Geburtstagbrief für Castro Die Reaktionen auf einen Brief mit vielen Lücken

Von politischen Gefangenen und Menschenrechtsverletzungen, vom autoritären System und Zehntausenden Flüchtlingen steht in dem Text kein Wort. Im Gegenteil: "Wir werden auch in Zukunft die Entwicklung in Kuba aufmerksam und voller Sympathie verfolgen und nach Kräften dazu beitragen, dass das kubanische Volk frei und ohne Druck von außen über seine Entwicklung selbst entscheiden kann".

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, hält das für unerhört: "Angesichts von 50 Jahren Menschenrechtsverletzungen auf Kuba zeigt dieser Brief, wie wenig die Linke von der Freiheit hält", sagte er der Bild.

Denkmuster aus dem Kalten Krieg

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, verurteilt den Brief als "skandalösen Kniefall der Linken vor einem Diktator, der das kubanische Volk jahrzehntelang unterdrückt hat". Erika Steinbach, CDU-Menschenrechtsbeauftragte, spricht von einen "unglaublich peinlichen Brief", der beweise: "Im deutschen Bundestag sitzen Antidemokraten."

Kritik kommt auch von den Grünen. Der Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck sagte: "In der Linkspartei scheinen die alten Denkmuster aus dem Kalten Krieg immer noch lebendig zu sein." Wer Castros Errungenschaften lobe, aber kein Wort über Menschenrechtsverletzungen verliere, der habe aus den Umbrüchen vor mehr als 20 Jahren nichts gelernt.

Gesine Lötzsch würde es schon helfen, von den Erfahrungen des vergangenen Jahres zu lernen.