Ein Bild und seine Geschichte Hitlers Massenauto

Grundsteinlegung im späteren Wolfsburg: Hitler steigt in einen KdF-Wagen ein, der später den Namen "Käfer" erhielt.

(Foto: SZ Photo)

Perfekt inszeniert: Am 26. Mai 1938 legte der Diktator den Grundstein für das VW-Stammwerk in Niedersachsen. Bald wandelte sich die Produktion: Arbeitssklaven mussten Kriegsgerät herstellen.

Von Barbara Galaktionow
Ein Bild und seine Geschichte

SZ.de zeigt in loser Folge jeweils ein besonderes Foto aus den vergangenen 150 Jahren. Hinter manchen Aufnahmen steckt eine konkrete Geschichte, andere Bilder stehen exemplarisch für historische Begebenheiten und Zeitumstände. Übersicht der bisher erschienenen Texte

Am 26. Mai 1938 legte Adolf Hitler im niedersächsischen Fallersleben den Grundstein für das Stammwerk des Volkswagen-Konzerns. Ein seit den Anfängen der Diktatur geplantes Lieblingsprojekt des "Führers" sollte endlich Wirklichkeit werden: das Auto für die Massen.

Der Wagen sollte vier Insassen Platz bieten, eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreichen und nicht mehr als 1000 Reichsmark kosten, so die Vorgaben, unter denen Konstrukteur Ferdinand Porsche sich einige Jahre zuvor an die Entwicklung eines Prototyps gemacht hatte. Porsche griff dabei allerdings auch auf Entwürfe anderer Entwickler zurück, ohne dies offenzulegen.

Die Grundsteinlegung war propagandistisch perfekt inszeniert. Zehntausende Teilnehmer marschierten bei strahlendem Sonnenschein auf dem Festplatz auf - Angehörige von NSDAP, SS und der Hitlerjugend sowie der Deutschen Arbeitsfront (DAF), dem Verband, in dem die einstigen freien Gewerkschaften mit der Arbeitgeberseite zwangsamalgamiert worden waren.

Ab 1939 stellte VW auf Krieg um - und ließ Arbeitssklaven schuften

Allein dessen Mitglieder sollten über ein Ratensparmodell in den Besitz des neuen Autos gelangen, dem Hitler den sperrigen Namen KdF-Wagen gab, benannt nach der DAF-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude". Hakenkreuzbanner umrankten die eigens aufgebaute Tribüne, von der Hitler seine Rede hielt.

Im Anschluss besichtigte er das neue Fahrzeug. In eine Cabriolet-Version des KdF-Wagens stieg er zur Probefahrt ein, beäugt von dem hinter ihm stehenden Ferdinand Porsche. Hitler wird allerdings nur auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, selbst Autofahren kann er nämlich nicht.

Das Versprechen des Volkswagens löste der Diktator allerdings nicht ein. Gerade einmal 630 KdF-Wagen wurden hier bis 1945 produziert, die mehr als 300 000 Ratensparer gingen leer aus. Denn als das NS-Regime im Jahr nach der Grundsteinlegung den Zweiten Weltkrieg anzettelte, wurde das Werk in Fallersleben schnell auf Kriegsproduktion umgestellt.

Statt dem Auto für Massen rollten Kübelwagen und Schwimmwagen für die Wehrmacht von den Bändern. Tausende Zwangsarbeiter mussten hier unter unmenschlichen Bedingungen für VW schuften.

Erst nach dem Krieg begann unter britischer Besatzung die Massenproduktion des kleinen Volkswagens, der wohl dank des Umwegs über die USA später Käfer genannt wurde. Die "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben", damals kaum mehr als eine Art Barackensiedlung, erhielt ihren heutigen Namen Wolfsburg.

Und nun wurde wahr, was die New York Times schon 1938 so formulierte: Die Vision Hitlers von "Tausenden und Abertausenden von glänzenden kleinen Käfern, die bald die deutschen Autobahnen bevölkern werden." So entstand der in der Nachkriegswelt geläufige Name für den Bestseller aus Wolfsburg.

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