USA New Yorker Graffiti-Künstler erhalten Entschädigungen in Millionenhöhe

Ein New Yorker Bundesrichter hat entschieden: Graffiti-Kunst ist schützenswerte Kunst.

(Foto: Andrew Burton/AFP)
  • Graffiti einfach überstreichen? Nicht immer eine gute Idee, urteilt ein Bundesrichter in New York.
  • Hintergrund ist die Aktion eines Immobilieninvestors, der einen jahrelang von Sprayern genutzten Industriekomplex hatte abreißen lassen.
  • Dafür muss er nun einen Millionenbetrag an 21 Künstler zahlen.

Ein New Yorker Bundesrichter hat entschieden, dass Graffiti-Gemälde mit künstlerischem Wert nicht einfach überpinselt werden dürfen. Im konkreten Fall hatte ein Immobilieninvestor namens Jerry Wolkoff einen Industriekomplex im Stadtteil Queens erst weiß streichen und dann abreißen ließ. Mehr als 20 Jahre lang hatte er zuvor Graffiti-Künstlern gestattet, sich an seinem einstigen Lagerhauskomplex auszulassen. "5Pointz" wurde das Areal genannt, das sich über die Jahre zu einem Mekka für Sprayer aus der ganzen Welt und zu einer Touristenattraktion entwickelte.

Bis Wolkoff im November 2013 ohne Vorwarnung die Außenwände des Gebäudes weiß übermalen ließ - schon wissend, dass er den Komplex würde abreißen lassen. "Ich wollte es einfach hinter mich bringen, damit sie nicht sehen müssen, wie ihre Kunst Stück für Stück heruntergerissen wird", sagte er damals. Nun muss er für dafür 6,7 Millionen Dollar Entschädigung an 21 Künstler zahlen.

Ein Vorher-Nachher-Bild von "5Pointz".

(Foto: Andrew Burton/AFP)

Zwar hatten Wolkoffs Anwälte argumentiert, dass er mit seinen Gebäuden machen könne, was er wolle - doch die Jury befand, dass Wolkoff den "Visual Artists Rights Act" (VARA) verletzt hat. Dieser wurde einst geschaffen, um öffentliche Kunst von "bemerkenswertem Format" zu schützen.

Seit Wolkoffs Nacht-und-Nebel-Aktion stand der Streit um die Gemälde für die zwei wohl prominentesten Gegenspieler von New York: Kunstwelt und Immobiliengeschäft. Dieses Urteil für die Kunst sei nun ein entscheidender Sieg, sagte der auf Kunstrecht spezialisierte Anwalt Dean Nicyper der New York Times.

In der Graffiti-Szene galt der Lagerhauskomplex seit Beginn der 90er Jahre als das weltgrößte Museum für Graffiti. Es tauchte in Kinofilmen, Musikvideos, Serien und natürlich auf tausenden Instagram-Fotos auf.

"Die klare Botschaft ist, dass Kunst, die durch Bundesgesetz geschützt ist, geschätzt werden muss und nicht zerstört werden darf", sagte Eric Baum, einer der Anwälte der Künstler. "Mit diesem Sieg wird der Geist von 5Pointz zum Vermächtnis für Generationen von Künstlern." Auf dem offiziellen Twitter-Account der Künstler selbst heißt es: "Gerechtigkeit setzt sich durch! 5pointz4eva!"

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