Berlusconi begegnet Monti in Brüssel Huldigung für den Überraschungsgast

Silvio Berlusconi ist Vorsitzender der größten konservativen Partei Italiens. Doch auf dem Treffen der Europäischen Volkspartei EVP in Brüssel lassen die anderen konservativen Regierungschef ihn böse auflaufen: Hinter seinem Rücken haben sie Noch-Premier Mario Monti eingeladen, obwohl der nicht einmal einer Partei angehört.

Von Javier Cáceres, Brüssel, und Andrea Bachstein, Rom

Als er bei der Académie Royale in Brüssel ankam, hatte Silvio Berlusconi noch ein selbstgewisses Lächeln im Gesicht. Kanzlerin Angela Merkel lächelte ebenfalls - allerdings erst, als sie das Treffen der Europäischen Volkspartei EVP dort verließ. Und sie wirkte nicht selbstgewiss, sondern eher zufrieden. Der deutsche Europaparlamentarier Elmar Brok ließ wissen: "Wir haben ein gutes Gefühl." Die Hochstimmung war dem Überraschungsgast des Treffens geschuldet: Italiens Noch-Premier Mario Monti war gekommen, obwohl er nicht einmal einer Partei angehört.

Seiner diskreten Art treu gab Monti keinen Kommentar ab zu seiner politischen Zukunft. Die konservativen Partei- und Regierungschefs aus ganz Europa aber ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihn gerne als Kandidaten für den Premiersposten bei den anstehenden Wahlen sähen. Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker sagte: "Wir haben unsere starke Unterstützung für Monti ausgedrückt." Und Antonio López-Isturiz, Generalsekretär der EVP, verkündete: "Die beste Option wäre aus unserer Sicht eine Mitte-rechts Regierung unter der Führung von Mario Monti."

Berlusconi, immerhin Vorsitzender der größten konservativen Partei Italiens, soll in Brüssel übrigens nur lobende Worte für Monti gefunden haben - was blieb ihm auch übrig. Dass er seinen Rivalen dort treffen würde, hatte er nicht erwartet. Denn den Monti-Auftritt hatte EVP-Präsident Wilfried Martens im Stillen eingefädelt, mit einer separaten Einladung und ohne jede Vorwarnung an den PDL-Vorsitzenden Berlusconi. Das Stehauf-Männchen der italienischen Politik beschränkte sich also darauf, seinen bereits angedeuteten Rückzug vom Comeback zu wiederholen.

Das Robert-Blanco-Prinzip: Heute so, morgen so

Schon am Abend zuvor hatte Berlusconi seine Kandidatur als Premier infrage gestellt. Bei einer Buchvorstellung des ihm ergebenen Rai-Journalisten Bruno Vespa verblüffte er mit der Aussage, er "hätte kein Problem, die Kandidatur zurückzuziehen". Da saß der 76-Jährige mit einer dicken Make-up-Schicht, und das Publikum fragte sich, ob es recht höre: "Ich könnte mich auch nur meiner eigenen politischen Bewegung widmen", räsonierte Berlusconi.

Auf die Frage jedoch, ob das seinen Rückzug bedeute, antwortete er: "Nein, so ist es nicht." Mit seinen Ankündigungen nach dem Roberto-Blanco-Prinzip "heute so, morgen so" lässt Berlusconi selbst Gefolgsleute verwirrt stehen: "Noch eine Pirouette", titelte das ihm gewogene Blatt Il Libero und: "Voilà, der Berlusmonti." Der sonst bestens eingeweihte Libero-Chefredakteur schreibt: "Man versteht nicht, worauf der Führer der rechten Mitte hinaus will."

Am Wochenende hatte Berlusconi noch seine Kandidatur angekündigt und damit die Rücktrittsankündigung Montis ausgelöst. Das Entsetzen bei europäischen Regierung und den EU-Spitzen wurde nicht kleiner, als Berlusconi gegen den von Deutschland aufgezwungenen Sparkurs und die EU-Krisenpolitik vom Leder zog und Monti attackierte. Seit Mittwochabend allerdings hält Berlusconi seinen Nachfolger doch wieder für geeignet, das Amt des Regierungschefs zu bekleiden - freilich unter Bedingungen, von denen er selbst nicht glauben kann, dass sie eintreten.

Damit er verzichte, müsse Monti Kandidat des Mitte-rechts-Lagers werden, verlangte Berlusconi, die Lega Nord eingeschlossen. Die Partei aber steht seit Montis erstem Tag in Fundamentalopposition zu ihm. Bei der Lega könnte auch einer der Gründe für Berlusconis Volte liegen: Ihr Vorsitzender Roberto Maroni hatte Berlusconi jede Hoffnung auf eine Koalition genommen, sollte der selbst Spitzenkandidat werden.