Rauschgifthandel Verbot und Konsum nähren Drogenkartelle

Krieg gegen Drogen: Die Mexikanische Armee verbrennt mehrere Tonnen Kokain.

(Foto: REUTERS)

Wer die Rauschgift-Kartelle besiegen will, muss Drogen weltweit legalisieren, auch harte. Und aufhören, sie zu konsumieren.

Kommentar von Boris Herrmann

Wenige Geschäfte gelten als derart krisenfest wie das mit dem globalen Drogenhandel. Die Nachfrage der Kiffer, Junkies und Schnupfnasen, vor allem in den Industrieländern, ist ungebremst. Lateinamerikanische Kartelle scheffeln Milliardengewinne, indem sie Produkte, die sie relativ günstig einkaufen, extrem teuer vertreiben. Ihre Kunden bezahlen weniger für den Stoff als für das Risiko, das die Narcotraficantes entlang der Handelskette eingehen, um die Waren zu ihnen zu bringen.

Der beste Komplize der Narcos ist das Verbot. Allmählich mehren sich aber die Anzeichen, dass dieses solide Geschäftsmodell doch ins Wanken geraten könnte. In Uruguay und einigen Bundesstaaten der USA wurde Marihuana bereits legalisiert. Jetzt hat der Oberste Gerichtshof in Mexiko den Anbau zum Eigengebrauch erlaubt. Das mag nur ein kleiner Schritt sein auf dem Weg zu einer neuen Drogenpolitik, die ohnehin nur erfolgreich sein kann, wenn die ganze Welt mitmacht. Gleichwohl ist es der richtige Schritt - und eine Kampfansage an die Kartelle.

Der Krieg gegen die Drogen fordert mehr Opfer als der Konsum

Jede Form der Legalisierung entzieht der Drogenmafia ein Stück ihrer Geschäftsgrundlage. Durch den legalen Verkauf in Teilen der Vereinigten Staaten ist der Preis für mexikanisches Gras bereits erheblich gesunken. Und damit auch der blutige Handel über die Grenzzäune hinweg (und darunter hindurch). Noch muss man sich um die Kartelle aber keine Sorgen machen, sie kompensieren die Ausfälle, weil sie, wie man so sagt, am Markt breit aufgestellt sind. Vor allem mit Kokain und Crystal Meth.

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Weltweit wächst die Einsicht, dass der größtenteils militärisch geführte Krieg gegen Drogen mehr Opfer fordert als der Drogenkonsum selbst. Die Anteilnahme in Nordamerika und Mitteleuropa ist groß, wenn in Mexiko 43 Studenten verschwinden und mutmaßlich auf einer Müllkippe verbrannt werden. Aber mit der logischen Schlussfolgerung tun sich die Gesellschaften in den Hauptkonsumentenländern immer noch schwer. Solange dort fleißig eingekauft wird und solange die meisten Rauschgifte illegal sind, wird entlang der Transitrouten gemordet. Wer dagegen ist, muss für die Freigabe sein. Auch von harten Drogen.

Die Konsumenten halten den Wahnsinn am Laufen

Es mag stimmen, dass sich das Problem damit teilweise von den Produktions- zu den Konsumentenländern verlagern könnte. Aber es ist ein moralischer Unterschied, ob, wie in Mexiko, in einem Jahrzehnt 80 000 größtenteils unschuldige Menschen sterben, ob Honduras und El Salvador bluten, weil sie leider im Drogenkorridor zum Rio Grande liegen, ob der kolumbianische Bürgerkrieg wegen des Kokaingeschäfts verlängert wird - oder ob Kokser in New York, Paris und Berlin ihre Gesundheit aus freien Stücken ruinieren.

Es ist ohnehin höchste Zeit, mit der Mär aufzuräumen, die Konsumenten trügen nur eine kleine Mitschuld an den Drogenkriegen dieser Welt. Sie sind vielmehr diejenigen, die den ganzen Wahnsinn am Laufen halten. Kokain wird vor allem von den vergnügungssüchtigen und arbeitswütigen Mittel- und Oberschichten der Nordhalbkugel gekauft. Wenn man so will, von denselben Zielgruppen, die ihre diffusen Gewissensbisse gern mit Biofleisch, Freiland-Eiern und Fair-Trade-Kaffee beruhigen. Es kann nicht schaden, wenn mehr Menschen auf Ökomärkten einkaufen und Atomstrom abbestellen. Aber es schadet erheblich, wenn es dieselben Menschen weiter hinnehmen, dass in ihren Kreisen weiße Linien gezogen werden, sei es im Club oder im Büro. Illegale Drogen sind die am unfairsten gehandelten Produkte, die es gibt.

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