Brexit "Guardian"-Bericht: Vereinigtes Königreich will Zuwanderung von EU-Bürgern eindämmen

Macht in Sachen Brexit Ernst: die britische Premierministerin Theresa May.

(Foto: AP)
  • Großbritannien will dem Guardian zufolge nach dem Vollzug des Brexit gering qualifizierte EU-Bürger von der Einwanderung ins Land abhalten.
  • Sie sollen nur noch eine Aufenthaltsgenehmigung von maximal zwei Jahren bekommen können. Außerdem soll der Familiennachzug beschränkt werden.
  • Auch an der Grenze soll sich demnach etwas ändern: Nach dem EU-Ausstieg im März 2019 soll bei der Einreise nach Großbritannien ein Reisepass nötig werden - bislang reicht ein Personalausweis.

Das Vereinigte Königreich will einem Medienbericht zufolge unmittelbar nach dem Austritt aus der Europäischen Union die Einwanderung in das Land eindämmen. So solle die Freizügigkeit von Arbeitnehmern praktisch aufgehoben werden, berichtet der Guardian. Die Zeitung beruft sich auf ein 82-seitiges, als streng vertraulich eingestuftes Papier des Innenministeriums, das an die Redaktion durchgestochen wurde.

Besonders hart könnte es demnach Zuwanderer mit einer geringen Berufsqualifikation treffen: Sie sollen eine Aufenthaltsgenehmigung von maximal zwei Jahren bekommen können. Hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland dürfen dem Bericht zufolge drei bis fünf Jahre bleiben. Ziel sei die schrittweise Einführung eines neuen Einwanderungssystems. Für die vollständige Umsetzung der Neuregelungen soll es eine Frist von mindestens zwei Jahren nach dem Brexit im März 2019 geben.

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Auch beim Niederlassungs- und Zuzugsrecht für die meisten europäischen Migranten und ihre Familien nimmt die Regierung in London dem Guardian zufolge Änderungen vor: Sie beschränkt den Familiennachzug auf Lebenspartner, Kinder unter 18 Jahre und erwachsene Unterhaltsberechtigte. Neu geregelt werden soll darüber hinaus der Grenzübertritt. Nach dem vollzogenen Brexit soll es auch für EU-Bürger verpflichtend sein, bei der Einreise nach Großbritannien einen Reisepass mit sich zu führen. Bislang reichte der Personalausweis.

Regierung in London: Einwanderung darf nicht nur den Migranten nutzen

Führende Minister im Team von Premier Theresa May müssen den Entwurf der Zeitung zufolge noch billigen. Darin heißt es zur Begründung der Maßnahmen: Einwanderung könne nur dann als wertvoll für das Land als Ganzes betrachtet werden, wenn sie nicht nur den Migranten selbst nutze, sondern auch den schon im Land lebenden Bürgern zu einem besseren Leben verhelfe. Ein Regierungssprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Er stellte für den Herbst einen Vorschlag für ein neues Einwanderungssystem in Aussicht, mit dem "das Vereinigte Königreich die Kontrolle über seine Grenzen zurückerlangt".

In vielen Bereichen der britischen Wirtschaft gibt es einen hohen Anteil von Migranten, etwa in der Landwirtschaft, der Gastronomie oder im Gesundheitswesen. 2016 lebten etwa 3,6 Millionen EU-Bürger in Großbritannien, davon ein Drittel in London. Polen machen mit einer Million Menschen das größte Kontingent aus.

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