Nur 28 Hektar werden in Deutschland für Gen-Landwirtschaft genutzt, denn die Regeln sind streng und die Verbraucher skeptisch. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner sitzt zwischen allen Stühlen.
Ob die Grüne Gentechnik im Kampf gegen den Hunger helfen kann, ist offen. Genauso wie die Frage, ob sie für Mensch und Umwelt gefährlich ist. Doch eines steht fest, das zeigen alle Umfragen: Eine große Mehrheit der Verbraucher lehnt gentechnisch veränderte Pflanzen ab. Sie wollen sie nicht auf den Äckern sehen, sie wollen sie nicht in der freien Natur vorfinden und sie wollen sie erst recht nicht in ihren Lebensmitteln wissen. Weil aber niemand auf Dauer am Verbraucher vorbeikommt, spielt der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland bislang so gut wie keine Rolle.
Bild vergrößern
Die gentechnisch veränderte Kartoffelsorte "Amflora" darf im Gegensatz zum Gen-Mais "Mon-810" von Monsanto in Deutschland angebaut werden. (© dpa)
Anzeige
In diesem Jahr waren es ganze 28 Hektar, auf denen Gen-Pflanzen angebaut wurden. Das sind nicht einmal 0,001 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche in Deutschland. Davon dienten 13 Hektar allein zu Forschungszwecken. Universitäten und Konzerne wie BASF testeten dort gentechnisch veränderte Kartoffeln, Mais, Raps, Zuckerrüben oder auch Weizen. Kommerziell sollten gerade einmal 15 Hektar genutzt werden. "Sollten", wohlgemerkt, denn nicht einmal das war möglich.
Auf diesen 15 Hektar hatte ein Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern im Auftrag von BASF die Gen-Kartoffel Amflora angebaut. Sie und der Genmais Mon-810 des US-Konzerns Monsanto sind derzeit die einzigen beiden Pflanzen, die von der EU zum kommerziellen Anbau zugelassen sind.
In Deutschland allerdings gelten für beide Pflanzen Sonderregeln. Wegen Sicherheitsbedenken hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau von Mon-810-Mais im vergangenen Jahr komplett untersagt. Den Anbau der Kartoffel hatte sie zwar zunächst erlaubt, doch nachdem im September auf schwedischen Amflora-Äckern Exemplare einer weiteren Gen-Kartoffel aufgetaucht waren, die noch nicht zum kommerziellen Anbau zugelassen ist, ging Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus auf Nummer sicher: Unmittelbar nach der Ernte musste der Landwirt die Amflora-Kartoffeln einlagern. Er darf sie so lange nicht verwerten, bis restlos aufgeklärt ist, wie es zu der Panne in Schweden kommen konnte.
Gen-Pflanzen werden massenhaft importiert
"Die Grüne Gentechnik ist eben eine Risikotechnologie", sagt Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Einmal ausgesetzt lasse sich die Verbreitung nicht mehr kontrollieren. Sie begrüßt daher, dass das Bundesverfassungsgericht die Hürden für die Anwendung nicht herabgesetzt hat. "Meines Erachtens müssten sie sogar noch erhöht werden", sagt Töwe. Denn derzeit werden hierzulande zwar kaum Gen-Pflanzen angebaut - sicher auch deshalb, weil der Deutsche Bauernverband wegen der strengen Haftungsregeln dringend davon abrät. Importiert aber werden sie in Massen. So ist vor allem Gen-Soja aus Brasilien, den USA und Argentinien als Futtermittel für Schweine und Geflügel beliebt. In Lagerhallen oder beim Transport besteht daher immer die Gefahr, dass sich saubere Ware mit Gen-Ware vermischt. "Landwirte, die ihr Getreide als gentechnikfrei verkaufen wollen, müssen viel Geld zahlen, um es ordnungsgemäß kontrollieren zu lassen", sagt Töwe. "Diese Kosten sollten eigentlich diejenigen zahlen, die Gentechnik verwenden."
Die CSU-Ministerin Aigner sitzt derweil zwischen allen Stühlen. Einerseits weiß sie, dass die Verbraucher die Grüne Gentechnik ablehnen. Andererseits verpflichtet sie der Koalitionsvertrag, die Chancen der Grünen Gentechnik nicht ungenutzt zu lassen. In dieser Situation hält Aigner es offenbar für das Beste, sich nicht allzu konkret zu äußern. Die Bundesregierung habe sich verpflichtet, die Regeln zur Grünen Gentechnik weiterzuentwickeln. "Das werden wir auch tun" - mehr wollte ihr Staatssekretär am Mittwoch zu dem Thema nicht mitteilen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Ilse Aigner RSS
- Verfassungsgericht Karlsruhe bleibt gentechnisch unverändert 24.11.2010
- Karlsruhe: Urteil zum Gentechnikgesetz Bauern haften für ihre Pollen 24.11.2010
- Geflügelmast Aigner kündigt bessere Antibiotika-Kontrolle an 09.11.2011
- Nachfolger für Fahrenschon Söder soll neuer Finanzminister in Bayern werden 03.11.2011
- Fahrenschon-Nachfolge in Bayern Aigner will in Berlin bleiben 02.11.2011
- CSU sucht nach Fahrenschon-Nachfolger Variante Aigner 01.11.2011
- Streit mit Datenschützern Aigner will Facebook europaweit zähmen 24.10.2011
(SZ vom 25.11.2010/hild)
Hier hat die "Regierung" ja die nächste Superchance, gegen die absolute Mehrheit ihrer (allerdings wohl nur potenziellen) Wähler was durchzuboxen, was dann den Grünen wieder Wähler zutreibt.
Ich sage dazu: weiter so! Bitte!!!
Keine Patente auf Biologisches Leben in der EU !
Und das ist in die Länder und EU Verfassung einzuschreiben und für immer fest zu legen!
Trotzdem ist es leider ein Irrtum zu glauben, wir würden keine Gen - Lebensmittel einkaufen. Die Lebensmittelindustrie ist ausgekocht genug, uns das Zeug unterzujubeln. Immerhin gibt es Molkereien, die sich weigern, Auskunft über Gen manipuliertes Futter für die Kühe zu geben. Andere wiederum verweigern ganz einfach die Antwort bei Anfragen.
dann soll sie sich mal auf den richtigen setzen ....hat sich denn schon jemals ein Politiker
konkret geäußert ? Wenn ich das wieder so alles lese, dazu noch den Namen Monsanto lese und dass bis jetzt niemand weiß, ob grüne Gentechnik für Mensch und Umwelt gefährlich sei denke ich, dass es endlich mal soweit ist, dass wir normalen Menschen das Ruder in .diesem äußerst gefährlichen Land übernehmen
"...die Chancen der Grünen Gentechnik nicht ungenutzt zu lassen." Es darf gelacht werden, welche 'Chancen'???!
Paging