Datenanalyse zur Bundestagswahl Die Groko, sie schrumpft und schrumpft

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Gesandte der möglichen nächsten großen Koalition - die in großen Teilen Deutschlands auch gemeinsam keine 50 Prozent erreicht haben.

(Foto: dpa)

Der Stimmanteil der großen Parteien ist seit Jahrzehnten rückläufig. Eine Auswertung des Wahlergebnisses zeigt: In etwa 23 Prozent der Gemeinden haben Union und SPD gemeinsam keine absolute Mehrheit.

Von Christian Endt (Analyse) und Julian Hosse (Grafik)

Manch einer in der SPD mag das als gute Nachricht betrachten: Die für die Sozialdemokraten so qualvolle Frage nach der großen Koalition wird sich in Zukunft womöglich seltener stellen - weil ein Bündnis mit CDU und CSU kaum noch groß genannt werden kann. Rot und Schwarz erhalten von Wahl zu Wahl weniger Stimmen. Während vor wenigen Jahrzehnten noch insgesamt 80 bis 90 Prozent der Wähler ihnen die Zweitstimme gaben, reichte es im vergangenen Jahr mit insgesamt 53,4 Prozent gerade noch knapp für die absolute Mehrheit im Bundestag.

Eine detaillierte Auswertung des Ergebnisses der Bundestagswahl 2017 auf Gemeindeebene zeigt: In etwa 23 Prozent der rund 11.000 Gemeinden in Deutschland entschieden sich weniger als die Hälfte der Wähler für Union oder SPD.

Der Hauptgrund dafür ist die zunehmende Vielfalt im Parteienspektrum: Während bis in die 1970er-Jahre einzig die FDP eine demokratische Alternative zu den Volksparteien bot, sind inzwischen Grüne, Linke und AfD, also drei weitere Wettbewerber, ins Parlament eingezogen. Auch die Bevölkerung selbst ist inzwischen wesentlich heterogener als zu Zeiten der alten Bundesrepublik. Die klassische SPD-Klientel der Arbeiter gibt es immer weniger, auch die traditionell unionsnahen christlichen Millieus sind kleiner geworden.

Die Bindungskraft der Volksparteien nimmt kontinuierlich ab. Von zwei Ausnahmen abgesehen, erhielten CDU, CSU und SPD zusammengenommen seit 1976 von Wahl zu Wahl weniger Stimmen. Der Bundeskanzler hieß damals Helmut Schmidt.

2017 gelang es besonders den Rechtspopulisten, Union und SPD Stimmen abzunehmen. Die AfD hat ihre Hochburgen vor allem im Osten. Da dort auch die Linkspartei stark ist, gibt es in den neuen Bundesländern kaum noch Gegenden, die mehrheitlich für die "großen" Parteien gestimmt haben. Darüber hinaus waren die Grünen in den Großstädten und in Baden-Württemberg erfolgreich.

Ihre bundesweit besten und schlechtesten Ergebnisse erzielten SPD und Union allerdings in Rheinland-Pfalz: In Todenroth entschieden sich von 35 Wählern nur vier für die CDU und drei für die SPD - also zusammengenommen 20 Prozent. In Affler (19 von 19) und Sengerich (9 von 9) gingen dagegen alle Stimmen an die beiden Parteien. Statistisch ist das nicht überraschend: Die in Rheinland-Pfalz besonders kleinteilig zugeschnittenen Gemeinden machen Extremwerte in beide Richtungen wahrscheinlicher.

Sollten sich die Sozialdemokraten gegen die Große Koalition aussprechen und sollte es daraufhin zu Neuwahlen kommen, ist nach derzeitigen Umfragen nicht einmal gesagt, ob Union und SPD überhaupt noch eine Mehrheit hätten.

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