Grüner Fritz Kuhn gewinnt OB-Wahl in Stuttgart Durch die Mitte zur Macht

Fritz Kuhn heißt der erste grüne Bürgermeister in einer deutschen Landeshauptstadt. Der Ober-Realo darf seine Karriere nun im Stuttgarter Rathaus abrunden. Eine Revolution ist das nicht. Die wertkonservativen schwäbischen Grünen haben das bürgerliche Lager nie besiegen wollen. Sie wollten es erobern.

Ein Kommentar von Roman Deininger, Stuttgart

Wenn die Landtagswahl im Südwesten im vergangenen Jahr wie oft behauptet eine Revolution war, dann hat sie sich nun als nachhaltig erwiesen. Die Grünen haben der CDU nach dem Amt des Ministerpräsidenten auch das des Stuttgarter Oberbürgermeisters abgerungen. Die Hoffnungen der Schwarzen, dass die Grünen sich in der Regierung selbst entzaubern würden, sind am Sonntag fürs Erste zerstoben.

Mit Fritz Kuhn lenkt zum ersten Mal ein Grüner die Geschicke einer deutschen Landeshauptstadt. Dass der Ober-Realo Kuhn seine wendungsreiche Karriere im Rathaus abrunden darf, ist kein Zufall. Und deshalb eigentlich auch keine Revolution. Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses, den Kuhn selbst vor mehr als dreißig Jahren mit anstrengte. Die wertkonservativen schwäbischen Grünen haben das bürgerliche Lager nie besiegen wollen. Sie wollten es erobern - als Grüne im schwarzen Land, und als Schwarze in der grünen Partei.

Ihre Versuche im politischen Labor Baden-Württemberg haben spektakuläre Ergebnisse erbracht. Der Schützenkönig Winfried Kretschmann und der Bildungsbürger Fritz Kuhn haben ihrer Partei einen Weg an die Macht vorgezeichnet, der durch die Mitte der Gesellschaft führt. Ob sie diesen Weg nicht auch gehen könnten, werden sich die Anhänger der reinen grünen Lehre in anderen Ecken der Republik nun sehr ernsthaft überlegen müssen.