Papst Franziskus Homosexualität als "Angriff auf den Plan Gottes"

Bergoglio gilt als gemäßigt, als einer, mit dem man reden kann. Doch bei den Themen Sexualmoral und Empfängnisverhütung vertritt er konservative Standpunkte. Er lehnt den Gebrauch von Kondomen ab. Vehement wetterte er im Jahr 2010, als Argentinien die Homo-Ehe einführte, gegen die Regierungspolitik. Eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft sei ein "Angriff auf den Plan Gottes", ein "Schachzug des Teufels", schimpfte er und rief sogar zu einem "Gotteskrieg". Zehntausende Demonstranten mobilisierte Bergoglio und zog mit ihnen vor das Parlament. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner fühlte sich an die "Inquisition" erinnert.

Ist der neue Papst also ein Betonkopf? Nein. So vehement er die Homo-Ehe auch ablehnte, so eindeutig betonte er auch, dass Schwule und Lesben Respekt verdienten.

Direkte Kontakte zur Junta

Weitaus größere Schatten werfen Ereignisse auf die Vita Bergoglios, die fast 40 Jahre zurückliegen. Damals herrschte in Argentinien eine Militärdiktatur, die Junta verfolgte und tötete ihre Gegner. Die Schergen des Regimes verschleppten auch zwei Jesuiten - die später angaben, Bergoglio habe sie denunziert. Der "Kardinal der Armen" ließ die Vorwürfe umgehend dementieren, doch weitere Zeugenaussagen zeigten, dass der Geistliche direkte Kontakte zur Junta pflegte (Hier mehr Information zu den Vorwürfen gegen Bergoglio).

Diese Vorwürfe haben die wahlberechtigten Mitglieder des Konklaves nicht davon abgehalten, den Argentinier als ersten Lateinamerikaner überhaupt zum Kirchenoberhaupt zu küren. Damit ist er der erste Nichteuropäer auf dem Stuhl Petri seit fast 1300 Jahren - als letzter nicht aus Europa stammende Papst wurde mit Gregor III. im Jahre 731 ein gebürtiger Syrer von den Bürgern Roms zum Pontifex maximus gewählt.

Schon 2005 stand Bergoglio zur Wahl. Er war als Kandidat des progressiven Lagers Konkurrent von Joseph Ratzinger. Den Ausschlag gaben schließlich die ultrakonservativen Purpurträger, die den Frömmlern von Opus Dei und den Legionären Christi nahestehen. Sie verhalfen dem traditionell eingestellten Deutschen zur Mehrheit, um den potentiellen Erneuerer aus Lateinamerika zu verhindern.

Ein Papst Bergoglio wäre demnach für die Reformfeinde Albtraum gewesen, schildert eine ZDF-Dokumentation von 2011. Nun ist Bergoglio als Franziskus doch noch zum Stellvertreter Christi auf Erden gekürt worden. Seine Gesundheit soll angegriffen sein, ihm fehlt seit seiner Jugend ein Lungenflügel. Deshalb gilt er als Übergangspapst.

Doch etwas bewirken kann er auch in wenigen Jahren, wie sein Vorvorgänger Johannes XXIII. bewiesen hat: Sein Pontifikat dauerte nur vier Jahre, halb so lang wie das von Benedikt. Doch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) legte Johannes den Grundstein für eine Modernisierung der Kirche.