Den Inhalt darf man gut und gerne als Sensation bezeichnen: 1970 stellten neun Bischöfe in einem Memorandum den Pflichtzölibat in Frage. Einer der Unterzeichner war Joseph Ratzinger. Der ist heute Papst.
Unterzeichnet ist das Memorandum von neun Theologen. Sie verfassten es am 9. Februar 1970 angesichts einer "notvollen Situation der Kirche" und sandten es "in aller Ehrfurcht" den deutschen Bischöfen. Den Inhalt darf man heute gut und gerne als Sensation bezeichnen. Sie fordern die Bischöfe eindringlich auf, den Zölibat auf den Prüfstand zu stellen: "Unsere Überlegungen betreffen die Notwendigkeit einer eindringlichen Überprüfung und differenzierten Betrachtung des Zölibatsgesetzes der lateinischen Kirche für Deutschland und die Weltkirche im Ganzen."
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Joseph Ratzinger in den 1970er-Jahren: Damals unterzeichnete der jetzige Papst ein Memorandum renommierter Theologen. (© ASSOCIATED PRESS)
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Zu den Urhebern des Appells zählen renommierte Theologen wie Karl Rahner und Otto Semmelroth, aber auch aufstrebende wie Karl Lehmann, Walter Kasper - und Joseph Ratzinger. Lehmann, Kasper und Ratzinger machten Karriere. Der Zölibat aber kam nie auf den Prüfstand.
Die Verfasser des Schreibens agierten als Konsultoren der Bischofskonferenz, von der sie in eine Kommission für Fragen der Glaubens- und Sittenlehre berufen waren. Sie betonen darin mehrmals, sie wollten mit ihrer Petition keine Entscheidung präjudizieren, das verpflichtend ehelose Priestertum abzuschaffen. Doch allein die Tatsache, dass sie sich zu einer ausführlichen schriftlichen Intervention bemüßigt fühlten, zeigt deutlich, dass sie am Sinn des Zwangszölibates zweifelten.
Das bislang öffentlich nicht zugängliche Schreiben soll damals ein Mitarbeiter Rahners einem vertrauten Geistlichen übermittelt haben, der dem kleruskritischen Aktionskreis Regensburg (AKR) angehörte. Es wurde diskret archiviert. In der neuesten Ausgabe seiner Vereinszeitschrift Pipeline aber hat es der AKR nun abgedruckt, angeblich vollständig im Wortlaut. Nach 41 Jahren. Titel: "Aus dem Archiv. Den Unterfertigten zur Erinnerung."
"Alle" Verfasser des Memorandums seien "davon überzeugt, dass eine Überprüfung (des Zwangszölibates, Anm. d. Red.) auf hoher und höchster kirchlicher Ebene angebracht, ja notwendig ist", heißt es. Unbeschadet des Ausgangs der Diskussion werde das ehelose Priestertum als echte und reale Möglichkeit bestehen bleiben. "Wer aber von vornherein eine solche Klärung für überflüssig hält, scheint uns wenig Glauben an die Kraft dieser Empfehlung des Evangeliums und an die Gnade Gottes zu haben, von der er dann an anderer Stelle wieder behauptet, sie - also nicht das bloße ,Gesetz' - wirke diese Gnadengabe Christi."
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Alt-68 sind nun Manager und genau das, was Sie damals anprangerten?
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Die gehören zur gleichen Sorte der Umfaller. Konsequent sein wird halt für viele schwierig, wenn Geld oder Bedeutung oder klerikaler Aufstieg winkt.
Nun wie man sehen kann,gibt es die Diskussion schon viel laenger als gedacht. Da selbst die Betroffenen sich darueber so ihre Gedanken machen ist gut,denn es ist doch ein staker Eingriff in ihr Leben. Ob sie auch die Kraft und die Moeglichkeit haben ihre berechtigten Vorderungen gehoer zu verschaffen steht auch einem anderen Blatt. Der Erzkonserative Teil der Katholischen Kirche ist auch heute noch sehr stark.
Hihi, das mit der eigenen Welt ist nett.
Wie wäre es damit:
"Der Papst stellt Regeln auf für ein Spiel, für das er selber gesperrt ist."
Ist zwar schon 20 Jahre alt, aber trifft's (leider) noch immer.
Aber im Ernst - Das Probem der katholischen Kirche in D'land ist doch, dass in den meisten Gemeinden der Bevölkerungsdurchschnitt der Aktiven zwischen 60 und 80 liegt. Die Gerneration der heute 40-50 jährigen hat sich total ausgeklinkt und macht lieber esoterische Selbstverwirklichung per Yoga oder Zen. Und alles drunter ist ausreichend mit Ausbildung und Familiengründungsphase beschäftigt und hat keine Kapazitäten dafür frei, am Freitag den Rosenkranz zu beten und am Sonntag den "Dritte-Welt-Verkauf" zu übernehmen. Ohne Hausfrauen kein Hausfrauenkränzchen. Bleibt noch ein bisschen Kindergarten für die Kleinsten übrig.
Das System krankt daran, dass die wirklich fitten und guten Leute lieber Psychologen mit Familie geworden sind als Pfarrer ohne. Die Kirche ist als Arbeitsplatz mehr oder minder nur für verkrachte Existenzen attraktiv – und das seit Generationen. Dementsprechend werden die "Seelsorger" mit ihren Meinungen zu alltäglichen Problemen nicht mehr ernstgenommen, ja noch nicht einmal gehört. Und das wird bestimmt nicht besser, wenn wir jetzt Pfarrer aus dem Ausland importieren, weil bei uns kein Nachwuchs mehr da ist.
Die Kirche muss sich überlegen, ob sie Deutschland (und langfristig auch Europa, denn in anderen Ländern ist es nicht unbedingt besser) als Standort aufgibt, oder endlich die Reformation als solche begreift und sich in den kritisierten Punkten ändert. Letztlich bin ich der Überzeugung, dass uns ein Christentum auch und gerade im 21. Jahrhundert noch viel sagen und geben kann. Aber dafür muss die Kirche bereit sein, mit den Gläubigen in Europa gemeinsam ins 21. Jhd einzutreten, in dem die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Gleichwertigkeit aller Menschen anerkannt ist, und Sexualität nicht mehr pfuipfui. Gespräch, nicht Diktat gewinnt Menschen.
Was geht die denn das an? Nichts, aber auch gar nichts!
Deutlicher könnten diese Politiker ihr Staatsverständnis nicht outen. Wenig hat sich geändert seit der Zeit, als von den Kanzeln Adenauer-Wahlpropaganda verbreitet wurde.
Die betreffenden Herren machen sich Sorge um ihren Meinungsbildner.
Die heutigen Jünger Christi, unten ander Basis, die zählen so gut wie nichts, drunten an der Basis. Es sei denn, sie steigen auf in die Kreise der Mächtigen, wie einst J.R.
Aber dann vergessen sie schnell...
Gut. Jeder Mensch hat das Recht, im Laufe eines langen Lebens seine Moralpositionen zu revidieren.
Der jüngere Theologe Joseph Ratzinger hatte als einer der Berater der seinerzeitigen Bischofskonferenz ernste Bedenken gegen den Zwangszölibat vorgebracht.
Peinlich für den heutigen Papst Bendikt XVI. alias Joseph Ratzinger?
Nicht doch: Als Papst weiß man einfach alles besser - äh - "die Kirche" natürlich....
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