US Präsident Barack Obama hat sich entschlossen, die Fotos des toten Osama bin Laden unter Verschluss zu halten. Seine Skrupel sind verständlich, und seine Begründung ist ehrenwert. Dennoch ist die Entscheidung falsch - und wird auf Dauer nicht haltbar sein.
Präsident Barack Obama hat sich entschlossen, die Fotos des toten Osama bin Laden unter Verschluss zu halten. Seine Skrupel sind verständlich, und seine Begründung ist ehrenwert. Dennoch ist die Entscheidung falsch.
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Obama dürfte in einer Hinsicht absolut recht haben: Verschwörungstheoretiker werden sich auch von Bildern des toten Terrorchefs nicht abhalten lassen, den Wiedergänger Bin Laden überall auf der Welt zu sichten: in den Bergen Afghanistans, in seiner saudischen Heimat, selbst in dunklen Verliesen der CIA.
Insofern ist es egal, ob die Bilder zugänglich sind oder nicht. Im Zeitalter von digitalen Manipulationstechniken ist der Wert von Fotos zudem höchst begrenzt. Den US-Präsidenten dürfte allerdings weniger die Sorge drücken, dass die Welt den USA nicht glauben könnte, den Mastermind von al-Qaida ausgeschaltet zu haben.
Er macht sich vielmehr Gedanken um das Image Amerikas: dass viele die Veröffentlichung der Fotos eines blutigen Leichnams als Präsentation einer Jagdtrophäe missverstehen könnten. Obama ist jeder Anschein von Hurra-Patriotismus zuwider, der seinem Vorgänger bekanntlich nicht fremd war.
Und sicherlich könnten die Bilder als Mittel zur Rekrutierung neuer Terror-Eleven missbraucht werden. Das sind alles gute Argumente. Dennoch bleiben die Fotos des toten Bin Laden wichtige Dokumente der Zeitgeschichte.
Sie markieren das Ende einer bis zum Krieg eskalierten Verbrecherjagd, die die Welt verändert und das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts geprägt hat. Sie nicht zugänglich zu machen, hinterlässt eine Leerstelle und ist ein merkwürdiger Akt vorsorglicher Zensur. Die Entscheidung Obamas wird auf Dauer nicht haltbar sein.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 06.05.2011/segi)
Obama zeichnet Bob Dylan aus
Sagt Ihnen "Rule 32" etwas? ;-)
Dann soll er halt aus den Videoaufnahmen, die er live verfolgen konnte, die Fotos vom noch lebenden OBL kurz vor der Heldentat der Seals veröffentlichen....
Aber das geht bestimmt auch nicht. Aus ethischen Gründen selbstverständlich und nicht etwas deshalb, weil eine Fake Aktion nunmal keine echten Bilder liefert...:-))))
Und? Ist das inexistent, wenn man kein Foto hat? Was wäre, wenn sich bin Laden rasiert und blondiert hätte und er nie wieder aufgetaucht wäre?
Hat der zweite Weltkrieg kein Ende gefunden, weil es kein Bild vom toten Hitler gibt?
Ich bezweifle, daß man jedes Dokument der Zeitgeschichte benötigt, um die Geschichte zu tradieren. Was ändert sich durch die Vorlage eines Fotos - außer, daß die Sensationsgeilheit einiger bedient wird?
Die SZ soll sich zur Bild degradiert haben? Verzeihung, aber das ist lächerlich. Der Autor des oben stehenden Artikel führt hier durchweg vernünftige Argumente ins Feld (auch wenn ich seine Schlussfolgerung nicht teile).
Der Artikel ist sorgfältig recherchiert und argumentatorisch solide unterfüttert. Vom unethischen Müll-Journalismus der Blöd-Zeitung ist dieser Artikel so weit entfernt wie Lenin vom Papst.
Die Eliminierung Bin Ladens hat den in Afghanistan Krieg führenden westlichen Nationen ein Tor geöffnet - das der Verhandlung mit den Taliban, das vorher versperrt war. Kalkül der NATO - laut einer Analyse des SPIEGEL, die ich für zutreffend halte - ist folgendes: Mit dem Schlag gegen Osama hat Amerika so viel Stärke gezeigt, dass Verhandlungen mit den Taliban nun nicht mehr so ohne Weiteres als Zeichen von Schwäche gewertet werden kann.
Auch wenn es dem politischen Rechts-Außen in den USA nicht passt - die Bilder des toten Terroristen gehören unter Verschluss. Führt man nämlich eine Risiko-Nutzen-Analyse durch, gelangt man zu dem Schluss, dass der Nutzen einer Veröffentlichung der Bilder sehr, sehr gering wäre, eine Veröffentlichung aber kaum kalkulierbare Risiken nach sich ziehen würde.
Davon mal abgesehen, verbietet der menschliche Grundanstand einem sowieso, die Bilder einer mehr oder auch weniger verstümmelten Leiche für politische Zwecke zu instrumentalisieren, ganz abgesehen davon, dass es einfach nur dumm und unreif ist, unnötig Öl in die Flammen zu kippen.
EDIT: Ob die Taliban sich nach dem Tod ihres Bosses freilich verhandlungsbereiter zeigen, ist (noch) unklar. Aber trotzdem ist ein wichtiger Schritt getan - die Ausschaltung Osamas hat im Westen ideologische Vorbehalte abgebaut, die bislang verhinderten, mit den Taliban zu verhandeln. Somit ist wenigstens eine Konfliktpartei kooperativ(er) geworden. Das ist zwar nur die halbe Miete, aber immer noch besser als nichts. Die Geschichte zeigt, dass Eskalationsspiralen durch das "zur-Vernunft-Kommen" einer beteiligten Partei zwar nicht völlig gestoppt werden können, aber immerhin oft deutlich verlangsamt werden.
Zum ersten Mal in diesem schwachsinnigen, unnötigen Krieg sehen wir etwas Hoffnung am Horizont. Okay, es musste ein Mensch dafür sterben, aber es war "for the greater good", oder anders formuliert: für ein höherwertiges Rechtsgut.
Paging