Anschlag auf BVB-Bus In Dortmund tragen heute alle Schwarz-Gelb

Auch Monaco-Fans tragen aus Solidarität die Farben des BVB.

(Foto: AP)

Nach dem Anschlag auf Dortmunds Wahrzeichen Borussia sind auch die französischen Fans vom AS Monaco solidarisch: "Ein bisschen sind wir heute alle Dortmunder."

Reportage von Jan Bielicki, Dortmund

Boris trägt Schwarz-Gelb, die Farben von Borussia Dortmund. "Borussia verbindet", so steht es auf dem Schal, den er sich um den Hals geschlungen hat. Aber Boris ist kein Dortmunder. Er und sein Kumpel Kevin sind aus Versailles bei Paris nach Westfalen gekommen, um am Dienstagabend den französischen Tabellenführer AS Monaco im Dortmunder Stadion gegen die Borussia fußballspielen zu sehen.

Dazu ist es nicht gekommen. "Traurig" nennt Boris den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus der Dortmunder, der dazu führte, dass das Spiel um einen Tag verschoben wurde. Und dazu, Boris dennoch ein Erlebnis mit nach Hause nimmt, das er "genial" nennt. Ein Dortmunder Fan hat Boris und Kevin über Nacht in seiner Wohnung aufgenommen, so wie es Tausende Dortmunder mit den nach der Spielverschiebung gestrandeten Gästen aus Frankreich taten. Ein "Super-Empfang" sei das gewesen, schwärmt Boris. Geschlafen freilich haben sie kaum, bis zwei Uhr in der Nacht mit dem Gastgeber diskutiert über den Fußball, den Anschlag, die Welt. "Triste", wie gesagt, traurig das. "Und es trifft immer die Spiele der Deutschen und Franzosen", sagt Kevin mit dem Verweis auf das Länderspiel beider Nationalmannschaften, das in der Terrornacht von Paris im November 2015 ein Ziel islamistischer Mörder war.

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Auf dem Kunstrasen vor dem Deutschen Fußballmuseum warten sie darauf, dass das mit Bombengewalt verschobene Champions-League-Spiel am Abend angepfiffen wird. Mehrere Dutzend Fans aus Frankreich sprechen hier deutscher Bratwurst, deutschem Bier zu, die Stimmung freilich ist wenig ausgelassen. Fangesänge, sonst vor großen Spielen üblich, fehlen. Hier grölt niemand. Anhänger der Dortmunder sind an diesem Nachmittag ohnehin noch nicht in die Innenstadt oder hinaus zum Stadion gezogen, außer denen, die von weither, aus Schwaben oder Thüringen, gekommen sind.

In der Fußgängerzone herrscht feriengedämpfter Minimalbetrieb. Der Stadt ist nicht anzusehen, dass die Sprengsätze im Stadtteil Höchsten eben nicht nur einen mit Menschen vollbesetzten Bus, sondern damit auch ihr eigentliches Wahrzeichen getroffen haben. Der Fußballklub Borussia ist schließlich Dortmunds bei weitem bekannteste Marke, mögen Kunsthistoriker auch die Tafelbilder in der Reinoldikirche womöglich für bedeutender halten. Manche der französischen Gäste sind auch gar nicht gekommen, um Kicker aus Monaco spielen zu sehen.

Rodolphe und seine Freunde sind nur deshalb aus Paris angefahren, um "dieses mythische Stadion" zu sehen, wie er sagt, die "gelbe Wand" der einheimischen Fans auf der steilen Südtribüne - was noch schöner klingt, wenn Rodolphe das auf französisch ausspricht: "le mur jaune".

"Bestürzende Momente"

Am Nachmittag meldet sich aus seinem Urlaub Oberbürgermeister Ullrich Sierau für seine geschockte Stadt zu Wort. "Das sind bestürzende und erschreckende Momente", sagt er und dankt der Polizei, aber auch den "bewundernswerten" Fans. "Sehr gelassen" hätten alle reagiert und "sehr effizient", hat auch Rodolphes Freund Thomas im Stadion beobachtet. Erstaunt haben Rodolphe freilich auch die in seinen Augen ziemlich lockeren Sicherheitsmaßnahmen der Deutschen. "Man konnte gleich am Stadion parken und ganz ohne große Probleme rein", erzählt er, "das geht so in Frankreich längst nicht mehr". An diesem Nachmittag allerdings baut sich auch vor Dortmunds Stadion eine blaue Mauer auf. Mannschaftswagen reiht sich an Mannschaftswagen, Polizeieinheiten aus ganz NRW sind nach Dortmund gekommen, sogar einen schweren Wasserwerfer haben sie zwischen Straßenbahn-Haltestelle und Stadioneingang aufgefahren.

"Ich komme aus Paris, ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn in deiner Stadt ein Anschlag passiert", sagt der Monaco-Fan Nabil und fragt sich, wie Profis spielen können nach so einem traumatischen Erlebnis. An diesem Abend jedenfalls würde es ihn selbst nicht einmal freuen, wenn sein Team gewinnen sollte: "Ein bisschen sind wir heute alle Dortmunder."

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