Mit den jüngsten Etatbeschlüssen vertut die schwarz-gelbe Koalition eine weitere Chance, die Staatskassen zügig in Ordnung zu bringen. Stattdessen leistet sich Finanzminister Schäuble weitere Ausgaben und spielt so mit neuen Krediten. Sobald eine der schwelenden ökonomischen Krisen ausbricht, drohen schmerzende Einsparungen.
Dieser Mittwoch war ein Tag, der viele besorgte Zeitgenossen beruhigt haben dürfte - nämlich all jene, die die Politik vor allem von Kommunikationsexperten getrieben sehen.
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Bundesfinanzminister Schäuble stellt den Bundeshaushalt 2012 vor: Antworten darauf, wie die Regierung die gewaltigen Löcher in der eigenen Finanzplanung schließen will, gibt er nicht. (© dapd)
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Die Bundesregierung hat in der letzten Sitzungswoche des Parlaments vor den Sommerferien eine Finanzplanung und eine Steuersenkung beschlossen, die beide erst im Herbst mit Inhalten gefüllt werden sollen. Sie hat damit eine Einladung an Hinterbänkler, Verbandsvertreter, Kommentatoren, ja eigentlich an alle ausgesprochen, in den nächsten zwei Monaten mal alles dazu zu sagen, was sie immer schon wollten. Sie hat das Sommertheater bestellt und auch das Stück vorgegeben. Kein Berater mit Verstand hätte ihr das empfohlen.
Ein schlechter Tag war dieser Mittwoch für solche Menschen, die mitten in der europäischen Schuldenkrise von der Regierung ein festes Bekenntnis für ein Wirtschaften ohne neue Kredite erwarten. Der von Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgelegte Haushalt und der dort beschriebene Weg zur Einhaltung der Schuldenbremse leistet das nicht. Im Gegenteil, die Koalition vertut die seltene Chance, in einer boomenden Wirtschaft die Kassen des Staates zügig und nachhaltig in Ordnung zu bringen.
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Stockender Kita-Ausbau
AZ-Chefreporter Matthias Maus über die Dilettanten-Koalition.
Ein bisschen gespenstisch ist das schon. So, als säße man in einer Arena, die Artisten versuchen ein Kunststück nach dem anderem, jedes Mal geht’s schief, jedes Mal werden die Buhs lauter. Der Unterschied zwischen der Manege und dieser Bundesregierung: Die dilettantischen Clownerien sind nicht lustig. Das Echo auf die jüngsten Steuer-Vorschläge der schwarz-gelben Truppe ist so verheerend wie die Pläne durchsichtig sind. Die Heftigkeit der Ablehnung ist erstaunlich, überraschend ist sie nicht: Stimmt doch weder Timing, noch Ansatz noch Ausführung.
Gegen die Überzeugung der Fachleute, gegen die Stimmung der Mehrheit und gegen jede politische Weitsicht versprechen Merkel, Rösler und Seehofer Steuersenkungen – natürlich zum Wahljahr: So, als seien die Bürger käuflich, als sollten die Wähler für dumm verkauft werden.
Ministerpräsidenten und Opposition, Industrie und schwäbische Hausfrauen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Sie haben längst verstanden, dass Schuldenaufhäufen schlimmer ist als das drohende Ende einer Klientel-Partei, der außer Steuersenkungen nichts mehr einfällt. Es herrschen taktische Stümperei und strategische Ahnungslosigkeit. Den Eindruck, „die können es nicht“, den bekommt die Kanzlerin nicht mehr los. Ein verheerender Eindruck ist das und ein beunruhigendes Gefühl, wenn die nächste Krise jederzeit um die Ecke kommen kann.
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.az-meinung-stuemper-in-der-arena.8a83f633-6d05-46f7-bff4-bd67e7619b10.html
Statt der x-ten Wiederholung der "Mehr Netto vom Brutto"-Geschichte schlage ich vor: MEHR BRUTTO FÜR ALLE
Die Unternehmen haben - so verkünden sie landauf, landab - die Wirtschafts- und Finanzkrise überstanden. Dies mit maßgeblicher Unterstützung von Seiten der ArbeitnehmerInnen (Stichwort Kurzarbeit).
Die meisten Unternehmen in diesem Land haben den finanziellen Spielraum, ihre Angestellten spürbar an der wirtschaftlichen Erholung teilhaben zu lassen. Das würde nicht nur die Einkommen der ArbeitnehmerInnen verbessern - gleichzeitig würde es höhere Steuereinnahmen für den Staat bedeuten. Diese zusätzlichen Einnahmen könnten dann in Steuerentlastungen (bei gleichzeitiger Vereinfachung des Steuerrechtes) gesteckt werden, während die aktuellen Steuermehreinnahmen zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes verwendet werden.
Wäre doch mal einen Versuch wert, oder?!
evtl sollten Sie diese Teil Ihres Arguments einmal erklären:
"Gut angelegtes Geld, könnte man denken, handelt es sich doch um wichtige Projekte. Diese Einschätzung wird einem allerdings verdorben. Man muss sich nur ins Gedächtnis rufen, dass beide Vorhaben nur deshalb so teuer sind, weil sie aus schlechtem Regierungshandeln entstanden."
Ich verstehe nicht, warum schlechtes Regierungshandeln einem dabei herauskommendem guten Zweck versauen soll. Wenn die Regierung schlecht war - und da sind wir uns vermutlich bis auf Merkel und co einig - und dennoch beschließt, daß man mal über erneuerbare Energien etc nachdenkt, dann erkenne ich nicht, warum das Nachdenken jetzt damit schlecht wird. Manchmal heiligt der Zweck eben doch die Mittel.
Evtl äußern Sie sich ja noch mal...
Seit ich denken kann hat jede Regierung die Schulden der BRD in ihrer Legislaturperionde deutlich erhöht.
Die Opositon hat gerufen unseriöse Finanzplanung, unverantwortliche Schuldenmacherei etc.
Nach einem Regierungswechsel haben sich immer die Rollen vertauscht, die anderen machten die Schulden und die einen riefen exakt die gleichen Phrasen, wie der politische Gegner vorher.
Jeder neue Finanzminister legt einen Plan vor, wie Deutschland in einigen Jahren zu einem ausgeglichenem Haushalt kommen wird. Es werden Sparziele festgeschrieben, Kürzungen vorgenommen, soziale Grausamkeiten umgesetzt, alles um in einigen Jahren keine neuen Schulden mehr machen zu müssen. Interessanter Weise liegt der Termin für den ausgeglichenen Haushalt immer in so weiter Ferne, daß die Verantwortlichen sich bis dahin schon im Ruhestand befinden werden.
Funktioniert hat das mit dem ausgeglichenen Haushalt noch nie. Immer passiert irgend eine unvorhersehbare Katastrophe, die es den Regierenden erlaubt sprunghaft mehr Schulden zu machen, die vorherigen Sparziele werden zur Makulatur und mit einem Achselzucken wird begründendet: Es geht halt nicht anders! Alternativlos heisst das in diesen Tagen.
Warum geht es denn nicht?
Sind die Politiker alles Lügner?
Lauter Idioten, die von nichts ne Ahnung haben?
Ich will gleich eine Antwort liefern:
Der Fehler liegt darin, daß bei uns Geld unverrückbar mit Zinsen und Schulden verknüpft ist.
Milton Friedmann und die neoliberalen Marktfetischisten weigern sich das zu sehen, geschweige denn darüber zu reden.
Gesell und die Freiwirtschaftler haben das Problem schon vor 100 Jahren erkannt, vor exponentiell wachsenden Schuldenbergen gewarnt, Entwicklungen wie wir sie heute haben vorrausgesagt.
Und?
Auch heute noch werden sie ignoriert, bestenfalls belächelt.
Und es gilt, wenn wir das Problem nicht an der Wurzel packen - am Zins - wird sich die etwas ändern, wir werden von einer Krise in die nächste stolpern, es wird immer dramatischer und aussichtsloser werden, bis der entgültige Zusammenbruch des Weltwärungsystems Wirklichkeit wird.
Noch eine Frage zum Abschluss:
Bis ca 1973 war der Keynesianismus die Vorherrschende Wirtschaftstheorie, sie wurde abgelöst vom Neoliberalismus.
Welches Problem hat der Neoliberalismus gelöst oder nur verbessert?
nach gefühlten 20 Artikeln zu Schäubles Widerstand gegen Steuersenkungen und Atomausstieg nun das !
Es ist durchaus üblich, daß in einer Demokratie der bei einer Abstimmung unterlegene die Beschlüsse der Mehrheit umsetzen muß.
Ihn dafür anzugreifen ist einfach nur schlechter Stil.