70 Jahre nach Kriegsende Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma wird eingeweiht

500.000 Sinti und Roma haben die Nazis zwischen 1933 und 1945 ermordet. Doch erst 70 Jahre später wird ihrer mit einem offiziellen Denkmal gedacht. Vor der Einweihung in Berlin kritisiert der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma Innenminister Friedrich scharf und wirft ihm Hetze vor.

Nach den Juden und den Homosexuellen haben damit auch die Sinti und Roma nach mehr als 20-jähriger Planung in Berlin einen Ort der Erinnerung an die Schrecken des Holocaust.

(Foto: AP)

Knapp 70 Jahre nach Kriegsende wird heute in Berlin das Denkmal für die 500.000 von den Nazis ermordeten Sinti und Roma der Öffentlichkeit übergeben. An dem Festakt in unmittelbarer Nähe des Reichstages nehmen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, teil. Auch mehr als 100 Überlebende des Holocaust werden erwartet.

Der israelische Künstler Dani Karavan hat das Denkmal gestaltet. Es besteht aus einem runden Wasserbecken, in dessen Mitte eine versenkbare steinerne Stele montiert ist. Auf dem Rand steht in englischer und deutscher Sprache das Gedicht "Auschwitz" von Santino Spinelli. Nach den Juden und den Homosexuellen haben damit auch die Sinti und Roma nach mehr als 20-jähriger Planung in Berlin einen Ort der Erinnerung an die Schrecken des Holocaust. Diskussionen mit den Opferverbänden und Schwierigkeiten beim Bau sorgten aber immer wieder für Verzögerungen.

Mit dem Denkmal setze die Bundesregierung ein Zeichen, "das nicht allein in die Vergangenheit weist, sondern vor allem Verantwortung für Gegenwart und Zukunft symbolisiert", betonte das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma. Die zwölf Millionen Sinti und Roma in Europa seien "noch heute täglicher Diskriminierung ausgesetzt". Der "zunehmende Rassismus in Europa" bedrohe nicht nur die Minderheiten, "sondern die europäischen Werte an sich, deren Kern die Menschenrechte und die Menschenwürde sind".

Friedrich wirft Sinti und Roma "Ausnutzen unseres Systems" vor

Der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma, Romani Rose, kritisierte im Vorfeld Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wegen dessen Äußerungen zur angewachsenen Zahl von Asylanträgen von Sinti und Roma aus Serbien und Mazedonien scharf. "Das Thema Asylmissbrauch an einer Minderheit wie den Sinti und Roma abzuhandeln, halte ich für mehr als diskriminierend. Da betreibt man ein Stückweit Hetze", sagte Rose der Mittelbayerischen Zeitung.

Rose erklärte weiter, er hoffe, dass derartige Äußerungen "nicht bereits auf den Bundestagswahlkampf im nächsten Jahr" gerichtet seien. Eine härtere Asylpolitik gegenüber Sinti und Roma dürfe auch "keine Retourkutsche gegen das Bundesverfassungsgericht" gewesen sein, das vor einiger Zeit das Existenzminimum für Asylbewerber angehoben hatte. Jeder einzelne Asylantrag müsse geprüft werden, verlangte Rose. Schnellverfahren an den Grenzen durchführen zu wollen, sei "eines Rechtsstaates unwürdig", kritisierte der Zentralratsvorsitzende.

Bundesinnenminister Friedrich hatte auf dem CSU-Parteitag am Wochenende Asylanträge von Menschen aus Serbien und Mazedonien als nicht akzeptabel bezeichnet. Diese Menschen wüssten, dass sie die deutschen Asylkriterien nicht erfüllten. "Das ist ein Ausnutzen unseres Systems und ich nenne es Missbrauch", hatte der Bundesinnenminister gesagt.