Kampf gegen Isis Saudi-Arabien stationiert Zehntausende Soldaten an irakischer Grenze

Saudi-Arabien bringt Zehntausende Soldaten an der Grenze zum Irak in Stellung (im Bild: Soldaten während einer Militärparade)

(Foto: dpa)

In Saudi-Arabien wächst die Angst vor der Isis-Miliz, die weite Teile des Irak unter ihrer Kontrolle hat. König Abdullah hat deswegen 30 000 Soldaten an die Grenze zum Irak beordert, um sein Land vor "terroristischen Bedrohungen" zu schützen.

  • Die radikalen Islamisten von Isis haben weite Teile im Norden und Westen des Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Nun bringt offenbar Saudi-Arabien Zehntausende Soldaten an der Grenze in Stellung.
  • Isis kontrolliert in Syrien ein Gebiet, das fünfmal so groß ist wie der Libanon.
  • Die Kämpfe im Irak gehen unvermindert weiter - nun auch unter den Schiiten. Bei Kämpfen in der Pilgerstadt Kerbela werden 45 Menschen getötet.
  • Kurdenpräsident bittet Parlament um Unabhängigkeitsreferendum

Saudi-Arabien stationiert 30 000 Soldaten an irakischer Grenze

Saudi-Arabien hat 30 000 Soldaten an der Grenze zum Irak stationiert. König Abdullah habe alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um das Land vor "terroristischen Bedrohungen" zu schützen, meldet die staatliche Nachrichtenagentur SPA und bestätigt damit einen Bericht des Fernsehsenders Al-Arabija.

Zuvor seien dort irakische Soldaten abgerückt, berichtet der Sender mit Sitz in Dubai. Als Quelle nennt er ein Video, das 2500 irakische Soldaten zeigt, die sich in einem Wüstengebiet westlich von Kerbela aufhielten. Sie seien dem Sender zufolge von ihren früheren Posten abgezogen worden und hätten das Grenzgebiet zu Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien unbewacht zurückgelassen. Der Beitrag zitiert einen irakischen Offizier, wonach die Soldaten ohne Begründung abgezogen worden seien. Saudi-Arabien und der Irak haben eine etwa 800 Kilometer lange gemeinsame Grenze. Nähere Angaben, wo genau die Soldaten stationiert gewesen sein sollen, gibt es bislang nicht.

Ein Bericht des britischen Nachrichtensenders BBC widerspricht der Darstellung von Al-Arabija: Demnach habe das irakische Militär dementiert, dass die Soldaten ihre Posten entlang der Grenze zu Saudi-Arabien aufgegeben haben. Der Sender zitiert den irakischen Innenminister, wonach die Überwachung der Grenze ganz normal funktionieren würde. Einschätzungen des BBC-Korrespondenten zufolge sei die saudi-arabische Truppenbewegung keine Reaktion auf eine direkte Bedrohung entlang der Grenze, sondern lediglich eine Entscheidung angesichts der unübersichtlichen Lage in der Region.

Isis kontrolliert nun auch syrische Provinz Deir al-Sor

In Syrien habe Isis erstmals die Kontrolle von der irakisch-syrischen Grenzstadt Albu Kamal bis kurz vor die Metropole Aleppo. Dies teilt die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Albu Kamal liegt rund 400 Kilometer von Aleppo entfernt. Isis herrsche damit allein in Syrien über ein Gebiet, das fünfmal so groß sei wie der Libanon, erklärt die oppositionelle Beobachtungsstelle. In der östlichen Grenzprovinz Deir al-Sor habe die Nusra-Front Isis die Kontrolle überlassen, erklärt die Beobachtungsstelle weiter. Al-Nusra steht Al-Qaida nahe. Diese sei aus ihren Hochburgen Majadin und Schuhail abgezogen. Isis habe zudem das größte syrische Ölfeld Al-Omar kampflos von der Nusra-Front übernommen. In Dei al-Sor seien nur noch die Provinzhauptstadt und der Flughafen sowie einige Dörfer unter Kontrolle der Truppen von Präsident Baschar al-Assad.

Obama telefoniert mit König Abdullah

Am Vortag hatten König Abdullah und US-Präsident Barack Obama miteinander telefoniert und die Lage im Irak besprochen. Dort sind in den vergangenen Wochen sunnitische Isis-Rebellen rasch auf die Hauptstadt Bagdad vorgerückt. Die radikalen Islamisten haben weite Teile im Norden und Westen des Irak unter ihre Kontrolle gebracht, aber auch in Syrien einige Regionen erobert. Am Sonntag hatten die Extremisten ein Kalifat in den von ihnen kontrollierten Gebieten ausgerufen.

Das US-Präsidialamt teilte mit, Obama und Abdullah hätten über die Notwendigkeit einer Regierung der nationalen Einheit im Irak beraten. Das Land ist gespalten zwischen Schiiten, die die Regierung stellen, und Sunniten, die sich vielfach benachteiligt fühlen. Saudi-Arabien versteht sich als Schutzmacht der Sunniten und unterstützt sunnitische Rebellen in Syrien in ihrem Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad. Die saudische Führung bestreitet jedoch, auch den sunnitischen Aufständischen im Irak zu helfen.

Kämpfe in Pilgerstadt Kerbela - 45 Tote

Derweil gehen die Kämpfe im Irak weiter: Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern eines radikalen Geistlichen und irakischen Sicherheitskräften kamen in der Pilgerstadt Kerbela bis zu 45 Menschen ums Leben. Zu den Ausschreitungen kam es, als die Beamten in der Nacht Gefolgsleute von Mahmud al-Sarkhi festnehmen wollten. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich dabei auf Sicherheitskreise. Sie hätten Straßensperren und Kontrollposten im Viertel des Geistlichen errichtet. Kerbela gilt den Schiiten als heilige Stadt.

Hintergrund ist ein Streit unter Schiiten über das Vorgehen gegen die Isis-Rebellen. Der von vielen Irakern verehrte Geistliche Ali al-Sistani hatte die Schiiten aufgefordert, zusammen mit den Streitkräften gegen die Aufständischen zu kämpfen. Dafür wurde er von Al-Sarkhi kritisiert.

Kurdenpräsident bittet Parlament um Unabhängigkeitsreferendum

Der Präsident der kurdischen Autonomieregion im Norden des Iraks, Massud Barsani, bat das Parlament um die Vorbereitung eines Referendums für die Unabhängigkeit Kurdistans. Das Parlament werde ein Datum festlegen und eine Wahlkommission einberufen, sagte der Außenbeauftragte der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Hemin Hawrami, nach der Sitzung in Erbil vor Journalisten. Das betreffe auch die mit der Regierung in Bagdad umstrittenen Gebiete wie die ölreiche Stadt Kirkuk.

"Diese Gebiete sind jetzt schon faktisch Teile Kurdistans", fügte er hinzu. "Das ist ein historischer Tag." Seinen Worten nach entschied sich die kurdische Regierung zu diesem Schritt, "weil der Irak fertig ist". Von insgesamt 111 Parlamentariern seien 110 bei der Sitzung gewesen. Und alle hätten den Vorschlag begrüßt, betonte Hawrami. Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki sei gescheitert und die Kurden teilten 1050 Kilometer Grenze mit der Terrormiliz Isis und nur noch 15 Kilometer mit der irakischen Armee. "Es gibt eine neue Realität und damit müssen wir umgehen." Er rechnete damit, dass das Referendum "bald" abgehalten werden kann.

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