Steinmeiers "Deutschland-Plan" verlässt die Bahnen der gewohnten SPD-Politik. Er ist pfiffig - und interessanter als das, was die Union zu bieten hat. Allerdings verspricht er zu viel.
Es gibt zwei Arten, auf die Millionenarbeitslosigkeit in Deutschland zu reagieren. Die eine heißt Lethargie, die andere Phantasie. Politische Lethargie hat das Land unter wechselnden Regierungen zur Genüge erlebt. Es hat zwar nicht am gescheit Daherreden, aber am gescheiten Tun gefehlt. Die Folge: Die Gesellschaft hat sich an die Massenarbeitslosigkeit gewöhnt wie an eine Baulücke; man sieht sie nicht mehr.
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SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier: Sein "Deutschland-Plan" verlässt die Bahnen der gewohnten SPD-Politik. (© Foto: dpa)
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Politische Phantasie hat Deutschland nur in der Abart der Phantasterei erlebt: Das war vor gut elf Jahren, als der Kanzlerkandidat Gerhard Schröder 1998 einen radikalen Abbau der Arbeitslosigkeit binnen vier Jahren versprach, aber dann als Kanzler nur einen radikalen Um- und Abbau des Sozialsystems zuwege brachte. Das haben die Menschen nicht vergessen.
Der getreue Helfer Schröders
Schröder hat ihnen neue Hosen versprochen. Als sie deswegen ihre alten heruntergelassen hatten, nahm er sie ihnen weg. Die neuen Hosen kamen nie. Die Leute haben auch nicht vergessen, wer der getreue Helfer Schröders bei diesem Coup war: der jetzige SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier. Steinmeier hat es bisher nicht geschafft, diese Vergangenheit abzuschütteln.
Das sind schlechte Voraussetzungen für einen guten Plan: Steinmeiers "Deutschland-Plan" zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zum Umbau der Wirtschaftsgesellschaft ist nämlich phantasievoll. Der Plan hat Substanz und ein gutes Fundament: Das Fundament ist grün, es ist offensichtlich auf den klugen Überlegungen eines "Green New Deal" gebaut, eines ökologischen Um- und Ausbaus der Wirtschaft, wie er von den UN propagiert wurde. Es geht um bahnbrechende Veränderungen im Autobau, im Klima- und Umweltschutz und bei der Nutzung erneuerbarer Energien.
Propheten einer neuen Arbeitsgesellschaft
Die Metaphorik knüpft an den "New Deal" des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt an, der in den dreißiger Jahren mit entschlossenen Reformen sein Land aus den Fängen der Weltwirtschaftskrise befreit hat. Der neue, der "Green New Deal" will nun die Wirtschaft ökologisch stimulieren, er will "grüne Jobs" schaffen, er will in eine wenigstens grün angehauchte Autoindustrie investieren. Das alles ist tatsächlich "kreativ", wie Steinmeier sagt. Und sein weiteres Vorhaben, in der Bildung, in der Kranken- und Altenpflege Hunderttausende neuer Stellen zu schaffen, ist bitter notwendig. Indes: Wie will Steinmeier hier zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, wo doch dafür nun die Länder zuständig sind? Da holt ihn die Föderalismusreform ein.
Der "Deutschland-Plan" verlässt die Bahnen der gewohnten SPD-Politik, er ist pfiffig - und er ist interessanter als das, was die Union zu bieten hat. Allerdings verspricht Steinmeier, um endlich aus der politischen Defensive herauszukommen, viel zu viel auf die Schnelle: Vier Millionen neue Arbeitsplätze sind nur ein schöner Wunschtraum. Wäre in überschaubarer Zeit die Hälfte zu schaffen, es handelte sich um eine Großtat. Großtaten ohne große Ideen gibt es freilich nicht. Die ökologische Stimulierung der Wirtschaft ist eine solche große Idee.
Es ist Steinmeiers Pech, dass die Menschen hinter einem Beschäftigungswunder einen anderen Urheber vermuten: nicht den quasibeamteten sozialdemokratischen Unglückswurm, sondern mindestens einen alerten Baron. Würde Baron Guttenberg Steinmeiers Plan vorstellen, man würde ihn wohl allenthalben als den Propheten einer neuen Arbeitsgesellschaft preisen. So überschätzt der Wirtschaftsminister Guttenberg derzeit ist, so unterschätzt ist Steinmeier: Er ist ein ordentlicher, fleißiger und kluger Arbeiter. Weil er weiß, dass das nicht genügt, legt er für seinen Wahlkampf einen schillernden "Deutschland-Plan" vor.
Es handelt sich um ein gewagtes Versprechen. Aber Wahlkampfversprechen, die das Fundamentalproblem der Gesellschaft, die Arbeitslosigkeit, anpacken, sind besser als albern-unrealistische Steuersenkungsversprechen.
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(SZ vom 3.8.2009/bön)
"Die einzigen, die eine durchgängige Philosophie haben(manchmal übertrieben, doch grundsätzlich richtig), sind die Grünen. Und die kann man wegen ihrer verfehlten Zuwandererpolitik nicht mehr wählen.
"
Was war denn so grandios verfehlt an der Zuwandererpolitik?
Man mag über gewisse Ansichten durchausstreiten, aber im Grunde genommen ist es ein Abwegen zwischen den größten Verfehlungen auf allen Seiten. Die Union hat sich auch einiges geleistet in allen Bereichen, Wirtschaft, Umwelt, v.a. Bürgerrechten und Soziales.
Wiegt man alles miteinander auf lebe ich lieber mit der Zuwandererpolitik als mit der Union.
Und so wahnsinnig stiegen die Zuwandererzahlen jetzt auch nicht an und so unglaublich stark stieg auch nicht die Kriminalität und die hat auch vor allem mit sozialen Problemen zu tun.
Die russischen Spätaussiedler hatten im Übrigen gerade anfangs die gleichen Probleme und die gehen nicht auf das grüne Konto.
Mit dem neuen New GREEN Deal wirbt schon seit geraumer Zeit eine andere Deutsche Partei und wenn überhaupt jemand kreativ war, dann die.
Jemand der kopiert, kann das vielleicht handwerklich gut, oft sogar besser als das Orginal, aber kreativ wird es damit trotzdem nicht.
Die SPD verheizt hier einfach ein paar Politiker, baut im Moment hauptsächlich auf Populismus, klaut hier mangels eigenem Profil ein paar Inhalte der Grünen und geht damit bei der Wahl historisch baden.
Ich hoffe sie macht sich danach mit neuem Personal mal richtig Gedanken über den eigenen Weg.
Findet sie ihn nicht, ist sie überflüssig.
Die Stimmen könnte dann nämlich das Orginal besser gebrauchen, auch um die diabolische Ehe CDU/FDP zu vermeiden.
Auch Schröder hat die Senkung der Arbeitslosigkeit versprochen, als Werkzeug dafür die Agenda 2010 präsentiert und viele sind auf die Täuschung hereingefallen. Wenn Steinmeier in der gleichen Qualität vorgeht wie Schröder, sind wir nicht nur näher am Arbeitslager als an der Vollbeschäftigung, sondern mittendrin.
Es ist das alte Uebel,von Wunderwaffen,sie kommen zu spaet und sind noch nicht ganz ausgereift. Entsprechent Unzuverlaessig,auf eines kann man sich aber verlassen,sie hinterlassen viel heisse Luft. Oder einfach ausgedrueckt, sie sind reine Luftnummern.
"So überschätz der Wirtschaftsminister Guttenberg derzeit ist, so unterschätzt ist Steinmeier."
Die Bewunderung für Herrn zu Guttenberg ist einfach nur grotesk.
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