"Er hat versucht, uns ganz tief durch den Kakao zu ziehen": Die saarländischen Grünen halten die Partei von Oskar Lafontaine für unberechenbar. Auf dem Parteitag fällt immer wieder das Wort Stabilität, das die Grünen wohl für eine Jamaika-Koalition votieren ließ.
Als es ernst wird in seiner Rede, als es endlich um die entscheidende Abstimmung geht, wird Hubert Ulrich poetisch. Von einem wunderschönen Haus spricht er plötzlich, mit vielen Zimmern. Und davon, dass das schönste Haus nichts tauge, wenn das Fundament marode sei und das Gebäude "bei jedem Windstoß umfallen lässt".
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Er hat die Koalition mit der Linkspartei verhindert - die Delegierten folgten ihm: Hubert Ulrich, Grünen-Chef im Saarland. (© Foto: AP)
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So ein Fundament sei in einem rot-rot-grünen Bündnis die Fraktion der Linken. "Nur an Personen" sei ein Linksbündnis an der Saar gescheitert, erzählt Ulrich später - und vor allem an einer: Oskar Lafontaine. Wenn man ihn als rotes Tuch für den Grünen-Chef bezeichnet, mag das wie ein Kalauer klingen. Es trifft das Problem aber ziemlich genau.
Die Wunden reichen zurück bis in die Zeit, als Lafontaine noch SPD-Chef im Saarland war. Schon damals hielt er die Grünen mit Kniffen aus dem Landtag. Vor zwei Jahren, als Lafontaine die Linke aufbaute, warb er die grüne Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol ab. Damit, ruft Ulrich in den Saal, habe er es geschafft, die Gesprächsbasis "deutlich anzukratzen".
Dann kam in diesem Sommer der Landtagswahlkampf, in dem Lafontaine verkündete, er wolle die Grünen aus dem Landtag kegeln. "Er hat versucht, uns ganz tief durch den Kakao zu ziehen", sagt Ulrich, und man hört an seiner Stimme, wie frisch die Wunde noch ist. Dann zitiert er angeblich Kurt Tucholsky: Man solle nie so tief sinken und den Kakao, durch den man gezogen wurde, auch noch trinken. Dabei ist das Zitat in Wirklichkeit von Erich Kästner.
Als er das sagt, hat Ulrich noch keine Wahlempfehlung ausgesprochen. Aber allen 150 grünen Delegierten in Saarlouis ist klar, dass er eine Koalition mit diesem "Hasardeur" nicht will. Und manche glauben nun auch die Gerüchte, wonach Ulrich sich innerlich seit Wochen auf ein Bündnis mit CDU und FDP festgelegt habe. Auch wenn er es stets bestritt.
Der Widerspruch allerdings kommt prompt, vor allem aus dem linken Kreisverband Saarbrücken. "Wir werden das gallische Dorf der Aufrechten bleiben", sagt dessen Chef Thomas Brück und droht dem Landesvorsitzenden: "Hubert, du musst dich warm anziehen in den nächsten fünf Jahren."
Es sind aber auch schon die schärfsten Töne des Abends. Farbbeutel fliegen keine, nur Argumente. Und immer wieder fällt das Wort, das am Ende wohl über die neue Regierung des Saarlandes entscheidet: Stabilität. Das hört sich dann so an wie bei Klaus Kessler, dem möglichen neuen Bildungsminister. Er habe wirklich ein linkes Herz, sagt er. Aber die nötige Verlässlichkeit für fünf Jahre könne er eben eher bei der CDU erkennen. So stimmen am Ende 117 der 150 Delegierten für Koalitionsgespräche mit Union und FDP.
Nun kann sich der bisherige Ministerpräsident Peter Müller (CDU) ausgerechnet bei seinem erbitterten Widersacher Lafontaine bedanken, dass er weitere fünf Jahre im Amt bleiben darf. Und das ist nicht die einzige kuriose Folge des grünen Votums: In den letzten Tagen des Wahlkampfs hatte die SPD für die Grünen getrommelt - sogar per Telefon riefen die Sozialdemokraten noch zu deren Wahl auf. Es könnten die entscheidenden Stimmen gewesen sein, die die Grünen mit 5,9 Prozent in den Landtag hievten. Doch nun beenden die Grünen alle Regierungshoffnungen des SPD-Chefs Heiko Maas.
Klar ist schon am Sonntagabend, dass diese Wochen eine ganze Reihe neuer Wunden geschlagen haben, zwischen den Parteien, aber auch innerhalb der Grünen. Spannend wird nun, wie die Partei diese Zerreißprobe übersteht, ob Flügelkämpfe ausbrechen oder die neue Macht eine balsamierende Wirkung entfaltet.
Die Landesvorsitzende Claudia Willger-Lambert glaubt, dass die Grünen in einem Jamaika-Bündnis zum Erfolg verdammt sind. Denn sollte es platzen und es zu Neuwahlen kommen, würden die Grünen wohl nicht mehr in den Landtag einziehen. Zu viele Wähler haben sie am Sonntag erst einmal vergrault und müssen sie nun zurückgewinnen. In der Regierung.
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(SZ vom 12.10.2009/cag)
Russland unter Putin
deckelt die SZ den grünen Ulrich-Sumpf im Saarland? Details finden sich hier: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31398/1.html
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Also, wenn die Grünen es schaffen, ihre Ziele durchzubringen, ist es doch super, dass sie ne Koalition mit allen Parteien eingehen können.
D.h. auf Länderebene, Umweltpolitik muss stimmen, Atomkraftausstieg muss bleiben, Studiengebühren müssen weg (bleiben).
Geben sie die Sachen auf, machen sie sich komplett unglaubwürdig.
"12.10.2009 13:32:43
Alando-B: @Eulenspiegel
""Und ferner bemerkenswert, daß er in einem Blatt steht, welches bekanntermaßen den Grünen nahe steht/stand. "
Die TAZ ist politisch generell links, aber parteipolitisch inzwischen den Linken mindestens genauso nah, wie den Grünen."
Oh-la-la. Da täuschen Sie sich aber gewaltig, wenn Sie mit "den Linken" die Partei Die Linke meinen sollten. Ich kenne kaum eine Tageszeitung die härter diese Linkspartei attakiert
als die TAZ. Und das vorwiegend mit Schlägen unter der Gürtellinie. Da nehmen sich ZEIT und WELT eher wie Streichelzoos für diese Partei aus.
Eigentlich ja noch schlimmer 7 Jahre! Entschuldigung, dass ich nur 5 Jahre geschrieben habe. Die Periode ist aj 4 Jahre, aber 7 Jahre haben für ein paar Spitzleute sicher gelangt, um an das zu gelangen, was ich bereits schrieb. Vieleicht gehören Sie zu denen, die wirklich an die Ursprungspartei geglaubt haben und nun nur noch Grün wählen, in der Annahme, dass Ihr Parteibeitrag nicht ganz umsonst war. Geht ja vioelen so. Ihre vermeintliche Kritik - Strom aus der Steckdose und den Widerspruch sollten Sie schon mal näher begründen. Ich weiß wovon ich geschrieben habe. Die Ökosteuer ist aus Ihrer Sicht sicher die reine Wahrheit. Mehrheiten denen Milliarden aus der Tasche gezogen worden sind, sehen das sicher anders. Wenn man es als Grund zur Geldbeschaffung wenigstens ehrlich gesagt hätte, dann gebe es vielleicht Verständnis, aber so? Wer einmal lügt, aber was eigentlich einmal, lügt auch wieder.
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