Inspiriert von der tunesischen "Jasmin-Revolution" demonstrieren Tausende gegen Ägyptens Staatschef Mubarak. Es kommt zu Kämpfen mit der Polizei, bei denen drei Menschen sterben.
Die Slogans der Demonstranten waren kurz und eingängig: "Brot, Freiheit, Würde", "Erst Tunis, dann Kairo" und immer wieder "Nieder mit Hosni Mubarak". Mit der größten Demonstration seit Jahren protestierten Tausende am Dienstag in der ägyptischen Hauptstadt und in anderen Städten wie Alexandria und Suez gegen den seit fast 30 Jahren autoritär regierenden Staatschef Hosni Mubarak. Sie machten ihn für Wahlfälschung, Korruption, Folter und Arbeitslosigkeit verantwortlich.
Proteste gehen weiter
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Bei Straßenschlachten mit der Polizei gab es drei Tote. In Suez kamen nach Angaben des Innenministeriums zwei Regierungsgegner ums Leben. Einer starb, nachdem er Tränengas eingeatmet hatte, der zweite durch einen Stein. In Kairo starb ein Polizist ebenfalls durch Steinwurf.
Bei den Kairoer Protesten, deren Ausmaß die Behörden offenbar überraschte, hatte die Polizei zunächst sehr zurückhaltend agiert. Als die Demonstranten jedoch versuchten, vor das Unterhaus zu ziehen, setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Tränengas ein. Angeregt durch die "Jasmin-Revolution", mit der die 23-jährige Herrschaft des tunesischen Diktators Ben Ali vor wenigen Tagen beendet worden war, schwenkten die Demonstranten ägyptische und tunesische Flaggen. Sie riefen: "Erst Tunesien, jetzt Ägypten. Wir wollen das Aus für das Mubarak-System."
Stark vertreten unter den Protestierenden waren junge Leute und Angehörige der Mittelklasse. "Wir haben genug", sagte der 38 Jahre alte Beamte Sajed Abdelfatah Journalisten. "Die tunesische Revolution hat mich inspiriert. Aber ich hätte nie gedacht, dass die Menschen hier bereit sind, dasselbe zu tun." Der Oppositionspolitiker Osama Harb sagte der SZ: "Das ist kein Mob. Hier fordert die Mittelklasse ihre demokratischen Rechte. Ich hoffe, dass das der Anfang einer demokratischen Transformation ist. Wir demonstrieren friedlich. Aber es kann schnell zu Gewalt kommen."
Die Proteste waren von Oppositionsgruppen über Facebook, Twitter und das Internet organisiert worden. Im Zentrum stand eine Facebook-Gruppe, die sich nach dem Tod von Khaled Said gegründet hatte. Der oppositionelle Blogger war im Sommer 2010 von ägyptischen Polizisten in Alexandria zu Tode geprügelt worden. Auch Führer von Oppositionsparteien sowie der verbotenen islamistischen Muslimbruderschaft beteiligten sich an den Protesten in Kairo. Formaler Anlass der Demonstration war der "Tag der Polizei", mit dem in Ägypten alljährlich an ein Massaker der britischen Kolonialtruppen an ägyptischen Polizisten in der Stadt Ismailija erinnert wird. Die ägyptische Polizei ist heute für die Mehrheit der Bevölkerung Inbegriff von Korruption und systematischer Folter. Der Tod des Bloggers Said in Polizeigewalt hatte dies unterstrichen.
In diesem Jahr wird ein neuer Präsident gewählt. Unklar ist, ob der 82-jährige Mubarak erneut antritt. Spekuliert wird, er wolle seinen Sohn Gamal an die Macht bringen. Bei der Parlamentswahl Ende November hatte Mubaraks regierende Nationaldemokratische Partei angeblich mehr als 90 Prozent der Stimmen bekommen.
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(SZ vom 26.01.2011/jab)
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dann haben vielleicht auch Kopten und andere religöse Minderheiten eine Chance, dass ihre Menschenrechte geachtet werden.
Hier hätten West Politiker die heute schlaue Thesen und Ratschläge erteilen früher intervenierenkönnen,
Allerdings gibt es kaum ein islamisches Land mit funktionierenden demokratischen Verhältnissen.
Woran liegt das wohl?
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...und wo sie auf Zunder treffen gehts los. Der Schwelbrand wird allmaehlich unangenehm...angesichts der Lage in Griechenland und der wohl drohenden Situation in anderen Laendern der EU, vor allem der suedlichen, koennte das ganz boese brennen...die Politik hat ausreichend Zunder produziert
Wo dieser in vielen arabischen Ländern aufbrandende Aufruhr endet, wissen wir noch nicht und siegesgewisse Islamisten sollten mit ihren Hoffnungen vorsichtiger sein, wenn Menschen sich gegen eine unerträglich gewordene Gängelung auf der Strasse Luft verschaffen. Das Amerika einen Verbündeten verliert, davon können nur die träumen, die sich immer noch mit Etiketten zufrieden geben.
Hier ist etwas in Bewegung geraten, das in allen Ländern Fuss fassen kann, wo Menschen sich dem selbstherrlichen Gehabe übermütiger Potentaten geduldig gebeugt haben. Jetzt kann eine neue Zeit anbrechen und das war noch nie ein gemütlicher Spaziergang.
Waren Tunesien und Ägypten fest in deren imperialer Hand, so fängt es nun an zu brökeln. Die eingesetzten monarchischen Regime in Jordanien, Kuwait und Saudi-Arabien sind schon lange überfällig. Mit Saudi-Arabien wird es dann eng für die "1. Kriegstreibernation" der Welt. Kein Öl - kein Dollar, kein Dollar - keine Panzer/Bomben, keine Panzer/Bomben - keine Macht. So schnell kann es gehen.
Und Israel ? Das schaufelt sich augenblicklich sein eigenes Grab, trotz 200 illegaler Atombomben.
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