Die Betreiber von Bordellen mit "Sex-Flatrate" stehen vor Gericht. Der Vorwurf: Menschenhandel und Sozialversicherungsbetrug in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Die jungen Prostituierten arbeiteten illegal.
Sechs Betreibern von sogenannten Flatrate-Bordellen wird vor dem Landgericht in Stuttgart der Prozess gemacht. Drei Frauen und zwei Männer im Alter von 22 und 30 Jahren sollen in den vier "Pussy-Clubs" in Fellbach, Wuppertal, Heidelberg und Berlin sehr junge Prostituierten illegal und unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt haben. Zudem sollen die Verdächtigen die größtenteils rumänischen Prostituierten in der Buchhaltung als "Selbstständige" geführt haben, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Rund 2,3 Millionen Euro seien so hinterzogen worden.
Bild vergrößern
In den "Flatrate"-Bordellen wie hier in Fellbach arbeiteten viele junge Frauen. Sozialversicherungsbeiträge zahlten die Bordellbetreiber nicht. (© Foto: dpa)
Anzeige
Einem weiteren 31 Jahre alten Angeklagten wird Beihilfe zur Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen zur Last gelegt.
Das Geschäftsmodell der Flatrate-Bordelle hatte im Sommer deutschlandweit für Diskussionen gesorgt. Die Etablissements hatten mit dem Slogan geworben: "Sex mit allen Frauen, solange Du willst, so oft Du willst und wie Du willst". Für einen Pauschalpreis von 70 oder 100 Euro wurden unbegrenzt sexuelle Dienstleistungen, Speisen und Getränke angeboten.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frauen, die teilweise noch keine 21 Jahre alt waren, eine EU-Arbeitsgenehmigung benötigt hätten. Die illegale Beschäftigung sollen die Angeklagten verschleiert haben, indem sie die Frauen in ihren Büchern als "Selbstständige" führten. Die Angeklagten nutzten die Zwangslage der Prostituierten aus und beschäftigten sie unter Arbeitsbedingungen, "die im Widerspruch zu jenen deutscher Arbeitnehmer stehen". Darauf beruhe der Vorwurf des Menschenhandels, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Falsche Selbständige
Laut Anklage wären für die Prostituierten Sozialabgaben fällig gewesen, weil diese in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis arbeiteten. Die Frauen mussten sich demnach für eine feste Tagespauschale den Freiern zur Verfügung halten. Ihre Arbeitszeiten richteten sich nach den Öffnungszeiten der Clubs.
Die Angeklagten hätten die Frauen aber bewusst fälschlicherweise als Selbstständige behandelt, um Sozialabgaben zu umgehen. Tatsächlich hätten die Frauen aber keinerlei unternehmerisches Risiko getragen, weil ihnen Arbeitsmaterial und Arbeitsräume unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden seien.
Bei einer bundesweiten Razzia hatte die Polizei die Bordelle Ende Juli durchsucht, danach wurden die Häuser in Heidelberg und Stuttgart-Fellbach wegen hygienischer Mängel geschlossen. Vier Angeklagte wurden in Untersuchungshaft genommen. Ein Urteil gegen die Gruppe wird für den 6. Mai erwartet.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Clubs in München RSS
- Skandal um Flatrate-Bordell Anklage gegen Sexclub-Chefin 21.10.2009
- Razzia in "Flatrate"-Bordellen "Letzte Bastion der Sklaverei" 28.07.2009
- Razzia im Rotlichtmilieu Eine neue Form von Betriebswirtschaft 27.07.2009
- Bundesweite Durchsuchungen Razzia in Flatrate-Bordellen 27.07.2009
- Prostitution in Amsterdam Weiblich, käuflich, 23 19.01.2010
- Zehn Jahre "Tour de France" "Musik wie ein Orgasmus" 05.05.2010
- Spitznamen der Münchner Clubs Halligalli in der Hölle 30.04.2010
(dpa/APN/kat/jobr)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Arbeitsbedingungen, "die im Widerspruch zu jenen deutscher Arbeitnehmer stehen", die Behauptung einer Selbstständigkeit, obwohl Tageshonorare bezahlt und Räume/Arbeitsmittel gestellt werden.
Die Bedingungen erfüllen auch viele Bauarbeiter, insbesondere, wenn sie über Subunternehmer tätig sind.
Aber wenn es um die Erhebung von Steuern und Meinungsmache geht, ist wohl jedes Argument recht - wenn es denn die Richtigen trifft. Oder soll nur etwas Platz für die "Neue deutsche Welle" Armutsprostituierter geschaffen werden? Man(n) forscht.
Wer sich nicht ganz so einseitig informieren lassen möchte, dem sei die Webseite zeitung.sexworker.at und insbesondere der Erfahrungsbericht einer Sexworkerin aus einem Flat-Rate-Bordell nahegelegt: zeitung.sexworker.at/pussy-club-fellbach-flatrate-mit-den-augen-einer-sexarbeiterin
Alles Gute
Kai Hamann
@adel-ar
"Prostitution gehört vollständig verboten. Und als erstes diese weitere Eskalation der Unmenschlichkeit namens Flatrate-Prostitution. "
ach ja und dann?
"zwangszölibat" für alle männer(und frauen!) ohne partnerschaft?
das es auswüchse in dieser branche gibt und gab liegt auf der hand,allerdings scheint der gesetzgeber unfähig zu sein etwas gegen brutale zuhälter bzw. in der raffinierteren version "loverboys" tun zu können.
sie können sich wahrscheinlich nicht vorstellen,daß dieser beruf auch gerne ausgeübt wird,denn sie implizieren ja,daß alle damen mit zwang ihrer arbeit nachgehen(ökonomische interessen haben nicht immer was mit gewalt zu tun)-das ist ist aber nicht der fall.
länder wie schweden mit ihren totalverbot haben die prostitution nur in den untergrund abgedrängt,was die lage für die damen mit sicherheit nicht besser macht zumal viele schwedische männer ins benachbarte ausland ausweichen.
prostitution hat es immer gegeben und wird es immer geben!
wenn man es verbietet werde sexualstraftaten definitiv zunehmen.
p.s. was sind loverboys? das sind junge gutausehende männer die junge teenager bzw. junge frauen umgarnen,versprechungen machen und sie dann eiskalt auf den strich schicken.
"Es ist in keinster Weise eine ganz normale Arbeit. Es ist der schleichende seelische und körperliche Verfall, der ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch mit schwerem Drogenkonsum auszuhalten ist, bevor der Tod kommt."
Der Drogenkonsum hat anscheind auch dir schwer zugesetzt!
"im bereich der sexualität wird seit einiger zeit mit maximaler härte vorgegangen. "
"Sogar bei den ewig Gestrigen hat man inzwischen eingesehen, dass Prostitution eine ganz normale Arbeit ist "
"weil es gegen das eigene verklemmte Moralempfinden ist"
Schwachsinn/Wahnsinn. Prostitution ist Vergewaltigung. Den Zwang übt aber nicht die Drohung vor physischer Gewalt aus, sondern die ökonomische Gewalt.
Es ist in keinster Weise eine ganz normale Arbeit. Es ist der schleichende seelische und körperliche Verfall, der ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch mit schwerem Drogenkonsum auszuhalten ist, bevor der Tod kommt. Daran ist nichts normal noch in Ordnung.
Prostitution gehört vollständig verboten. Und als erstes diese weitere Eskalation der Unmenschlichkeit namens Flatrate-Prostitution.
Die Ablehnung dieser Unmenschlichkeit mit Verklemmtheit zu titulieren ist der Gipfel an ekliger Heuchelei und dem Neo-Liberalismus.
So wie sich der Artikel liest, sind weniger die Ausbeutung der Frauen das Problem der Staatsanwaltschaft, sondern vielmehr die falschen Angaben der Geschäftsinhaber gegenüber dem Finanzamt.
Paging