Unwetter Sturmtief "Sebastian" wütet in Deutschland - zwei Tote

Spaziergänger stemmen sich am Strand von St. Peter-Ording (Schleswig-Holstein) gegen den ersten Herbststurm des Jahres.

(Foto: Wolfgang Runge/dpa)
  • Mit Bis zu 130 Kilometern pro Stunde ist Sturmtief Sebastian über Deutschland hinweg gefegt.
  • In Hamburg wurde ein Mann unter einem umstürzenden Baugerüst begraben. Er starb später an seinen Verletzungen.
  • In Nordrhein-Westfalen erlag ein Mann seinen Verletzungen, nachdem ein Baum auf ihn stürzte.

Durch das Sturmtief Sebastian sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. In Hamburg starb ein 38-jähriger Mann, nachdem ein Baugerüst über ihm zusammengestürzt war. Im nordrhein-westfälischen Brilon wurde ein 53-Jähriger von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Mann war nach Polizeiangaben mit Vermessungsarbeiten an einem Waldstück beschäftigt, als eine 20 Meter hohe Fichte auf ihn stürzte.

Sebastian war der erste Herbststurm dieses Jahr. Mit heftigen Windböen und Starkregen zog er über Teile West- und Norddeutschlands hinweg. Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts gab es an der Nordseeküste teils orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Auch im Binnenland von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen brachte Sebastian verbreitet Sturm, Gewitter und Regen. Insgesamt mussten Polizei und Feuerwehr zu etwa 800 Einsätzen ausrücken.

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In Schleswig-Holstein rückte die Feuerwehr zeitweise im Minutentakt aus. Allein im Kreis Pinneberg zählten die Rettungskräfte etwa 40 Unwettereinsätze. In Hamburg wurde der Fischmarkt von einer Sturmflut überschwemmt - an einigen Stellen stand das Wasser kniehoch, wie Passanten berichten.

Umgestürzte Bäume behindern noch immer den U- und S-Bahnverkehr in Hamburg, auch Strecken der DB-Regio in und um Hamburg und Schleswig-Holstein sind vom Sturm betroffen. So waren am Donnerstagmorgen die Strecken Hamburg-Flensburg (RE7), Kiel-Husum (RE74), Kiel-Rendsburg (RB75) und Lübeck-Puttgarden (RB85) zunächst gesperrt. Der Betreiber Metronom hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass zwischen Hamburg und Stade sowie zwischen Stade und Cuxhaven kein Zugverkehr möglich sei.

Auch Verbindungen von und nach Rostock sind von den Sturmfolgen betroffen. Engpässe gibt es zudem auf den Strecken Bremen-Oldenburg und Bremen-Norddeich, teilte ein Sprecher der Bahn mit. Da etwa in der Nähe von Delmenhorst nicht alle Gleise befahrbar seien, komme es dort auch zu Verspätungen für den Fernverkehr.

Für gestrandete Passagiere stellte die Bahn Hotelzüge in den Bahnhöfen von Bremen, Dortmund, Hamburg und Hannover bereit. Dort konnten Reisende übernachten. Das Technische Hilfswerk habe Decken organisiert, sagte ein Bahnsprecher. Außerdem seien die Reisenden mit Suppen und Getränken versorgt worden.

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