Parlamentswahl in Frankreich Absolute Mehrheit für Macrons Partei in Frankreich

Emmanuel Macron am Sonntag während einer Gedenkfeier. Vor 77 Jahren hat General Charles de Gaulle zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer aufgerufen.

(Foto: AP)

Nach Zahlen des Innenministeriums bekommt La République en Marche bei den französischen Parlamentswahlen 350 der 577 Sitze. Macron hat damit freie Hand für seine Reformen. Der Front National wird keine Fraktion bilden können.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich bei der Parlamentswahl eine klare Mehrheit für seine Politik gesichert, aber deutlich schwächer abgeschnitten als erwartet. Nach Angaben des Innenministeriums aus der Nacht kamen Macrons Partei La République en Marche (LRM) und die verbündete Zentrumspartei MoDem zusammen auf 350 der insgesamt 577 Sitze. Umfragen hatten LRM zuvor sogar bei über 400 Sitzen gesehen.

Der rechtsextreme Front National (FN) kann acht Abgeordnete in die Nationalversammlung schicken. Darunter sind auch Parteichefin Marine Le Pen und ihr Lebensgefährte, Partei-Vize Louis Aliot. Eine Fraktion kann die Partei jedoch nicht bilden, dazu wären 15 Abgeordnete nötig. Bisher hatte der FN zwei Sitze im Parlament.

Die Republikaner (113 Sitze) und die bislang regierenden Sozialisten (29 Sitze) erleiden herbe Verluste. Jean-Christophe Cambadélis, Parteichef des Parti Socialiste, hat bereits seine Rücktritt verkündet. Die linksextreme Partei Unbeugsames Frankreich bekommt gemeinsam mit dem Kommunisten 27 Sitze. Auch ihr Parteichef Jean-Luc Mélenchon gewinnt in seinem Wahlkreis. Sowohl Mélenchon als auch Marine Le Pen forderten in ersten Stellungnahmen die Einführung des Verhältniswahlrechts.

Die Wahlbeteiligung fiel auf ein neues Rekordtief. Sie lag laut Hochrechnungen um die 43 Prozent. Das ist noch niedriger als im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag und der geringste Wert bei einer Parlamentswahl. Weil damit nicht einmal jeder zweite Franzose sein Votum abgab, erhielt Macrons Bündnis nur die Zustimmung von etwa jedem sechsten Wahlberechtigten.

Mit dem Wahlergebnis hat Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron weitgehend freie Bahn für seine sozialliberalen Reformen. Als eine der ersten Maßnahmen ist eine Lockerung des Arbeitsrechts geplant. Auch ein Gesetz für mehr Moral in der Politik will er durch die Nationalversammlung bringen.

Macrons Partei La République en Marche (LRM) wurde - als politische Bewegung - erst vor gut einem Jahr gegründet. Sie hat zahlreiche Polit-Neulinge ins Rennen geschickt. Das Parlament wird mit ihren Abgeordneten zudem weiblicher und ethnisch vielfältiger.