Die mächtigste Frau der Welt soll endlich zeigen, wo es in Europa langgeht, fordert das US-Magazin Newsweek. SZ-Korrespondenten berichten, was Amerika und europäische Staaten von der Kanzlerin erwarten.

Mächtigste Frau der Welt. Sparsam und besonnen. Diplomatisch, bewundernswert gelassen. So haben ausländische Medien Angela Merkel in den vergangenen Jahren gelobt.

Angela Merkel, ddp

"Was soll ich machen?", scheint dieser Blick Angela Merkels zu sagen. Endlich die Führung in Europa übernehmen - meinen die Nachrichtenmagazine Newsweek und Time. (© Foto: ddp)

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Doch die bedingungslose Bewunderung bröckelt: "Waiting for Merkel - why Germany doesn't want to lead" ("Warten auf Merkel - warum Deutschland nicht die Führung übernehmen will"), titelt nun die Europa-Ausgabe von Newsweek, eines der führenden amerikanischen Nachrichtenmagazine. Auf dem Cover sind, unverkennbar, die gefalteten Hände der Kanzlerin abgebildet, ruhig und regungslos.

Angesichts Griechenlandkrise und Euro-Schwäche blicken nicht nur die Amerikaner erwartungsvoll in Richtung Angela Merkel, die das Forbes-Magazin im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge zur mächtigsten Frau der Welt gekürt hat. Was erwarten Politiker und Meinungsmacher im Ausland von der deutschen Regierungschefin?

USA

Der Newsweek-Artikel, der zu den gefalteten Händen der Kanzlerin gehört, trägt die Überschrift "Slow-Motion Merkel". In der Analyse schwingt ein resignierter, fast schon verzweifelter Unterton mit: "Europa braucht einen Anführer, aber die geeignete Kandidatin will den Job nicht übernehmen."

Der deutschen Regierungschefin könne in Europa nun mal keiner das Wasser reichen, heißt es weiter: weder der unberechenbare, hyperaktive Nicolas Sarkozy, noch die lahme britische Ente Gordon Brown, noch der spanische Premier José Luis Rodríguez Zapatero. Aber irgendwie habe Merkel keine Lust auf ihre Führungsrolle - zu sehr seien sie und Deutschland darauf fixiert, den Status quo zu erhalten.

Bereits Anfang März hatte Business Week, eines der führenden Wirtschaftsmagazine der Welt, Merkel aufs Titelblatt gehoben und gefordert: "Deutschland oder Europa - Merkel muss entscheiden."

Und im Januar schmückte das Konterfei Merkels das Time-Cover. "Frau Europa" titelte das renommierte Nachrichtenmagazin auf Deutsch und fragte sich, ob und wie die unangefochtene Chefin des bevölkerungsreichsten europäischen Staates ihren Einfluss zu nutzen gedenke.

Die Geschichten spiegeln die Deutschland- und Europa-Skepsis wider, die derzeit in den USA um sich greift. Die EU mit ihren Streitereien ums Protokoll nervt die Amerikaner, Obama scheint keine Lust mehr zu haben auf EU-USA-Gipfel, bei denen außer Goodwill-Erklärungen kaum etwas herauskommt. Erst kürzlich sagte er seine Teilnahme an einem solchen für Mai geplanten Treffen wieder ab.

Merkel ist quasi die Personifizierung dieser Enttäuschung. Noch vor der Bundestagswahl 2009 waren die Amerikaner geduldig, sahen ein, dass sie erst mal ihre Wiederwahl hinter sich bringen müsse. Aber jetzt sei es doch bitte Zeit für den Aufbruch!

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  2. "Das Charisma eines Trabants"
  3. "Ehrliche Frau, die immer ihre Meinung sagt"
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