US-Ostküste nach Sturm "Sandy" Zahl der Todesopfer steigt auf mindestens 110

Die Behörden haben die Zahl der Todesopfer nach "Sandy" abermals nach oben korrigiert. Und die Situation für die Bewohner in den Katastrophengebieten an der Ostküste bleibt auch nach dem Sturm dramatisch: Hunderttausende haben ihr Zuhause verloren, mehr als eine Million Haushalte sind noch immer ohne Elektrizität - und das bei Temperaturen knapp über null.

Eine Frau sucht in den abgebrannten Resten ihres Hauses am Breezy Point im New Yorker Stadtteil Queens nach persönlichen Gegenständen.

(Foto: AFP)

Die Zerstörungskraft, mit der Hurrikan Sandy die US-Ostküste heimgesucht hat, wird nicht nur durch verwüstete Städte und Landstriche deutlich. Eine knappe Woche nach dem "Superstorm" wurde die Zahl der Todesopfer noch einmal nach oben korrigiert: Demnach starben durch das Jahrhundert-Unwetter mindestens 110 Menschen. Allein 47 Todesopfer seien in New York zu beklagen, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Die Lage der Bewohner in den Katastrophengebieten an der Ostküste bleibt kritisch: Noch mehr als 1,5 Millionen Haushalte seien ohne Strom, hieß es bei CNN unter Berufung auf die Energieversorger. In New York seien etwa eine halbe Million Häuser ohne Elektrizität, in New Jersey etwa 900.000.

Noch dramatischer ist die Situation für alle jene, die durch Sandy obdachlos geworden sind: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg fürchtet, dass 30.000 bis 40.000 New Yorker neue Behausungen brauchen - und das in einer Stadt, in der Wohnraum ohnehin knapp und teuer ist.

Temperaturen knapp über null Grad, dazu schneidender Wind

Den ohne Strom und Heizung oder Behausung ausharrenden Menschen macht nun vor allem eine Kältewelle zu schaffen. Der Himmel über Big Apple war in den vergangenen Tagen zwar blau, der Wind bei knapp über null Grad in der Nacht aber schneidend. Die Stadt ließ Tausende Decken verteilen. Frierende wurden aufgefordert, beheizte Notunterkünfte aufzusuchen. Nach Angaben des Roten Kreuzes folgten diesem Appell an der gesamten Ostküste mehr als 10.000 Betroffene.

In New York bereiteten die Behörden die Einwohner überdies auf andauernde Probleme im Nahverkehr vor. Die Situation werde sich "nicht in Monaten und auch nicht in einem Jahr" vollständig normalisieren, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Craig Fugate.

Am Montag stand der Nahverkehr in der Millionenmetropole vor seiner ersten Belastungsprobe nach Sandy: Erstmals sollten die öffentlichen Schulen wieder öffnen. Außerdem wurde erwartet, dass viele Autofahrer wegen des Benzinmangels auf Bus und Bahn umsteigen würden. Bürgermeister Bloomberg appellierte an die Bürger, Geduld zu haben.

Trotz Sofortmaßnahmen von Stadt, Staat und Bund blieb auch Benzin extrem knapp. Zwar verteilte die Armee den Kraftstoff kostenlos aus Tanklastern. Doch vor diesen Verteilstellen bildeten sich ebenso wie vor den wenigen noch geöffneten Tankstellen lange Schlangen. Abhilfe soll in ein paar Tagen kommen. Zum einen wird mit Lastzügen Benzin und Diesel herbeigeschafft. Zum anderen sollen Raffinerien und Tankhäfen bald wieder voll arbeiten. Einige Tankstellen haben zwar noch Benzin - können es wegen Stromausfalls aber nicht aus den Tanks pumpen.

Die Präsidentschaftswahl am Dienstag soll indes auch in den Katastrophengebieten stattfinden. Allerdings sind einige Wahllokale noch ohne Strom. Möglicherweise müssten die Stimmen dann in Zelten oder in Containern auf Militärlastwagen abgegeben werden, hieß es.

Neben der US-amerikanischen Nordostküste hatte Sandy auch in der Karibik verheerend gewütet - mit dramatischen Folgen für die Bewohner: In Haiti zerstörten die Regenfälle des Wirbelsturmes große Teile der Ernten. Nun werden in dem noch immer unter der Erdbebenkatastrophe von 2010 leidenden Land die Lebensmittel knapp. Außerdem nimmt die Zahl der Cholera-Fälle nach Angaben von Hilfsorganisationen wieder zu. Die Regierung Haitis rief am Samstag den Notstand aus.