Anschlag in Indonesien Wie Jakarta versucht, der Furcht zu trotzen

Ein Mann posiert vor Blumen, die am Anschlagsort niedergelegt wurden.

(Foto: Getty Images)
  • Kurz nach dem Terroranschlag im Zentrum der Stadt kehrt in Jakarta wieder Normalität ein.
  • Panik macht sich angesichts der Gefahr nicht breit.
Von Arne Perras, Jakarta

Längst hat der Stau die Jalan Thamrin im Zentrum Jakartas wieder erobert, so dass diejenigen, die hier jetzt Rosenblätter für die Opfer des Terroranschlags auf den Asphalt streuen, doch aufpassen müssen, dass sie nicht von einem der hupenden Autos angefahren werden. Schnell aufgeräumt haben sie am Tatort, wo sich noch am Donnerstag Terroristen und Polizisten Feuergefechte lieferten, wo Bomben explodierten, Granaten flogen und sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Zwei Besucher eines Cafes sind gestorben, fünf Attentäter wurden erschossen und Indonesien hat leidvoll erfahren, dass der Terror nach langer Phase der Ruhe nun zurückgekehrt ist.

"Rettet unsere Kinder vor der Gefahr des Terrors"

Jetzt ist es nicht mehr al-Qaida, sondern der so genannte Islamische Staat (IS), der dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt brutal zusetzt. Auf einer von Blumen gesäumten Tafel steht der Satz: "Rettet unsere Kinder vor der Gefahr des Terrors." Manche legen hier jetzt Rosen nieder, sie verweilen kurz und gehen dann zurück in ihre Büros an die Arbeit. Der Alltag nimmt wieder seinen Lauf, viel schneller, als man es erwartet hätte. Wegducken, sich verstecken, in Schockstarre verfallen? Davon ist hier nichts zu spüren. Panik macht sich angesichts der Terrorgefahr nicht breit. Unter #KamiTidakTakut ("Wir haben keine Angst") sammeln sich in den sozialen Netzwerken tausende Botschaften des Widerstandes gegen die Gewalttäter. Die Stadt versucht, der Furcht zu trotzen, viele wollen ein Zeichen setzen, dass der Terror ihre Zuversicht nicht so schnell zerstören kann.

Manche Botschaften bleiben haften. Auf Facebook postet Dewa Bintamur am Freitagnachmittag ein Foto mit einem Becher Kaffee und einem Kuchen mit rosa Zuckerguss, die er gerade bestellt hat in einer der nicht zerbombten Filialen von Starbucks. Darüber hat er geschrieben: "Für die Unruhestifter: Ihr seid gescheitert!"

"Für die Unruhestifter: Ihr seid gescheitert!"

(Foto: Screenshot)

Für manche ist es dennoch schwer, die Angst zu bewältigen, die sich in dieser Woche eingeschlichen hat. Der junge Verkäufer eines Ladens gleich neben dem Anschlagsort erzählt, dass er noch auf dem Weg zur Arbeit war, als er von der Attacke erfuhr. Anstatt gleich umzukehren und Zuhause zu bleiben, trieb ihn die Neugier. Er wollte wenigstens nah heran, um selbst noch einen Eindruck zu bekommen, was da gerade passiert ist. "Das hätte ich vielleicht doch lieber lassen sollen", sagt er jetzt. Denn als er das Blut auf dem Asphalt sah, einen Toten auf der Straße, das Chaos und all die panischen Gesichter um ihn herum, da packte ihn selbst die Furcht. Als wäre sie ansteckend. Er stellt sich jetzt jede Nacht den Schmerz vor, der die Verletzten quält, obwohl er gar nicht daran denken will. "Ich kann nur hoffen, dass es irgendwann aufhört", sagt er.

"Jetzt erst recht", sagt der eine, "Wir lassen uns nicht einschüchtern", der andere

Gleich gegenüber, in der Sarinah Shopping Mall haben die Geschäfte jetzt schon wieder aufgemacht. Man trifft dort Leute wie das Ehepaar Zain, das sich neue Schuhe kaufen will. "Jetzt erst recht", sagt der Ehemann auf die Frage, warum sie sich gerade diese Mall ausgesucht hätten, wo der Rauch der Explosionen doch gerade erst verweht ist und noch immer schwer bewaffnete Polizei draußen patrouilliert. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagt der Geschäftsmann. "Unsere Polizei war superprofessionell, die hatten das blitzschnell im Griff." Er jedenfalls habe Vertrauen in seinen Staat und auch die Gesellschaft, die nicht so schnell ins Wanken gerate. "Vielleicht kommt der Terror zurück", sagt er. "Aber wir sollten ihnen den Triumph nicht gönnen und uns verstecken." Deshalb kauft er hier und jetzt also neue Schuhe, gleich neben dem ausgebombten Starbucks-Cafe.

Jakarta lebt weiter in dem Willen, dass die Angreifer sie nicht unterkriegen.

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