Islamisten in Deutschland Kämpfer von der Straße holen

  • Sehr entschieden gehen die deutschen Sicherheitsbehörden in diesen Tagen gegen die islamistische Szene vor. Die Lage ist angespannt.
  • Von 600 Extremisten, die einst in den Krieg nach Syrien oder in den Irak gezogen sind, sind 200 zurückgekehrt.
  • Viele der Hinweise auf deutsche Kämpfer in der Region kommen nicht von den deutschen Geheimdiensten, sondern immer wieder von der NSA.
Von Hans Leyendecker und Georg Mascolo

Im September suchten Ermittler in Kassel die Wohnung von Walid D. heim. Der Durchsuchungsbeschluss war knapp gehalten: Verdacht des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der 28-Jährige handele angeblich mit Amphetaminen. Nichts sprach dafür, dass man noch etwas ganz anderes finden würde.

In der Wohnung aber lagerten Schusswesten, eine Fahne des Islamischen Staates (IS) und zwei Waffen: eine Pistole vom Typ Ceska 27 sowie ein nicht voll funktionsfähiges Sturmgewehr AK-47 Kalaschnikow. Die meistverkaufte Waffe der Welt wurde auch von den Mördern in Paris eingesetzt.

Etliche Rückkehrer seien kampferfahren

Warum hatte sich Walid D. bewaffnet? Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes soll er bis Januar 2014 in Syrien gewesen sein, aber er galt nach seiner Heimkehr nicht als gefährlich. Er wurde zwar kurze Zeit observiert, jedoch reichte der Verdacht den Verfassungsschützern nicht für eine Telefonüberwachung. Die Polizei wusste bei der Durchsuchung angeblich nicht einmal, dass er für den IS gekämpft haben soll.

Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Auch soll er im Internet immer wieder Videos des IS mit grausigen Tötungsszenen aufgerufen haben. Was wollte Walid D.? War er den Staatsschützern aus dem Blick geraten?

Die Lage ist angespannt. Sehr entschieden gehen die Sicherheitsbehörden in diesen Tagen gegen die islamistische Szene vor. Vorigen Samstag verhafteten Beamte in Dinslaken-Lohberg einen 24 Jahre alten Dschihadisten, der von Oktober 2013 bis November 2014 in Syrien gewesen sein soll. Er soll zu einer "Brigade Lohberg" gehört haben. 16 junge Leute aus dem Dinslakener Ortsteil sind in den Krieg gezogen. Vier sind tot. Fünf sind zurückgekehrt.

Am Donnerstagabend wurde in Wolfsburg ein 26-jähriger Islamist verhaftet. Kein großer Fall. Er soll von Mai bis August 2014 in einem Trainingslager des IS gewesen sein und angeblich in Deutschland versucht haben, Dschihadisten anzuwerben. Und am Freitag vollstreckte eine Sonderkommission der Berliner Polizei zwei Haftbefehle in der islamistischen Szene.

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Ein Klima, in dem Radikalität gedeiht: Es gehört zum Wesen der belgischen Gesellschaft, sich nicht allzu sehr zu kümmern, auch nicht um frustrierte Muslime. Wo das enden kann, zeigen die Toten von Verviers. Kommentar von Cerstin Gammelin mehr ... Kommentar

Ein selbst ernannter "Emir" wurde festgenommen. Der 41-Jährige soll seine Schüler für den Dschihad vorbereitet haben. Der Kassenwart der von dem Emir angeführten Extremistengruppe wurde auch verhaftet. Zu den vielen Festnahmen sagt ein Sicherheitsbeamter: "Wir müssen die Leute so schnell wie möglich von der Straße holen."