IS-Angriff Mindestens 56 Tote bei Selbstmordanschlägen in Libyen

  • Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Trainingscamp der Polizei in Westlibyen sind mindestens 50 Menschen getötet und 100 verletzt worden.
  • Ein weiterer Attentäter reißt im Norden des Landes sechs Menschen in den Tod. Darunter ein Baby.
  • Bisher hat sich niemand zu der Tat bekannt. Allerdings sind in der Vergangenheit ähnliche Angriffe vom libyschen Ableger des IS verübt worden.

Bei zwei Selbstmordanschlägen in Libyen sind mindestens 56 Menschen getötet und etwa 100 verletzt worden.

In der westlibyschen Stadt Sliten (Zliten) raste ein mit Sprengstoff gefüllter Lastwagen in ein Trainingscamp der Polizei, teilte der Stadtrat mit. Auf dem Gelände würden Sicherheitskräfte der Küstenwache ausgebildet. Der UN-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, sprach von einem Selbstmordattentat. Bekannt hat sich zu der Tat bislang niemand.

Später riss ein weiterer Selbstmordattentäter im Norden des Landes sechs Menschen mit in den Tod. Der Fahrer eines Geländewagens habe sich an einem Kontrollpunkt nahe dem Ölhafen in Ras Lanuf in die Luft gesprengt, teilte die Hilfsorganisation Roter Halbmond mit. Unter den Opfern seien drei Wachen und ein 16 Monate altes Baby. Berichten zufolge wurden auch zwei Verwandte des Kindes getötet. Erst am Montag waren IS-Kämpfer auf die Ölterminals in Ras Lanuf und im nahegelegenen Al-Sidra vorgerückt. Die Angriffe wurden aber abgewehrt.

In Libyen herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Zwei Regierungen konkurrieren um die Vorherrschaft, mehrere Milizen bekämpfen sich. Das Machtvakuum machen sich auch die Extremisten des sogenannten Islamischen Staats (IS) zunutze, die in der Vergangenheit ähnliche Angriffe wie jetzt verübt haben.

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Der IS beherrscht in dem Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte und strebt weiter nach Westen. Experten Schätzen die Zahl der Kämpfer auf etwa 3000. Wie die BBC berichtet, gab es in der jüngsten Vergangenheit Berichte über Aktivitäten von IS-Anhängern in der Region.

Fortschritte im Friedensprozess

Erst im Dezember haben die libyschen Konfliktparteien nach mehr als einem Jahr Verhandlungen einen Friedensplan unterzeichnet. Das unter UN-Vermittlung ausgearbeitete Papier sieht unter anderem die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor. Die internationale Gemeinschaft soll Hilfe zur Stabilisierung der Sicherheit leisten und helfen, die internen Konflikte zu schlichten.

Unterstützer des Friedensplans hoffen, dass alle rivalisierenden Fraktionen und Milizen die Vorschläge annehmen und einen Waffenstillstand akzeptieren, um dann gemeinsam gegen den IS im Land zu kämpfen. Doch gibt es auf beiden Seiten Kräfte, die einen Plan ohne Einbindung der UN wünschen - also auch ohne Einfluss von außen.

"Der Anschlag zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass alle Libyer dem Krebsgeschwür des Terrors gemeinsam entgegentreten", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. Jetzt müsse so schnell wie möglich die geplante Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Deutschland sei bereit, eine solche Regierung beim Wiederaufbau der staatlichen Strukturen zu unterstützen.