Herstellungsfehler bei Kampfjet Bundeswehr stoppt Abnahme von Eurofightern

Die Bundeswehr stoppt den Kauf von Eurofightern: Auch andere Länder nutzen den Jet - im Bild ein Exemplar des österreichischen Bundesheeres.

(Foto: obs)
  • Die Probleme der Bundeswehr nehmen kein Ende. Weil es beim Kampfjet Eurofighter möglicherweise einen Herstellungsfehler gibt, stoppt die Bundeswehr den Kauf weiterer Jets.
  • Der Hersteller des Flugzeugs halbiert zudem die Flugzeit, für die der Jet freigegeben ist.
Von Christoph Hickmann, Berlin

Einkaufstopp für Eurofighter

Die Pannenserie bei der Bundeswehr setzt sich fort. Wegen eines Herstellungsfehlers nimmt Deutschland vorerst keine weiteren Eurofighter-Kampfjets ab. Zudem halbierte die Industrie den sogenannten Lebensdauerwert, für den die Jets freigegeben sind, von 3000 auf 1500 Flugstunden.

Wie das Verteidigungsministerium am Dienstagabend bestätigte, wurde der Herstellungsfehler bei einer Qualitätskontrolle gefunden. Er fand sich an einer großen Zahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil des Flugzeugs, das von mehreren Nationen gemeinsam hergestellt und eingesetzt wird. Grund sind unzureichende Entgratungen durch den Hersteller BAE Systems. Beim Entgraten werden etwa Kanten oder Splitter entfernt.

Auswirkungen des Fehlers nicht absehbar

Betroffen sind sowohl bereits gelieferte Flugzeuge als auch solche, die sich noch in der Produktion befinden. Nach Angaben des Herstellers hat der Fehler keine Auswirkungen auf die Flugsicherheit. Die Bundeswehr erklärte allerdings, dass "die Auswirkungen dieser Problematik auf die Lebensdauer der Zelle noch nicht absehbar" seien. Die Halbierung der Flugstunden sei daher "ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor", den die Industrie eingeführt habe. Dass man erst einmal keine Jets mehr kaufe, diene der "Vermeidung von Nachteilen" sowie der "Wahrung von Ansprüchen". Zunächst sollten nun die "kommerziellen Aspekte" geklärt werden. Der Flugbetrieb der Luftwaffe sei aber "nicht betroffen".

Die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger sagte: "Die Probleme im Rüstungsbereich nehmen kein Ende." Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) müsse nun "endlich handeln und ein Gesamtkonzept für Beschaffung und Materialerhalt auf den Tisch legen", sagte Brugger. "Wenn die Industrie ihren Verpflichtungen regelmäßig nicht nachkommt, müssen Konsequenzen gezogen werden, damit nicht dauernd Steuerzahler und Bundeswehr dafür zahlen müssen."