Reaktionen auf Rücktrittserklärung des Papstes "Allerhöchsten Respekt"

Betroffenheit, Verwunderung - und Respekt für sein Wirken als Oberhaupt der katholischen Kirche: Nach der Erklärung von Papst Benedikt XVI., sein Amt aufzugeben, äußern sich Politiker im In- und Ausland.

Die Nachricht vom Rücktritt Papst Benedikt XVI. kam vollkommen überraschend. Nicht nur für Politiker, sondern auch für Vertraute Joseph Ratzingers im Vatikan. "Wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel", kommentiert Kardinaldekan Angelo Sodano die Erklärung. Federico Lombardi vom Presseamt des Heiligen Stuhls sieht das Handeln als Konsequenz bisheriger Aussagen. Schon in einem Interview zum Buch "Licht der Welt" im Jahr 2010 hatte Benedikt XVI. angekündigt: Wenn ein Papst zu der klaren Überzeugung gelangt, dass seine Kräfte nicht mehr ausreichen, sollte er zurücktreten.

Der Tübinger Theologe Hans Küng hat Respekt für die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. bekundet. Der Schritt sei legitim und aus vielen Gründen verständlich, erklärte der vom Lehramt suspendierte Theologe. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass Benedikt XVI. keinen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nehmen werde. Aufgrund "der fatalen Personalpolitik der beiden letzten Päpste" werde die Suche nach einer Person schwierig, die die Kirche "aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte".

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. ihren Respekt für die Entscheidung ausgesprochen, sein Amt am Ende dieses Monats aus Alters- und Gesundheitsgründen aufzugeben. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zum Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung des Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte die CDU-Vorsitzende.

"In unserem Zeitalter immer längeren Lebens werden viele Menschen nachvollziehen können, wie sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen muss." Merkel würdigte, dass Benedikt XVI. den Dialog der Kirchen gefördert sowie Juden und Muslimen die Hand gereicht habe. Seine Rede vor dem Deutschen Bundestag im Jahr 2011 sei eine Sternstunde des Parlaments gewesen.

Frankreichs Staatschef François Hollande würdigte den angekündigten Rücktritt als "höchst achtbaren" Schritt. Frankreich würdige "den Papst, der eine solche Entscheidung trifft".

"Geste außergewöhnlichen Mutes"

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano spricht von einer "Geste außergewöhnlichen Mutes, großem Respekt und Verantwortungsbewusstsein". Der Regierungschef des Landes, Mario Monti sagte: "Ich bin erschüttert von dieser unerwarteten Nachricht."

Die Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, nahm die Nachricht des geplanten Rücktritts von Papst Benedikt XVI. für ihre Partei "mit Bedauern und größtem Respekt" zur Kenntnis. Kurz vor Beginn der Fastenzeit habe der "Heilige Vater eine historische Entscheidung getroffen, die ihm sicher nicht leicht gefallen ist", sagte sie zu SZ.de. Papst Benedikt XVI. sei mit seinem gesamten theologischen Werk, als Bischof, als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und seit 2005 als Oberhaupt der katholischen Weltkirche "mit aller Überzeugung" dafür eingetreten, "dass der christliche Glaube nicht nur Bekenntnis fordert, sondern auch Vernunft und Verantwortung".

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, äußerte im Gespräch mit SZ.de ebenfalls seinen "Respekt für die persönliche Entscheidung". Er dankte "unserem heiligen Vater dafür, dass er der Christenheit ein guter Hirte war". "Sein Werk, seine Schriften und Reden werden uns alle prägen."

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zollte dem Papst für seine Entscheidung "und einem eindrucksvollen Leben im Dienste des Evangeliums und der Menschen" großen Respekt. Die stellvertretende Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär, ließ über Twitter verlauten: "Bin erschüttert, dass Papst Benedikt zurücktritt. An meinem Geburtstag gewählt. Selbst im Dreipäpstejahr geboren."

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler bedauert den Schritt und sagte: "Schade! Benedikt XVI. ist ein Papst der Moderne." Ganz anderer Meinung und in der Hoffnung auf Veränderungen twitterte die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese: "Der Papst kündigt am Rosenmontag seinen Rücktritt an. So was konnte sich niemand ausdenken. Aber nun: Hoffnung auf Reformen! Dringend nötig!!"

"Das Pontifikat war eine verpasste Chance"

Ähnlich sieht es Volker Beck, Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen. Auf Facebook schreibt er: "Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. war eine verpasste Chance. Unter ihm ist die katholische Kirche teilweise wieder hinter Erneuerungen durch das Zweite Vatikanische Konzil zurückgefallen, beispielsweise durch die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitisch-ausgerichteten Piusbruderschaft. Auch seine Worte gegen Homosexuelle waren stehts ein Angriff auf den säkularen Verfassungsstaat, auf die Menschenrechte und eine humanistisch orientierte Werteordnung." Vom Nachfolger erwartet er Bemühungen um die Einheit der Gesellschaft.

Pragmatischer ist die Äußerung des Politischen Geschäftsführers der Piratenpartei, Johannes Ponader. Er sagte: "Die Piratenpartei kommentiert den Rücktritt des Papstes nicht. Wir stehen für eine Trennung von Staat und Religion."