Anschlag in Manchester Was über den Attentäter bekannt ist

  • Als Täter hat die Polizei den 22-jährigen Salman Ramadan Abedi identifiziert
  • Abedi ist geboren und aufgewachsen in Großbritannien und hat 2014 ein Studium aufgenommen
  • Wie genau er sich radikalisiert hat, ist noch unklar. Abedi soll aber Kontakte zu Terror-Helfern in Manchester gehabt haben
Von Thorsten Denkler

Der Vater ein angesehenes Gemeindemitglied. Er selbst ein eher ruhiger Typ, der mit seinem Bruder zusammen die gleiche Moschee in Manchester besucht hat. Ein junger Mann, der seine Eltern immer respektvoll behandelt hat.

Und jetzt soll Salman Ramadan Abedi, 1994 in Großbritannien geboren, ein Attentäter sein. Er soll der Mann sein, der am Montagabend im Foyer der Manchester-Arena eine selbstgebastelte Bombe gezündet hat, die 22 Menschen in den Tod riss, etwa 60 Menschen zum Teil schwer verletzt hat und viele traumatisiert zurücklässt. Kinder und Jugendliche sind unter den Opfern, weil viele von ihnen Fans der US-amerikanischen Sängerin Ariane Grande sind, die an dem Abend hier ein Konzert gegeben hat.

An der Identität des Täters gibt es der britischen Polizei zufolge keinen Zweifel mehr. Unter anderem sei ein Ausweis von ihm am Tatort gefunden worden. Immer wahrscheinlicher wird, dass Abedi nicht allein gehandelt hat. Die Ausführung des Anschlags sei "anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben" sagt die britische Innenministerin Amber Rudd. Das spreche dafür, dass der Täter Unterstützung gehabt habe. Am Dienstagabend hatte bereits Premierministerin Theresa May gesagt, es könne "eine größere Gruppe von Personen" geben, die mit dem Anschlag in Verbindung stünden. Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb habe sich Abedi zudem eine Zeit lang in Syrien aufgehalten und Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" unterhalten. Dem TV-Sender BFM gegenüber berief sich Collomb diesbezüglich auf französische und britische Geheimdienstinformationen.

Gelebt hat Salman Abedi im Süden der Stadt. Er ist das zweitjüngste von vier Kindern, hatte zwei Brüder und eine Schwester. Seine Eltern sind einst aus Libyen geflohen. Die Familie gilt als religiös, aber politisch moderat. Abedi war Fan von Manchester United.

Abedi soll den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen sein. Aber er galt nicht als Risiko-Person. Sondern eher als Randfigur. Mehrfach soll er sich in den vergangenen Jahren in Libyen aufgehalten haben. Ein Schulfreund sagte der Times, er sei erst vor Kurzem von dort zurückgekehrt.

Einige Stunden nach der Explosion bekannte sich der "Islamische Staat" zu dem Anschlag. Abedi sei ein "Soldat des Kalifats". Noch aber hat die Polizei nichts gefunden, was eine Verbindung zwischen Abedi und dem IS belegen könnte.

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Abedi ein Attentäter? In der libyschen Gemeinde hat das viele verblüfft

Manchen Mitgliedern der libyschen Gemeinde in Manchester wären einige eingefallen, die vielleicht als Attentäter in Frage gekommen wären. Einer von jenen etwa, die in der libyschen Revolution von 2011 gekämpft haben. Zurückgekehrt sind sie traumatisiert und wütend. Dass Abedi aber der Täter von Manchester sein soll, habe viele Angehörige der örtlichen libyschen Gemeinde verblüfft, schreibt der Guardian, der sich dort umgehört hat.

Abedis Bruder Ismail gilt als recht aufbrausend, Salman hingegen galt als ruhig. Der Vater Ramadan Abedi soll der dschihadistischen Ideologie geradezu konfrontativ gegenüberstehen. Den "Islamischen Staat" soll er rundweg ablehnen, zitiert der Guardian einen Freund der Familie. Das seien nur Kriminelle.

Der Vater hat es nach der Flucht nur bis zum Gelegenheitsarbeiter gebracht, zuletzt soll er als Wachmann gearbeitet haben. Salman Abedi aber hat studiert. Er war seit 2014 als Student an der Salford-Universität nahe Manchester eingetragen. Betriebswirtschaft. Angeblich soll er zwei Jahre lang regelmäßig alle Kurse besucht haben. Im vergangenen Jahr aber scheint er nicht mehr aufgetaucht zu sein. In diesem Sommer hätte er seinen Abschluss machen können. Er soll sich an der Universität zu keinem Zeitpunkt auffällig verhalten haben.

Der Großteil seiner Familie soll nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi wieder nach Libyen zurückgekehrt sein. Der Telegraph schreibt, nur Salman Abedi und sein älterer Bruder Ismail seien in Großbritannien geblieben.

Die offene Frage ist, wie und wo er sich radikalisiert haben könnte. Die Didsbury-Moschee, in der er, sein Bruder und sein Vater gebetet haben, gilt als moderat. Als Ort, an dem Muslime aus dem arabischen Raum, aus Afrika, Asien und Europa willkommen sind. Der dortige Imam Mohammed Saeed will in Abedi schon Zeichen einer Radikalisierung erkannt haben. Dem Guardian sagte er, dieser habe ihn "mit Hass" angesehen, nachdem er eine Predigt gegen Terror und gegen den IS gehalten habe.

Radikalisiert haben könnte sich Abedi in der Einflusssphäre etwa von Abdalraouf Abdallah, einem 24-Jährigen, der auch in Manchester lebt. Abdallah wurde schuldig gesprochen, weil er Terroristen unterstützt und Anschläge mitvorbereitet haben soll. Abdallah soll auch geholfen haben, kampfeswillige Männer nach Syrien zu schleusen. Ein Freund der Familie sagte dem Guardian, Abedi und Abdallah hätten sich gekannt. Allerdings mit dem Zusatz: "Alle Libyer in Manchester kennen sich."

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