Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Gewerkschaft berichtet von Hunderten Toten bei WM-Vorbereitungen in Katar

Sengende Hitze und kaum Wasser, die Menschen sollen wie Sklaven gehalten werden: Einem Medienbericht zufolge arbeiten Gastarbeiter in Katar bei den Vorbereitungen zur Fußball-WM 2022 unter unmenschlichen Bedingungen. Womöglich stirbt jeden Tag ein Arbeiter in der Wüste.

Die Berichte der Betroffenen schockieren: "Wir mussten mit leerem Magen 24 Stunden durcharbeiten - zwölf Stunden Arbeit und dann kein Essen die ganze Nacht", sagte der 27-jährige Gastarbeiter Ram Kumar Mahara. "Als ich mich beschwerte, hat mich mein Vorarbeiter angegriffen und getreten. Aus dem Arbeitslager, in dem ich lebte, wurde ich hinausgeworfen, Lohn bekam ich auch keinen. Ich musste die anderen Arbeiter um Lebensmittel anbetteln."

Mahara ist Gastarbeiter im arabischen Emirat Katar, in dem 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden soll. Sein Fall ist kein Einzelschicksal: Laut einer Recherche der englischen Tageszeitung Guardian führt der gewaltige Bauboom in Katar zu einer katastrophalen Lage der zumeist nepalesischen Gastarbeiter.

Innerhalb von zwei Monaten sollen 44 Menschen gestorben sein - die Hälfte davon an Herzversagen aufgrund der Arbeitsbedingungen und der teils unmenschlichen Hitze. Der Guardian bezieht sich auf Dokumente der nepalesischen Botschaft. Bei einem "großen Bauprojekt" für die WM soll es demnach auch Zwangsarbeit geben. Bei dem Bauprojekt handelt es sich offenbar um Lusail City, einer komplett neuen Stadt, die in der Wüste entstehen soll, mit einem 90.000 Menschen fassenden Stadion.

Krankheit und Hunger

Der Internationale Gewerkschaftsbund IGB hat laut Guardian den Tod von Gastarbeitern in Katar untersucht. Bis zu 2,2 Millionen Menschen werden in den kommenden Jahren in Katar erwartet, vor allem aus Nepal, Sri Lanka und Indien. Es könnte schlimmstenfalls bis zu 600 Todesfälle im Jahr geben, falls die Regierung nicht umgehend handle, heißt es in dem Bericht. Der IGB spricht von harten, gefährliche Bedingungen und einer slum-ähnlichen Unterbringung. Krankheiten und Hunger seien an der Tagesordnung.

Teilweise sollen Arbeitgeber Löhne zurückhalten, die Pässe einziehen oder den Arbeitern bei bis zu 50 Grad Wasser verweigern. Die indische Botschaft berichtet von 82 toten Indern von Januar bis Mai dieses Jahres, 1.480 Menschen hätten sich bei der Botschaft beschwert. Von 2010 bis 2012 sollen mehr als 700 indische Arbeiter gestorben sein.

"Die katarischen Behörden tun in dieser Sache nichts, was Substanz hat", sagte die IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow. Die Zahlen zeigten, dass "mindestens ein Gastarbeiter pro Tag in Katar stirbt". Laut IGB befinden sich derzeit 1,2 Millionen ausländische Arbeiter in Katar, eine weitere Million wird bis zur WM erwartet.

Fifa "sehr besorgt"

Die IGB appellierte an den Weltverband FIFA, eine klare Botschaft auszusenden, dass "sie nicht erlaubt, die WM auf dem Rücken eines Systems moderner Sklaverei aufzubauen. Das ist derzeit die Realität Hunderttausender Gastarbeiter."

Die Fifa teilte zunächst via Twitter mit, sie sei "sehr besorgt" über Berichte bezüglich der Arbeitsbedingungen in Lusail City. Der Weltverband will das Thema auf die Agenda für seine Exekutivkomitee-Sitzung in Zürich Anfang Oktober setzen.