. Sie schmälern das Einkommen eines jeden Arbeitnehmers vom allerersten verdienten Euro an um mehr als 20 Prozent. Damit verringern sie den Anreiz, einen Job anzunehmen, und fördern die Schwarzarbeit.
Sollten Union und Liberale also tatsächlich die Steuern senken und gleichzeitig die Beiträge zur Arbeitslosen- und zur Krankenversicherung erhöhen, wäre das nicht nur haushaltspolitisch fatal, sondern auch wirtschaftspolitisch unnütz und sozialpolitisch widersinnig. Echte Klientelpolitik eben.
Sinti und Roma als Nachbarn? Bloß nicht, sagen zwei von drei Deutschen. Über Menschen, die im eigenen Land Fremde sind. Seite Drei. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 19.10.2009/gba)
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Zitat "nämlich zwei Parteien, die ganz bestimmt nicht die Interessen der Mehrzahl unserer Bürger vertritt."
Sie wissen natürlich genau, was die Interessen der Mehrzahl unserer Bürger sind ?!?!
Tja, bei mir im Bekanntenkreis war der Wahlausgang ein Schocker.
So viele Apotheker, Ärzte und Steuerberater in Deutschland?
Es kommt doch ein bisschen Schadenfreude auf, wenn die Leute genau das bekommen, was sie gewählt haben: nämlich zwei Parteien, die ganz bestimmt nicht die Interessen der Mehrzahl unserer Bürger vertritt.
Warum ist es eigentlich - scheinbar - so verwerflich, wenn die FDP für bestimmte Gruppen der Gesellschaft Politik machen will (ob das wirklich stimmt, ist eine andere Frage....).
Von den Linken (egal ob aus der gleichnamigen Partei oder aus der SPD) hört man eigentlich auch immer nur Vorschläge, die für ganz bestimmte Gruppen gut sind (oder sein sollen) .... für die Arbeitslosen, für die Hartz-IV-Empfänger, für Niedriglöhner, usw.
Also ebenfalls Klientelpolitik bzw. Klientelpartei !
Was soll also die ganze Aufregung ?
"...eine Partei, die längst Vergangenheit sein sollte: jene FDP, die außer Steuersenkungen und Wahlgeschenken an die eigene Kernwählerschaft - oder einer Kombination aus beidem - programmatisch nichts zu bieten hatte."
Wer konnte denn ernsthaft annehmen, dass die FDP unter Westerwelle jemals etwas anderes sein könnte?
Steuern und Sozialabgaben sind bei den Niedriglöhnern sowieso kein Thema.
Kurzer Beweis, ein blick ins SGB-II §30 hilf weiter.
Die ersten 100 dürfen voll verdient werden, danach bleiben 20% bis 800 und danach 10 der Summe bis 1200/1500 über (Single/Familie mit Kind). Das heisst, auf die ersten 1200-1500 Lohn werden beim Umweg über die Arge statt das Finanzamt 290 nicht aufs Existenzminimum angerechnet.
Also, wenn Sie 1200 im Monat verdienen, dann haben Sie beim Finanzamt Anspruch auf 906. Wenn Sie danach zur Arge gehen, dann wird Ihnen ein Freibetrag von 280 vom netto abgezogen (626), danach 30 Versicherungspauschale, danach Werbungskosten, sagen wir noch mal 30. Bleiben 566 über. Davon gehen 356 Regelsatz weg, bleiben 210.
Sollte Ihre angemessene Miete plus Nebenkosten höher sein als 210 (was meistens kein Problem ist), dann gibts die Differenz zu diesen 210 Euro nochmal bar von der Arge. Die hat im Gegensatz zum Finanzamt nämlich Mitleid mit Ihnen und will Sie belohnen dass Sie überhaupt arbeiten gehen.
Bei einer Familie mit 2 Kindern (Regelsatz des Existenzminimums etwa 1630/Monat) bedeutet das, dass Sie mit Job (fast egal wie lausig bezahlt) und einem Einkommen unter 1900 Netto definitiv bei der Arge vorbeischauen sollten, gerade wenn Sie in einer Region mit hohen Mieten leben. Keine falsche Scheu, das Finanzamt hat auch keine Scheu einem in die Taschen zu greifen.
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