Eskalation in Nordkorea Kim Jong Un kündigt Nichtangriffspakt mit Südkorea

Es ist die Antwort auf scharfe Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat: Erst droht Nordkorea mit einem präventiven Atomschlag gegen die USA. Dann kündigt Machthaber Kim Jong Un alle Entspannungsabkommen - und kappt sogar den "Heißen Draht" zum Süden.

Wenige Stunden nach der Verhängung neuer UN-Sanktionen gegen Pjöngjang hat Nordkorea den Nichtangriffspakt mit Südkorea aufgekündigt. Alle Nichtangriffs-Übereinkommen zwischen Nord- und Südkorea seien aufgehoben, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag das staatliche "Komitee zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas". Auch das Rote Telefon als ständige Verbindung zum Süden, der sogenannte "Heiße Draht", werde mit sofortiger Wirkung gekappt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Donnerstag drei Wochen nach dem jüngsten nordkoreanischen Atomwaffentest die Sanktionen gegen das Land verschärft. Zuvor hatte die Führung in Pjöngjang mit einem atomaren Erstschlag gegen die USA und jegliche anderen "Aggressoren" gedroht. Zudem hatte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums einen weiteren Korea-Krieg angesichts einer derzeit laufenden gemeinsamen Militärübung der Streitkräfte Südkoreas und der USA für "unvermeidlich" erklärt.

Das staatliche nordkoreanische Wiedervereinigungskomitee verurteilte die UN-Resolution zur Verschärfung der Sanktionen am Freitag als Beweis dafür, dass Washington und seine "Marionetten" in Seoul "wild entschlossen" zur Konfrontation seien. Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea hätten die "Gefahrenlinie" derart weit überschritten, dass sie nicht mehr zu kitten seien. Auf der Koreanischen Halbinsel sei die Lage "extrem gefährlich", ein Atomkrieg "könnte jetzt ausbrechen". Das staatliche Komitee warnte, das nordkoreanische Militär werde auf jegliche Grenzverletzung - und sei sie "nur um einen Zentimeter" - "gnadenlos" reagieren.

Deutliche Botschaft

Die am Donnerstag vom Sicherheitsrat verabschiedete Resolution verstärkt die schon bestehenden Strafmaßnahmen durch Reiseverbote und Kontensperrungen. Zudem richtet sich die Resolution gezielt gegen Diplomaten des Regimes. Viele Luxusgüter dürfen nun nicht mehr nach Nordkorea exportiert werden, etwa Schmuck und Autos. Erst das chinesische Einlenken hatte die Resolution möglich gemacht. "Diese Resolution ist sehr deutlich", sagte UN-Botschafter Li Baodong. Er hoffe, dass Pjöngjang die Botschaft verstehe: "Die Verhandlungen müssen weitergehen. Wir ermutigen alle Beteiligten: Sprecht miteinander."

Sowohl Süd- als auch Nordkorea planen für kommende Woche große Militärmanöver. Laut KCNA besuchte der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un am Donnerstag an der innerkoreanischen Grenze eine Militäreinheit, die 2010 in einen tödlichen Zwischenfall mit dem Süden verwickelt war. Dabei habe er die Bereitschaft des Landes zum Krieg betont und verkündet, im Falle einer Provokation werde er Angriffe entlang der gesamten Grenze anordnen.

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