Außenansicht Keine deutsche Sicherheit ohne Polen, keine französische ohne Deutschland

Selbst theoretisch verfügt Deutschland nicht über die Option einer Renationalisierung seiner Sicherheitspolitik, denn ein solcher Schritt würde den Kontinent zerreißen. Es sei nicht vergessen, dass die von Amerika nach 1945 geschaffene globale und regionale Ordnung vor allem auch dazu diente, die beiden ehemaligen Feindmächte einzubinden und dauerhafte Sicherheit vor ihnen zu schaffen.

Deutschland bleibt aufgrund seiner geopolitischen Lage und seines Gewichts nur Europa als Perspektive. Und zwar kein Europa der Hegemonie, sondern des Rechts, der Integration und des friedlichen Interessenausgleichs, der EU also.

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Allein dieser eine Punkt, Deutschlands geopolitische Lage, zeigt, wie monströs daneben jegliche Form von deutschem Nationalismus tatsächlich ist und wie sehr das Gelingen der EU den elementaren deutschen Interessen entspricht - dank Donald Trump heute mehr denn je.

Wenn das Haus brennt, hat Sparen keine Priorität

Deutschland kann sich nicht von den Strukturen kollektiver Sicherheit verabschieden, genauso wenig wie andere Europäer. Es gibt keine deutsche Sicherheit ohne Polen, keine französische ohne Deutschland. Ganz im Gegenteil wird Europa (und mit ihm Deutschland) alles tun müssen, um diese kollektive Sicherheit und seinen Beitrag dazu erheblich zu stärken. Das gilt für Nato und EU gleichermaßen.

Deutschlands Stärke liegt in seiner finanziellen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, und diese Stärke wird es jetzt für EU und Nato in einem Maße einsetzen müssen, wie das in den Jahrzehnten der sogenannten Friedensdividende und den Jahren der Euro-Krise nicht der Fall war. Sparsamkeit ist ohne jeden Zweifel eine Tugend, aber wenn das Haus brennt und einzustürzen droht, gelten andere Prioritäten.

Neben der Sicherheit ist das zweite elementare Interesse Deutschlands ein freier Welthandel, denn davon lebt das Land, vorneweg vom innereuropäischen Handel. Die USA werden auch in Zukunft ein Markt von überragender Bedeutung bleiben, und Deutschland kann kein Interesse daran haben, dass sich China und die USA (die beiden wichtigsten Exportmärkte der Bundesrepublik außerhalb der EU) in einem Handelskrieg wiederfinden und der Protektionismus sich global ausbreitet. Allein schon Trumps Rhetorik hat dazu geführt, dass sich China und Europa annähern.

Trumps Präsidentschaft wird große Erschütterungen und Risiken für die Europäer mit sich bringen, ja völlig neue Herausforderungen. Die bedeuten aber zugleich auch große Chancen, wenn, ja wenn die Europäer zusammenhalten und endlich machtpolitisch erwachsen werden.

Vor einem aber sollten sie sich hüten: Antiamerikanismus. Trump ist wohl der Präsident, aber nicht das ganze Amerika. Der Nordatlantik, unsere gemeinsame Geschichte und unsere gemeinsamen Werte werden die beiden Kontinente auch unter Trump weiter verbinden, selbst wenn sich vieles in Zukunft ändern wird.

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