Papst Franziskus Der Argentinier

Als Kardinal von Buenos Aires verzichtete Jorge Mario Bergoglio auf Prunk, kümmerte sich um die Armen und nahm lieber den Bus als die Limousine. Der Papst gilt als Mann des Reformlagers und demonstriert Demut - doch seine Rolle in der argentinischen Geschichte und seine Aussagen zur Homo-Ehe machen ihn zur umstrittenen Figur.

Von Oliver Das Gupta

Eine kleine Handbewegung, das Kreuzzeichen. Dann steht Jorge Mario Bergoglio regungslos auf der Benediktionsloggia des Petersdoms. Der neue Papst schaut auf den Petersplatz. Jubel dringt von der Menge herauf, Kamerablitze. Franziskus hält inne in diesen ersten Momenten seines Pontifikats.

Dann, nach einem Vaterunser für den emeritierten Papst Benedikt XVI., spricht er in einfachen Sätzen. Er redet von Brüderlichkeit, von Vertrauen, das Kirchenvolk und Papst für einander empfinden sollten, vom gemeinsamen Weg. Franziskus bittet die Menschen vor ihm, für ihn zu beten, hier und jetzt, in Stille. Erst nach dem Segen der Gläubigen legt der 76-Jährige die Stola an mit den Abbildungen von Peter und Paul. Die Mozetta, der rote Schulterkragen der Päpste, lässt Franziskus ganz weg.

Demonstrative Demut ist das. Sie passt zu dem Mann aus Argentinien.

Zur Welt kam Bergoglio am 17. Dezember 1936 in der Metropole Buenos Aires. Die Stadt sollte lange sein Lebensmittelpunkt bleiben. Vier Geschwister hatte er, der Vater verdingte sich als Arbeiter bei der Eisenbahn. Beide Eltern waren aus Italien eingewandert (das sich nun auch wieder ein bisschen als Papst fühlen darf).

Bescheiden und zurückgenommen

Zügig machte Bergoglio akademische Karriere: Einem Abschluss in Chemie folgten weitere in Philosophie und Theologie. Im Jahr 1958, während des Studiums, trat er in den Jesuitenorden ein, 1969 ließ er sich zum Priester weihen.

Danach ging es Stufe um Stufe aufwärts: Er leitete in den siebziger Jahren den Jesuitenorden in Argentinien, es folgten unter anderem der Rektorenposten an der Theologischen Fakultät seiner Geburtsstadt und ein Forschungsaufenthalt in Deutschland. 1992 erhob ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof von Buenos Aires, 1998 zum Erzbischof und 2001 zum Kardinal.

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Dass Bergoglio sich nun als erster Papst den Namen Franziskus gegeben hat, ist eine konsequente Fortführung seines bisherigen sozialen Engagements. Der Bezug zum heiligen Franz von Assisi, der ein Leben in Armut dem Wohlstand vorzog, ist offensichtlich: Der bisherige Kardinal gilt als bescheiden und zurückgenommen. Auf einen Chauffeur verzichtete er, stattdessen fuhr er lieber Bus oder U-Bahn. Statt in einem bischöflichen Anwesen lebte er in einer kleinen Wohnung, selbst sein Essen soll er sich selbst gekocht haben.

Sein asketischer Lebensstil verlieh seinem Einsatz für soziale Gerechtigkeit zusätzliche Glaubwürdigkeit. Die lateinamerikanische Befreiungstheologie kritisierte er wie einst Kardinal Joseph Ratzinger, wohl aber teilte er ihre Klage über die sozialen Schieflagen in der Gesellschaft. Jüngst erst geißelte er "alltäglichen Übermacht des Geldes" und die Korruption.