Fremdsprachen Koreanisch lernen mit 73 Jahren?

Gerhard Schröder mit seiner Lebensgefährtin, der in Südkorea geborenen Soyeon Kim, beim Besuch der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang.

(Foto: dpa)
  • Fremde Sprachen zu lernen fällt Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren besonders leicht.
  • Das liegt daran, dass das Gehirn noch besonders formbar ist.
  • Doch auch im Alter können Fremdsprachen gut gelernt werden, Experten kennen da ein paar Tricks.
Von Jan Schwenkenbecher

Die Sprache des Herzens, für Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder ist das Koreanisch. Aus Liebe zu seiner künftigen Ehefrau, der in Südkorea geborenen Soyeon Kim, möchte er nun des Koreanischen mächtig werden. Ein paar Brocken könne er schon sprechen, berichtete der Altkanzler am Rande eines Olympia-Besuchs, allerdings sei es "verdammt schwer". Hat sich Herr Schröder da vielleicht etwas zu viel vorgenommen, mit 73 Jahren eine Fremdsprache zu lernen?

In der Tat hat Schröder das beste Alter zum Sprachenlernen vor etwa 70 Jahren überschritten. Am leichtesten fällt das im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Das Gehirn ist im Vorschulalter noch sehr formbar, Nervenzellen verknüpfen sich rasend schnell. Insbesondere die Aussprache profitiert von dieser "neuronalen Plastizität", was im Koreanischen eine wichtige Rolle spielt. Gilt das Alphabet noch als relativ simpel, klingen die Laute in westlichen Ohren fremd. "Wenn ein Kind von Anfang an Koreanisch hört, wird alles auf Koreanisch programmiert", sagt Grit Mehlhorn, Professorin für Fremdsprachendidaktik an der Universität Leipzig. Generell lässt sich sagen: "Ab dem Alter von zwölf Jahren ist es fast ausgeschlossen, eine Sprache noch akzentfrei zu lernen." Gänzlich verschwindet die neuronale Plastizität des Gehirns zwar nie, doch nimmt sie mit der Zeit ab.

Nachrichten hören, Zeitung lesen, einen Film schauen, nur eben in der fremden Sprache

Allerdings hat das Alter auch seine Vorteile. Erwachsene verstehen grammatische Logik. Einem 73-Jährigen kann man Satzbau und Wortendungen erklären, einem Dreijährigen nicht. Hinzu kommt die Erfahrung, die man mit anderen Sprachen gesammelt hat. Ein Ü-60 wird sich leichter eine vierte Fremdsprache aneignen als ein U-40 seine zweite. Der Erfahrene kann Lern-Techniken übertragen, eventuell an ähnliche Sprachen anknüpfen und Rückschläge besser wegstecken. Letzteres müssten ältere Menschen besonders beachten, sagt Mehlhorn, "Senioren meinen oft, dass sie jedes Wort übersetzen und jede Regel kennen müssten." Hier sei ein bisschen Toleranz gegenüber eigenen Fehlern gefragt.

Sonst sollte nicht nur theoretisch und gelegentlich gelernt werden, sagt Sabine Weiss, Professorin am linguistischen Institut der Universität Bielefeld, sondern "fortwährend und in reale Handlungsvorgänge des Alltags eingebunden". Also: Nachrichten hören, Zeitung lesen, einen Film schauen. Dinge tun, die einen auch sonst interessieren, nur eben in der fremden Sprache. Wichtig sei auch, so Weiss, "die Sprache in Gemeinschaft mit anderen zu erlernen". Das bringe Spaß und positive Emotionen. Deshalb seien auch Internetkurse oder Smartphone-Apps, die durch gleichzeitiges Lesen und Hören der Vokabeln zwar gutes multimodales Lernen ermöglichten, nur als Ergänzung zu empfehlen. "Bei deren ausschließlicher Benutzung", so Weiss, "verliert man eher die Motivation und den Spaß am Lernen."

Ebenso wichtig für die Motivation sei, sagt Mehlhorn, sich realistische Ziele zu setzen. Koreanisch akzentfrei sprechen zu wollen sei vermessen und frustrierend. Texte zu lesen und mit dem Partner zu kommunizieren, das gehe durchaus. Wo sich dann auch die Klammer zum Ex-Kanzler findet: Auch die Liebe, so die Didaktikerin, könne eine tolle Motivation sein.

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