Außenansicht Die richtige Antwort auf Trump

Donald Trump umgeben von US-Militärangehörigen

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Sparen ist eine Tugend, aber wenn das Haus brennt, gelten andere Prioritäten: Deutschland muss entschlossen in EU und Nato investieren. Und Europa endlich erwachsen werden.

Gastbeitrag von Joschka Fischer

Donald J. Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, hat gleich in seiner Antrittsrede klargemacht, dass er mitnichten daran denkt, sich im Amt anzupassen. "America first" steht für die Abkehr, vermutlich sogar die bewusste Zerstörung dessen, was die unterschiedlichsten Präsidenten, Demokraten ebenso wie Republikaner, seit Franklin D. Roosevelt aufgebaut und, mal besser, mal schlechter, erhalten haben. Es ist das, was unter dem Begriff der "amerikanischen Weltordnung" zusammengefasst wurde.

Bisher garantierten die USA eine Weltordnung. Wenn sie nun von einer globalen Führungsmacht zu einem Land des Nationalismus und Isolationismus werden, von einem Hegemon also zu einer Großmacht unter anderen Großmächten, so wird dies nicht nur Amerika verändern, sondern auch die jetzige Weltordnung - selbst wenn die USA weiterhin mit großem Abstand die stärkste Nation auf dem Globus bleiben.

Allein die wirtschaftlichen und politischen Folgen eines von den USA, dem jahrzehntelangen Motor des freien Welthandels, ausgehenden Protektionismus und des Versuchs, die Globalisierung zu revidieren oder zumindest zugunsten einer engen nationalen Interessendefinition der USA umzukehren, wären massiv und sind heute kaum abschätzbar. Das letzte Mal, dass sich die Welt in diesen Abgrund gestürzt hatte, war in den 1930er-Jahren des 20. Jahrhunderts gewesen. Die Folgen sind bekannt.

Trumps Berater wirft Deutschland Ausbeutung anderer Länder vor

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Jahrzehnte alte Bündnisse und Sicherheitsgarantien werden erschüttert oder ganz infrage gestellt werden, Institutionen, Verträge und Werte, die bis heute die Grundlage dieser Ordnung bildeten, könnten zerstört werden, kurz: Die alte Ordnung der Pax Americana wird fallen, zerstört ohne Not durch Amerika selbst. Eine neue, geschweige denn eine bessere Ordnung, die an ihre Stelle treten könnte, ist mitnichten absehbar. Fast alles spricht also für chaotische Zeiten in der näheren Zukunft.

Zu den großen Verlierern dieser großen Transformation werden die beiden ehemaligen Feindmächte der USA aus dem Zweiten Weltkrieg gehören, vorneweg Deutschland und, mit Einschränkungen, Japan. Beide Mächte hatten 1945 eine totale Niederlage erlebt und konnten ihren Wiederaufstieg nur unter zwei Bedingungen erreichen: der radikalen Absage an jede Form von Machtstaat (daher der tief verwurzelte Pazifismus in beiden Staaten nach 1945) und ihre Transformation zu Handelsstaaten unter der Sicherheitsgarantie der Siegermacht USA und des von ihr errichteten internationalen Systems.

Deutschland hängt von der amerikanischen Schutzgarantie ab

Wenn diese Garantie oder gar das gesamte System wegfällt, stehen diese beiden Wirtschaftsmächte vor einem gewaltigen Sicherheitsproblem. Dabei befindet sich Japan in einer geopolitischen Randlage, die ihm zumindest theoretisch noch die Option einer Renationalisierung der eigenen Sicherheit belässt. Allerdings würde eine solche Veränderung die Gefahr einer militärischen Konfrontation in Ostasien dramatisch steigen lassen. Und da in dieser Region fast nur Atommächte agieren, ist diese Perspektive selbst in der Theorie alarmierend.

Deutschland aber liegt, mit der größten Bevölkerung und Wirtschaftsmacht, in der Mitte Europas und ist umgeben von Nachbarn, die fast alle im 20. Jahrhundert schon einmal Kriegsgegner waren. Seit Beginn des Kalten Krieges hängt das Land von der amerikanischen Schutzgarantie ab, einem multilateralen transatlantischen und europäischen Netzwerk und einer rechts- und wertebasierten internationalen Ordnung mit einem Freihandelssystem, das den Machtstaat und seine mit ihm einhergehenden Einflusszonen überflüssig gemacht zu haben schien.