Man kennt sich, man hilft sich: In Hannover liegt der Sumpf aus Politik, Wirtschaft, Unternehmen und Prominenz, auf dem Karrieren blühen - unter anderem die von Bundespräsident Wulff und Altkanzler Schröder. Die Wahrheit über Wulffs Privatkredit rückt jetzt wieder die sogenannte Maschsee-Connection in den Mittelpunkt. Sie gibt Anlass für wildeste Gerüchte.
Berlin darf sich als einzige Stadt der Republik Bundeshauptstadt nennen, und eine Stellvertreterin ist offiziell auch nicht vorgesehen. Doch wenn das Land ein zweites Machtzentrum bräuchte - für den Fall, dass Berlin aus irgendwelchen Gründen einmal ausfiele -, könnte es nur eine geben: Die Kleine an der Leine, Hannover. Hier liegt der Sumpf, auf dem Karrieren blühen.
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Man kennt sich, man hilft sich: Das Ehepaar Wulff mit Unternehmer Maschmeyer (rechts) im Jahre 2009. (© dpa)
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Das niedersächsische 500 000-Seelen-Kapitälchen hat in den vergangenen 15 Jahren die steilsten politischen Laufbahnen überhaupt erlebt. Von hier aus zogen Christian Wulff ins Schloss Bellevue und Gerhard Schröder ins Kanzleramt. Ursula von der Leyen legte in Hannover den Grundstein für ihr jetziges Leben als Starministerin im Kabinett Merkel, die Führer von SPD (Gabriel) und FDP (Rösler) gehörten früher niedersächsischen Landesregierungen an. In Hannover bekamen sozialdemokratische, liberale und christdemokratische Karrieren gleichermaßen den letzten Schliff. Zufall?
Wohl nicht. In der Enge der Provinzhauptstadt ist über Jahrzehnte ein engmaschiges Geflecht aus Politik, Wirtschaft, Unternehmen und Prominenz entstanden, das jeden mit allen zu verbinden scheint. "Erbfreundschaften" nennt das der Medien- und Kommunikationsberater Michael Spreng, am auffälligsten lässt sich das Prinzip an der Person Carsten Maschmeyer beschreiben. Der Gründer des Finanzberatungs-Konzerns AWD finanzierte zunächst - heimlich - eine Werbekampagne für den niedersächsischen Landtagswahlkampf 1998, die unter dem Motto stand: "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein!" Sie förderte Gerhard Schröder (SPD), der damals haushoch über seinen Herausforderer Christian Wulff obsiegte.
Später wurde Schröder tatsächlich Kanzler, Wulff Ministerpräsident - und heute gehört der zum Bundespräsidenten aufgestiegene CDU-Mann selbst zu Maschmeyers engsten Freunden. Christian Wulff hielt etwa die Laudatio, als Maschmeyer zum Ehrendoktor in Hildesheim ernannt wurde, und er mietete im Sommerurlaub 2010 ein Haus Maschmeyers auf der Baleareninsel Mallorca.
Auch der von der Staatskanzlei in Hannover aus mitgesteuerte Automobil-Konzern VW im nahen Wolfsburg hat seinen Anteil an der Vernetzung von Politik und Wirtschaft. 20 Prozent des Unternehmens gehören dem Land Niedersachsen, Regierungsvertreter sitzen traditionell im Aufsichtsrat. Vom damaligen Ministerpräsidenten Schröder ist eine Reise zum Wiener Opernball mit VW-Boss Ferdinand Piëch überliefert. Logenplatz inklusive.
Der heutige SPD-Chef Sigmar Gabriel musste seine persönliche VW-Affäre überstehen, als bekannt wurde, dass er nach seiner Zeit als Regierungschef als Anteilseigner der Beratungsfirma CoNeS einen Vertrag mit VW abschloss, dotiert mit einer sechsstelligen Summe. Fragen lassen musste sich Gabriel auch, ob er seiner damaligen Lebensgefährtin Türen in Wolfsburg geöffnet habe: Sie nahm einen Job bei VW an - ohne sein Zutun, beteuerte Ex-Aufsichtsrat Gabriel.
Wer sich in Niedersachsen einmal irgendwie begegnet, verliert sich anscheinend nicht mehr aus den Augen. So gehört etwa auch der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann einerseits zu den "Frogs" (Freunde von Gerhard Schröder), zum anderen längst auch zum Fanclub Wulffs. Großmann war einst Geschäftsführer des Stahlwerks Georgsmarienhütte südlich von Osnabrück - Wulffs Heimatstadt und Wahlkreis. 2007 stellte der Manager als Laudator das Wulff-Buch "Besser die Wahrheit" vor.
Die Wahrheit über Christian Wulffs Privatkredit wirft jetzt wieder ein Schlaglicht auf die Maschsee-Connection von Hannover, die mehr als ein Dutzend Namen umfasst und Anlass für wildeste Gerüchte gibt. Als die damalige Bischöfin Margot Käßmann 2010 betrunken in Hannover erwischt wurde, hieß es schnell, sie habe einen sehr prominenten Beifahrer gehabt. Dieser ging gegen das Gerücht juristisch vor.
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(SZ vom 14.12.2011/aho)
Dieser Artikel über eine angebliche "Hannover Bande" und "Maschsee-Connection" des Autors Wiegand ersetzt Fakten und kritisch-journalistische Analyse durch subjektiv konstruierte und zusammengebastelte Verschwörungstheorien: "Hannover. Hier liegt der Sumpf, auf dem Karrieren blühen". Der Autor scheint Hannover nicht zu kennen. Bei aller kritischen Betrachtungsweise, die angezeigt ist und wie Wulff seine Kreditgeschichte usw. handhabt : Wer so etwas zusammenschreibt wie der Autor Wiegand, mit so unterschiedlichen Personen und Vorgängen, in Hannover, Osnabrück, letzteres liegt übrigens meilenweit von Hannover entfernt, und anderswo in Niedersachsen, der betreibt keine seriöse journalistische Berichterstattung, der bewegt sich auf einem zurechtgelegten und zusammenkonstruierten Skandalisierungstrip. Dass sich die SZ das inzwischen leistet, das muss mehr als erstaunen.
Konstruktive Kritik, immer gerne und ist in einer Demokratie auch wichtig.
Was aber hier zum Teil an Kommentare geschrieben worden sind, ist in Teilen so beleidigend, ja so unter der Gürtellinie, das ich mich schon wundere warum solche zum Teil diffamierenden Äußerungen überhaupt veröffentlicht wurden? Die Mehrheit die so schreibt, davon bin ich überzeugt, würde, wenn sie die Macht und Möglichkeiten hätten, genau oder so ähnlich handeln! Vielleicht noch, weil ja "Schlauer" sich nicht erwischen lassen! Wer im Glashaus sitzt der werfe den ersten Stein" Ich habe auch meine Probleme, mit Entscheidungen vieler unserer Volksvertreter, aber man sollte doch, trotz aller Kritik, sachlich bleiben.
Maschmeyers Werbekampagne "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein" bezog sich nicht auf den Landtagswahlkampf 1998 sondern auf den Bundestagswahlkampf 1998 (ergibt ja auch viel mehr Sinn) und diesen gewann Schröder dann natürlich auch nicht gegen Wulff sondern gegen Kohl.
BP Wulff sollte sich ein Beispiel an Frau Käßmann nehmen!!!!
Treffender ging die Überschrift nicht: "Hannover Bande" nicht zu verwechseln mit Band, denke ich, sondern eine Bande, die zu allem bereit und fähig ist, wenn es um Macht, Geld und Verbrüderung mit den Reichen und Superreichen geht, leider nicht zum Wohle der Bevölkerung, für das Politiker stehen sollten, sondern zu Eigennutz und Egoismus.
Interessant auch, was ich nicht wusste (aber dafür gibt es ja die Aufklärung durch die Zeitung)dass Wulff ein Buch geschrieben hat mit dem heren Titel:"Besser die Wahrheit". Ach ja, Papier ist geduldig...
Dan kann ich nur mit Gandhi sagen: "Wer den Weg der Wahrheit geht, stolpert nicht". Sollte ein Wahlspruch für alle - erst recht für Politiker sein - die immer noch durch ihr öffentliches Amt Vorbildfunktion und Verantwortung haben. Darum darf es auch nicht mit Halbwahrheiten derart pervertiert werden, dass am Ende nur noch Abkehr und Ekel übrig bleiben.
Paging