Gastarbeiter in Katar Zahl der Toten auf WM-Baustellen viel höher

Gastarbeiter arbeiten in Doha.

Die Fifa verspricht bessere Arbeitsbedingungen, doch die sind nicht in Sicht: Auf WM-Baustellen in Katar sind Berichten zufolge im vergangenen Jahr mindestens 185 nepalesische Gastarbeiter gestorben. Aktivisten machen der Fifa schwere Vorwürfe - und fürchten noch mehr Tote.

Bei den Bauarbeiten für die Fußball-WM 2022 in Katar sind weit mehr Menschen gestorben, als bislang bekannt. Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet, kamen allein im vergangenen Jahr mindestens 185 nepalesische Gastarbeiter ums Leben. Das Blatt beruft sich dabei auf offizielle Zahlen der Behörden Katars.

Schon im vergangenen Jahr hatten Berichte über Dutzende tote nepalesische Gastarbeiter die Öffentlichkeit schockiert. Damals waren 44 Menschen innerhalb von zwei Monaten gestorben. Allein in den Wochen nach den im September veröffentlichten Zahlen wurden mindestens 36 neue Todesfälle publik. Mehr als die Hälfte der Arbeiter starb an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen.

Nepalesen machen etwa ein Sechstel der geschätzt zwei Millionen Gastarbeiter in Katar aus. Gesicherte Zahlen zu Todesfällen unter Arbeitern aus Indien, Pakistan oder Sri Lanka gibt es noch nicht. Rechnet man die Zahlen auf die Gesamtzahl der Gastarbeiter hoch, dürften die Opferzahlen jedoch um ein Vielfaches höher liegen.

Die Organisation Pravasi Nepali Co-ordination Committee (PNCC), die sich für die Gastarbeiter einsetzt, verlangte vom Fußball-Weltverband Fifa mehr Engagement. Die Gastarbeiter, so hieß es, hätten sich buchstäblich zu Tode gearbeitet und seien von der Fifa betrogen worden. Die Organisation appellierte an die Sponsoren der WM, ihr Verhältnis zur Fifa zu überdenken.

Allein für die vergangenen zwei Jahre sind 382 Todesfälle unter nepalesischen Gastarbeitern bekannt. Dem Guardian zufolge liegen Hinweise auf acht weitere Todesfälle vor, die nicht in der offiziellen Statistik auftauchen. Damit stiege die Zahl der Toten auf 193.

Klagen der Arbeiter blieben ungehört

Erst im Dezember hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Arbeitsbedingungen in Katar kritisiert und ihre verzweifelte Lage angeprangert. Einige der Arbeiter seien seit monatelang nicht bezahlt worden und hatten kaum zu essen, erklärte die Organisation. Die Betroffenen kamen Amnesty zufolge vor allem aus Nepal, aber auch aus Sri Lanka, den Philippinen, Nigeria, China und Bangladesch. Sie arbeiteten bis Mitte Oktober für die Firma LTC auf der Baustelle des Al-Bidda-Wolkenkratzers, in dem mehrere Sportorganisationen ihre Büros haben.

Mitte November hatte Amnesty International bereits einen 169-Seiten-Bericht mit zahlreichen Einzelfällen und einer Gesamtkritik vorgelegt. Darin wurde ein "alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit" dokumentiert.

Die Berichte bringen auch den Fußball-Weltverband Fifa immer mehr unter Druck. Schon im vergangenen Jahr zeigte sich der Verband betroffen und versprach, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Wie die neuen Zahlen beweisen, kann der Verband dieses Versprechen aber nicht einlösen.