Ein Papier für CDU-Ministerin Schavan facht die Atomdebatte neu an. SPD und Grüne sehen in der Studie die wahren Atompläne von Schwarz-Gelb, die vor der Wahl niemand erfahren sollte.
Es ist nur ein Papier, doch es bringt Schwung in den Wahlkampf: Ein Konzept zur künftigen Energiepolitik Deutschlands verändert die Atomdebatte.
Kabinettskollegen mit unterschiedlicher Ansicht zur Atomkraft: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesforschungsministerin Annette Schavan (beide CDU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) (© Foto: ddp)
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Drei deutsche Forschungsinstitute sowie die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) haben an dem Opus mitgeschrieben, das den etwas sperrigen Titel "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland" trägt. Darin empfehlen rund 100 Wissenschaftler den Bau neuer Kernkraftwerke in Deutschland - und, als Alternative zu Gorleben, die Suche nach anderen Standorten für atomare Endlager.
Eine "Kurzfassung" der Studie liegt seit dem 24. Juni bei Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) - veröffentlicht werden sollte das Gutachten aber erst nach der Bundestagswahl.
Pikanter Brief
Pikant ist in diesem Zusammenhang auch ein Brief von Ortwin Renn, Mitglied im Acatech-Präsidium. Renn schreibt der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge, man habe sich mit dem "Bundesforschungsministerium darauf verständigt, das Konzept erst nach der Bundestagswahl der Öffentlichkeit vorzustellen, da sonst die Gefahr bestände, dass es im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird".
Wie das Forschungsministerium auf Anfrage von sueddeutsche.de bestätigt, gibt es ein solches Papier tatsächlich - allerdings sei die Intonierung des FTD-Berichtes unzutreffend: "Mit Verlaub: Diese Interpretation ist ziemlich daneben", sagt Elmar König, Sprecher von Forschungsministerin Schavan.
Fakt ist: Das Papier wurde von Schavan höchstselbst in Auftrag gegeben. Am 11. September 2008 verkündete die Christdemokratin und Vertraute Merkels vor der Helmholtz-Gesellschaft, Deutschland fehle "ein integriertes Energieforschungskonzept". In ihrer Rede erklärte Schavan weiter, die beauftragten Institute sollten ihr das Konzept "bis zum Frühjahr 2009" vorlegen.
Ein Arbeitsentwurf sei der Ministerin im Juni übergeben wurden, bestätigt Schavans Sprecher Elmar König gegenüber sueddeutsche.de. Er spricht von "vier Seiten". Bei der längeren Version handele es sich nicht um ein vollständiges Gutachten, sondern es sei lediglich ein "erster Entwurf eines Konzepts".
Das Ministerium lehnt den Begriff "Atom-Studie" ab. Er sei "falsch", sagt Sprecher König. Auf den 45 bis 50 Seiten gehe es in erster Linie um erneuerbare Energien, die Kernkraft werde auf "vier, fünf Seiten" abgehandelt.
Eine Schlussfassung werde es erst im Sommer 2010 geben, bis dahin werde man "die wissenschaftlichen Thesen im Einzelnen nochmal überlegen", sie würden "breit und transparent" diskutiert, erklärt Schavans Sprecher.
Wahlkampf-Munition für SPD und Grüne
Das Dokument kommt aus Unionssicht zur Unzeit: Mühsam, aber bislang recht erfolgreich hat die wahlkämpfende Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel verhindert, dass eine neue Atomdebatte zum entscheidenden Thema im Bundestagswahlkampf wird. Im TV-Duell mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier beschwichtigte Merkel, bei der Atomkraft gehe die Sicherheit vor - es sei ohnehin nur eine "Brückentechnologie".
Ein Papier aus dem Hause einer CDU-Ministerin und stellvertretenden Parteivorsitzenden, das den Bau neuer Meiler vorschlägt, konterkariert Merkels Aussagen und liefert dem politischen Gegner Munition - allen voran Sigmar Gabriel.
Der sozialdemokratische Umweltminister versucht seit langem Stimmung gegen die Atompolitik von Schwarz-Gelb zu machen. Durch die Schavan-Studie fühlt er sich bestätigt. Gabriel wittert einen "Geheimplan" der Union: "Offensichtlich spielt die Atomkraft in den Planungen der Union insgeheim eine größere Rolle als bisher immer behauptet." Er fordert in Richtung Union: "Die Bundeskanzlerin muss Klarheit schaffen."
Aus Sicht der Grünen zeigt das Papier, was viele in der Union und FDP wirklich wollen. Schavans Studie sei nach den "Sozialabbauplänen von Wirtschaftsminister zu Guttenberg schon das zweite Geheimpapier, das zeigt, welcher Kurs unter Schwarz-Gelb wirklich drohen würde", sagt die Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn im Gespräch mit sueddeutsche.de. "Wenn im Forschungsministerium über den Bau neuer Atomkraftwerke nachgedacht wird, haben die Wähler ein Recht, das vor der Wahl zu erfahren", so die frühere nordrhein-westfälische Umweltministerin.
"Eine Verbindung zwischen dem Wahltermin und der Veröffentlichung der Studie gibt es nicht", sagt Elmar König, der Sprecher von Forschungsministerin Schavan. Das sei "alles Quark". Die beteiligten Institute könnten den bisherigen Stand der Studie gerne veröffentlichen, Schavans Ministerium werde es nicht tun, so König. Schließlich gelte: "Work in Progress".
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(sueddeutsche.de/gba/ehr)
Stockender Kita-Ausbau
Sie mögen zwar stilistisch recht haben, dass 'Veltiners' Formulierung etwas altklug klingt, inhaltlich hat er jedoch recht!
Hier im Forum geben 'ne Menge Leute eine Meinung ab, obwohl sie von dem Thema noch weniger Ahnung haben, als die Journalisten die oben stehenden Artikel geschrieben haben. Es geht hier nämlich nicht ums für und wieder der Kernkraft (dies findet man beim Artikel über den Punkt Kernenergie im Wahlprogramm von Union/FDP, und ich persönlich stimme Ihnen vollkommen zu, dass dort 'einiges im Argen' ist!), sonder um die genannte Studie.
Und es hilft sicherlich, wenn man sich erst einmal mit dem Inhalt beschäftigt und dann einen Kommentar dazu abgibt. Sonst können wir die Diskussion nämlich gleich zu einem Bier am Tresen verlegen. (Soviel Altkluges von mir...)
richtig hingucken, und dann maulen, Plexar hat`s richtig geschrieben.....
@plexar:
Kleiner Hinweis:
Er heißt Veltliner ( und nicht Veltiner), legt großen Wert auf richtige Nennung und neigt dazu, jegliche entsprechende "Verfehlungen" sofort dem Moderator zu melden, der dann auch umgehende sanktionierend eingreift.
Wenn Merkel von " Brückentechnologie spricht, hat sie nicht einmal die Unwahrheit gesagt. Es kommt nur darauf an, wie lang man diese Brücke baut, bis 20020 oder bis 2100. Im Gegensatz zu obigem Artikel und den politischen Aussagen, habe ich dieser Tage im Deutschlandfunk ein Statement vom Fraunhofer-Institut gehört, dass den Kraftwerksbetreibern attestiert, dass sie mit ihren Kohle - und anderen Kraftwerken kaum noch Stromabnehmer finden würden, falls man in der Politik engagierte Ziel, die ohne Weiteres erreichbar seien, verfolgen würde. So, und jetzt kommt die Gretchenfrage: Wer wird von wem gesponsert. Wer ist glaubhafter, wer ist ehrlicher u.s.w. u.s.w. Das wäre reine Real-Satire, wenn es nicht so ernst wäre. Und, wer verkauft hier wen für dumm?
"sondern um das für und wider von Atomkraft im allgemeinen. "
Nur, dass das nicht das Thema des zu kommentierenden Artikels ist.
Geht`s -bloß- um das Für und Wider der -praktizierten- Atomkraft, wäre auch nicht Schavan Stein des Anstoßes, sondern der zuständige Minister für Reaktorsicherheit, der die Aufsicht über diese Anlagen hat. Auch um den geht`s urspünglich in dem Artikel nicht.
Also in mehrfacher Hinsicht Thema verfehlt.
Paging