Ungeist und Unsinn: Guido Westerwelles Äußerungen sind keineswegs liberal, sondern töricht. Das ist nicht nur gefährlich für die FDP.
Das Unglück des Guido Westerwelle begann am Dreikönigstag. Damals rief er auf dem gleichnamigen FDP-Parteitag in Stuttgart eine "geistig-politische Wende" aus. Seitdem scheitert er fast täglich an dem Anspruch, diese Wende höchstpersönlich einzulösen.
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Guido Westerwelle: Neben sich, außer sich, hinter sich. (© Foto: ap)
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Westerwelle versucht also krampfhaft, seine Politik mit vermeintlichem Tiefsinn anzureichern, er greift zu höchst seltsamen historischen Vergleichen, er verwechselt Geist mit Ungeist und Tiefsinn mit Unsinn - und erreicht so das Gegenteil dessen, was er eigentlich erreichen will.
Erreicht hat Westerwelle mittlerweile auch, dass sich die Bundeskanzlerin von ihm distanziert. Es ist dies ein neuer Tiefpunkt in der kurzen Geschichte der schwarz-gelben Koalition. Die Kanzlerin rückt vom Vizekanzler ab, nach nur hundert Tagen gemeinsamen Regierens; dergleichen gab es noch nie in der bundesdeutschen Geschichte.
Das alles ist nicht nur gefährlich für die FDP, das ist auch gefährlich für die Union. Mit einer Partei, deren Parteichef neben und außer sich ist, hat man ein vernünftiges Regieren schon jetzt hinter sich. Die koalitionäre Dissonanz ist mit steigender Nervosität vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen allein nicht zu erklären. Es gibt eine wachsende Entfremdung zwischen Merkel und Westerwelle. Er fühlt sich von Merkel verletzt, verraten und verkauft. Er reagiert gereizt und er reizt damit wiederum Merkel, der die Gabe der Koalitionspartner-Pflege fehlt.
In seinem rhetorischen Wende- und Amoklauf hat Westerwelle zuletzt der Diskussion nach dem Hartz-IV-Urteil des Verfassungsgerichts "sozialistische Züge" attestiert. Solche Äußerungen zu einer wichtigen Debatte sind nicht liberal, sondern nur töricht.
Im Video: Der Außenminister und FDP-Chef hat mit seinen jüngsten Äußerungen zur Hartz-IV-Debatte Unmut auf sich gezogen.
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(SZ vom 13.02.2010/segi)
Russland unter Putin
Das Thema ist unbequem, aber wichtig. Und je höher angesetzt und von jemanden auf wichtiger Position offensiv vorgetragen wird, um so besser. Da zieht endlich keiner den Schwanz ein, handelt und spricht das aus, was viele denken, sich aber nicht trauen, um nicht ihre Position zu gefährden. Guido, Hut ab!
"Westerwelle ist wohl einer der wenigen Politiker Deutschlands von internationalem Format. Der Rest ist Deutsch. Und wie man sieht, nicht unbedingt erfolgreich, was die Führung eines Staates inkl. Staatshaushalt anbelangt!"
Es ist anzunehmen, daß Sie hier Haltungsnoten vergeben haben. Wie der Hotelpage Westerwelle Kratzfuß und offene Hand bei Baron Finck in Weinfelden kombiniert hat.
Eindrucksvoller war, wenn überhaupt, nur die Biellmann-Pirouette und die Figur, die der Vorsitzende Richter Maximilian Hofmeister gegenüber Ludwig-Holger Pfahls ablieferte.
rhetorische Kunstgriffe genügen nicht. Vielleicht lesen Sie - was Sie ohnehin schon getan haben - den Westerwelle-Text einfach einmal. Nicht eins der Zitate, das ich bei Ihnen lese, ist so gefallen. Link z.B. hier : 3 x w .welt.de/debatte/article6347490/An-die-deutsche-Mittelschicht-denkt-niemand.html
Das Thema, das Westerwelle anspricht, existiert europaweit und es wird keinen Wert haben, europaweit Maulkörbe zu verteilen, da das volkswirtschaftlich Notwendige sich nicht vom Tisch diskutieren lässt.
Statt den Herrn Westerwelle nun zum ausschliesslichen Diskussionsgegenstand zu machen, sollte man sich einer inhaltlichen Debatte nicht verschliessen.
Wenn sich die FDP nicht noch innerparteilich verfranst, wird m.E. der Vorstoss Westerwelles auf breiter Front einschlagen. Warum die allfällige Debatte also nicht führen?
Es ist nötig, Ihre halbwahren Aussagen zusätzlich zu kommentieren - gerade um Sie und andere, die sich ebenso schlecht an damals erinnern können, zum Nachdenken zu bewegen.
zskiz schrieb:
"Apropos ich habe auch die Reaktion von Beck wahrgenommen... Wer hat eigentlich diese ganen Gesetze veabschiedet? Die FDP? Nee, ich bin kein Liberaler, aber ab und an einfach mal ein bißchen nachdenken..."
Tatsächlich konnte das gesamte "Hartz-Paket" nicht wie vorgesehen verabschiedet werden, da Rot-Grün die Mehrheit im Bundesrat verloren hatte. Aus diesem Grund wurde das Paket in mehrere "Päckchen" aufgeteilt (I-IV) und es mussten mit der schwarz-gelben Quasi-Opposition im Bundesrat Kompromisse eingegangen werden. Schwarz-Gelb und nicht Rot-Grün war es, denen die ohnehin geplanten Einschnitte bei Hartz IV damals nicht weit genug gingen, was übrigens auch für die Höhe des Schonvermögens galt, dessen Anhebung heute als sozialstaatliche Wohltat propagiert wird. Die gesamte Hartz-Gesetzgebung ist somit das Ergebnis eines parteiübergreifenden Kompromisses zwischen Regierung und schwarz-gelber Opposition und spiegelt nicht die damals von Rot-Grün gewollte Politik wider. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass Peter Hartz damals betonte, dass das verabschiedete Gesamtpaket - bis auf die Namensgebung - letzten Endes nicht mehr viel mit seinem Konzept zu tun habe.
Letzten Ende war es eindeutig Glücksfall für Schwarz-Gelb, dass sie die Hartz-Gesetzgebung über den Bundesrat beeinflussen konnten. Heute werden sie vom Durchschnittswähler nicht dafür verantwortlich gemacht. - Warum auch? - Schließlich hat ja Rot-Grün regiert ...
"... aber ab und an einfach mal ein bißchen nachdenken..."
Für alle, die hier so wehement gegen die von Herrn Westerwelle angeregte Diskussion wettern...
... wenn es für alle genug Geld vom Staat gibt, dann lohnt es sich für niemanden mehr sich den Hintern aufzureissen!
--= Armes Deutschland - aber IHR wolltet es ja so! =--
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