Eine Autofahrt mit 1,54 Promille brachte das Ende. Margot Käßmann, die Repräsentatin der evangelischen Kirche, tritt zurück - auch als Landesbischöfin. Tagelang hatte sie die Titelseiten der Presse geziert.
Das Thema des Abends: "Alles nur Theater". Margot Käßmann, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) diskutiert mit Lars-Ole Walburg, dem Intendanten des Schauspiels Hannover. Es geht um Mephisto, die Inszenierung einer Liturgie und darüber, was die Kirche vom Schauspiel lernen kann.
"Die Kontrolle ist stärker, das empfinde ich nicht nur als einen Zugewinn an Schönheit im Leben" - Margot Käßmann ist als Ratsvorsitzende der EKD in Bedrängnis. (© Foto: dpa)
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Käßmann wirkt angespannt und nervös. "Egal, was ich sage, vielleicht auch heute Abend, ich finde jeden Satz wieder", sagt sie am Rande über ihre ersten 120 Tage im Amt der Landesbischöfin. "Die Kontrolle ist stärker, das empfinde ich nicht nur als einen Zugewinn an Schönheit im Leben."
Käßmann sagt diese Sätze am Montagabend. Da liegt ihre Alkoholfahrt mit 1,54 Promille bereits zwei Tage zurück, ist aber noch nicht öffentlich bekannt. Doch Käßmann weiß, dass Bild ihren Fehler publik machen wird.
Ihre Aussagen lassen vermuten, dass sie ahnt, welche Wellen diese Meldung schlagen wird. "Bischöfin Käßmann betrunken am Steuer": Die Schlagzeile konnte am nächsten Morgen ganz Deutschland auf Seite eins der Boulevardzeitung lesen.
An diesem Mittwoch wird klar: Trunkenheit am Steuer war zu viel für ein Verbleiben im Amt. Für 16 Uhr setzte Margot Käßmann eine Pressekonferenz an, um zu erklären, was unerklärbar bleibt. Sie tritt von ihren Ämtern zurück, sowohl als EKD-Vorsitzende, als auch als Landesbischöfin.
Damit ist die Frage beantwortet, über die die Republik seit Kurzem diskutiert: Ob die Theologin in ihrem Amt noch zu halten sei. Die Sache lud geradezu ein zum Spekulieren. Wer war die Person auf dem Beifahrersitz? Mit wem saß sie am Samstagabend zusammen?
Der Rat der EKD hatte am Mittwochmorgen Käßmann noch einmütig sein Vertrauen ausgesprochen - und gab die Entscheidung über ihre Zukunft zurück an die Verantwortliche, die (Verkehrs-)Sünderin. "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", heißt es in der Mitteilung.
Im Nachhinein wirkt das wie eine elegante Abwicklung.
Die Argumente - weiter mit Käßmann oder nicht - lagen auf dem Tisch. Jeder konnte sie nachlesen. Zeitungen und Internetportale waren voll mit Kommentaren zu der Frage, in Internet-Foren diskutierten Bürger und Christen. Der Ratsvorsitzenden wurde entweder leidenschaftlich der Rücken gestärkt - oder aber nachdrücklich der Rücktritt empfohlen.
Einig war sich die Mehrheit nur in einem Punkt: Mit 1,54 Promille Auto zu fahren ist ein großer Fehler - aber Fehler sind menschlich. Zehntausende Bundesbürger müssen jedes Jahr ihren Führerschein abgeben, weil sie wie die Landesbischöfin zu viel Alkohol getrunken und sich dann ans Steuer gesetzt haben. "Ein strafrechtliches Vergehen, keine Frage, ein Fehlverhalten, auch das. Und doch ein buchstäblich alltägliches", wusste Spiegel online. Die Staatsanwaltschaft erklärte bereits, dass Käßmann mit einem zügigen Abschluss des Verfahrens rechnen darf.
Doch die Frage, die sich Käßmann nun stellen musste, war, ob sie mit diesem Fehler weiter Ratsvorsitzende der EKD sein könne. "Wer an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland steht, hat sich darauf eingelassen, Vorbild zu sein. Und Vorbilder werden zu Recht nicht nur an ihren Worten, sondern vor allem auch an ihren Taten gemessen", schrieb das gutbürgerliche Westfalen-Blatt.
Die Frankfurter Rundschau forderte Konsequenzen - "auch wenn die EKD keinen auch nur annähernd gleichwertigen Ersatz aufzubieten hat". Träte sie zurück, sei das der letzte Ausweis ihrer Qualifikation als gesellschaftliches Gewissen. Das wird ja jetzt auch passieren.
Die taz wiederum fände es schade, wenn "Käßmanns Stimme wegen dieser einen Dummheit in den großen gesellschaftlichen Debatten fehlen würde". Auch in der Süddeutschen Zeitung wurde Käßmann bereits der Rücken gestärkt. "Margot Käßmann muss bekennen, was sie getan hat, zu der Strafe stehen, die sie erwartet, Reue zeigen, umkehren - das alles sind zutiefst christliche Themen. Im Amt soll sie bleiben: als fehlbares Vorbild."
Unfehlbarkeit beanspruchte die evangelische Kirche noch nie. Das ist die Sache des anderen Lagers. Doch schwere Fehler können eben auch schwere Konsequenzen haben.
Den Mut haben, Fehler zu erklären
Die Online-Ausgabe des Sterns meinte, dass auch Vorbilder Fehler machen dürfen. "Sie müssen nur den Mut haben, sie zu erklären." Käßmann solle den Weg in die Öffentlichkeit suchen, "ohne zu vertuschen, ohne zu beschönigen, ohne zu rechtfertigen".
Die Hannoversche Allgemeine, Käßmanns Heimatzeitung, präsentierte der Landesbischöfin eine Kompromisslösung: "Politiker, die in Krisen geraten, lassen, wenn sie gut beraten sind, während der Dauer staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen ihre Ämter ruhen."
Dazu kommt es jetzt nicht.
Margot Käßmann übrigens stellte während der Theaterdiskussion etwas Wichtiges selbst fest: Die zentrale Botschaft des Christentums sei, dass Gott den Menschen nicht fallenlässt - "in all seinem Scheitern, in all seinem Versagen".
Im Video: Die Alkoholfahrt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann beschäftigt die Öffentlichkeit weiter.
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(sueddeutsche.de/liv)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
Schade, aber anscheinend unausweichlich. Dennoch muß ich sagen:" mir ist eine manchmal betrunkene Kirchenfürstin lieber als scheinheilige Kinderschänder "
Darüber sollte nachgedacht werden, nicht nur in den Kirchen auch in und dort besonders, in der Politik.
@ Nachdenkliche:
" "Aber ich warte noch auf Verschwörungstheorien - die kommen sicher auch noch."
Die kommen doch immer von Ihnen, Pira! Warum warten, einfach loslegen! " "
Das hat doch bereits die Dame aus der Schweiz getan. So sieht Arbeitsteilung aus.
Was hat eine Betschwester gegen Gutmenschen?
Scheidung halte ich nicht für Diskreditierung christlichen Vorbildes, sondern für eine Konsequenz des Gebotes zur Nächstenliebe. Zu aufrichtiger und ganz besonderer Nächstenliebe, die mensch, wie die Erfahrung lehrt, nicht in ein zwanghaftes Korsett zwängen kann, auch nicht im Sinne der Aufrichtigkeit den Kindern gegenüber. Da sollte es einvernehmliche und vor allem zukunftsfähige Lösungswege im Interesse aller Beteiligten geben, was ja auch in der Evangelischen Kirche voll akzepiert ist.
Ich kann mich nur vollinhaltlich anschließen ...
Paging