Anschlag von Stockholm Eine Spur führt nach England

Nach dem Sprengstoffanschlag von Stockholm folgt die britische Polizei konkreten Hinweisen: Hat der Attentäter in England gelebt? Die schwedische Polizei kennt seinen Namen, hält ihn aber noch zurück. Sie geht davon aus, dass er Helfer hatte.

Spurensuche, 1400 Kilometer vom Tatort entfernt: Im Zusammenhang mit dem Selbstmordanschlag von Stockholm hat die britische Polizei in der Nacht zum Montag nördlich von London ein Haus durchsucht - allerdings ohne greifbaren Erfolg.

Eine Passantin blickt auf die Schäden, die der Selbstmordattentäter in der Stockholmer Innenstadt hinterlassen hat. Die schwedische Polizei hat den Mann identifiziert, hält seinen Namen aber noch zurück.

(Foto: AFP)

Wie Scotland Yard mitteilte, fand der Einsatz kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Zeit in der Grafschaft Bedfordshire statt. Es habe keine Festnahmen gegeben. Auch habe man kein gefährliches Material sichergestellt, berichtete die Nachrichtenagentur PA.

In Stockholm teilte die schwedische Polizei derweil mit, der Attentäter sei eindeutig identifiziert. Den Namen werde man freigeben, sobald alle Angehörigen unterrichtet seien. Zuvor hatten britische Medien gemeldet, dass es sich bei dem Attentäter um einen irakischstämmigen Schweden handelt, der im englischen Luton gelebt und an der Universität von Bedfordshire studiert haben soll. Schwedische Medien hatten berichtet, der 28 oder 29 Jahre alte Selbstmordattentäter habe zuletzt in einer Wohnung in der mittelschwedischen Ortschaft Tranås in der Landschaft Småland gelebt.

Eine islamistische Website nannte unterdessen den angeblichen Namen des Attentäters. "Das ist unser Bruder, der Mudschahid Taimur Abdel Wahab, der die Märtyrer-Tat in Stockholm vollbracht hat", meldete die Webseite Schumuch el Islam am Sonntag. Auch ein Foto des angeblichen Attentäters wurde dort veröffentlicht. Es zeigt einen Mann in schwarzer westlicher Kleidung, mit einer schwarzen Brille und Händen in den Taschen. Auf der Webseite werden weder das Alter, noch die Staatsangehörigkeit des Mannes genannt. Auch wird nicht gesagt, ob er einer extremistischen Gruppe angehört.

Die schwedische Polizei geht inzwischen nicht mehr von einem Einzeltäter, sondern von mehreren Mithelfern aus. Der zuständige Staatsanwalt Thomas Lindstrand sagte am Montag, das Attentat sei zwar missglückt, aber "gut vorbereitet" gewesen. Deshalb gehe man von Helfern bei der Vorbereitung aus. Es gebe keine konkret Verdächtigen.

Ein Bombenexperte des Heeres hatte das Vorgehen des Selbstmordattentäters zuvor "technisch gesehen amateurhaft" genannt. Dass nur eine von sechs an seinem Körper befestigen Rohrbomben explodiert sei, deute auf fehlerhafte Verbindungen zwischen Bomben und Auslöser hin, sagte er der Zeitung Aftonbladet.

Der Attentäter hatte sich am Samstagnachmittag im Stadtzentrum von Stockholm in die Luft gesprengt. Er war sofort tot. Einen Rucksack hatte er mit Nägeln und weiterem Sprengstoff gefüllt. Kurz zuvor war nicht weit entfernt ein Auto explodiert. In seinem Abschiedstext erklärte der Mann, dass er sich bei einem Aufenthalt im Nahen Osten für den Dschihad ("Heiligen Krieg") habe ausbilden lassen.

In Stockholm gingen am Sonntagabend bei einer von Muslimen organisierten Demonstration etwa 100 Menschen auf die Straße. "Wir fühlten uns verantwortlich dafür, den Anschlag scharf zu verurteilen", sagte Samaa Sarsour, eine der Organisatorinnen.

Kein Einfluss auf Schwedens Politik

Nach den jüngsten Terrorwarnungen löste dieser erste islamistische Anschlag in Schweden europaweit Besorgnis aus. Westliche Geheimdienste weisen seit Wochen darauf hin, dass bis Weihnachten islamistische Terrorakte in Europa zu befürchten seien. Das Bundesinnenministerium sieht allerdings keinen Grund, die Sicherheitsvorkehrungen weiter zu verstärken.

Die schwedische Polizei sprach von einem "sehr ernsten Terrorakt". In einer Drohmail hatte ein Mann vorher den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan und "das Schweigen des schwedischen Volkes" zur Mohammed-Karikatur des heimischen Künstlers Lars Vilks verurteilt. Die Drohung per E-Mail spricht nach Ansicht von Experten gegen eine Verbindung zur Terrororganisation al-Qaida, die sich meist nachträglich zu Anschlägen bekennt.

Schwedens Justizministerin Beatrice Ask meinte, es gebe keinen Anlass für Befürchtungen, dass ähnliche neue Attacken unmittelbar bevorstehen. Es sei aber klar, "dass die jüngsten Ereignisse viele Menschen beunruhigen".

Auch Schwedens Außenminister Carl Bildt zeigte sich gelassen. "Das wird sicher keinen Einfluss auf unsere Außen- oder Innenpolitik haben", sagte er vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. Geschockt habe ihn der Anschlag in einem belebten Einkaufsviertel in der Stockholmer Innenstadt nicht. "Wir leben in einer Welt, die so ist, wie sie ist."

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