Neuartige Suchtstoffe EU geht gegen Designer-Drogen vor

Im Internet werden sie als Badesalz oder Räuchermischung angeboten: Die Zahl neuartiger Drogen in der EU hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht, nun will die Kommission den wachsenden Konsum unterbinden. Etwa ein Fünftel der Substanzen hat auch einen legalen Verwendungszweck.

Von Javier Cáceres, Brüssel

Neuartige und sich immer schneller ausbreitende Drogen sollen in Europa künftig rascher verboten werden. "Die neuen Suchtstoffe werden in Europa immer problematischer und gefährden vor allem junge Menschen", warnte Justizkommissarin Viviane Reding am Dienstag in Brüssel. Sie will die Verbreitung der Substanzen, die im Internet etwa als Badesalz, Räuchermischung oder Lufterfrischer vertrieben werden, durch beschleunigte Verbotsverfahren stoppen.

Reding reagiert darauf, dass diese Designer-Drogen offenbar immer beliebter werden. Von 2009 bis 2012 hat sich ihre Anzahl in der EU verdreifacht. In diesem Jahr wurde jede Woche mehr als eine weitere dieser psychoaktiven Drogen gemeldet. Dabei geht es um Stoffe, die teilweise legal etwa als Wirkstoff in Arzneimitteln dienen und als Alternative zu illegalen Drogen wie Kokain oder Ecstasy angeboten werden.

Als besonders gefährdet sieht die EU-Kommission Jugendliche. In einer Umfrage aus dem Jahr 2011 gaben fünf Prozent der jungen Menschen in der EU an, solche neuartigen Drogen mindestens einmal genommen zu haben. Reding vermutet jedoch, dass die tatsächliche Anzahl höher ist. Viele der Stoffe sind etwa als Kräutermischung oder Pflanzendünger leicht im Internet zu finden, wo sie international vertrieben werden.

"Zahlreiche Internetseiten sowie eine Vielzahl von Sicherstellungen deuten darauf hin, dass im asiatischen Raum eine Industrie herangewachsen ist, die gezielt die westlichen Märkte mit Rauschsubstanzen beliefert", heißt es im jüngsten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vom Mai. "Die Verkäufer preisen die Substanzen fälschlicherweise als legale Alternative an und vermitteln so den - ebenfalls falschen - Eindruck, sie seien ungefährlich und gesundheitlich unbedenklich."

Das derzeitige System sei der aktuellen Lage nicht mehr gewachsen

Die EU-Kommission will nun dafür sorgen, dass die neuen Drogen schneller aus dem Verkehr gezogen werden können. Das derzeitige System für die Aufdeckung und das Verbot von Drogen sei der aktuellen Lage nicht mehr gewachsen. Bisher dauert es mindestens zwei Jahre, bis ein Stoff verboten wird. Diese Prozedur will Reding auf zehn Monate verkürzen.

Etwa ein Fünftel dieser in der EU gemeldeten Drogen haben auch einen legalen Verwendungszweck, in diesen Fällen soll neben strengen Kontrollen für die Industrie ein Verbot für Verbraucher ausgesprochen werden. Besonders gefährliche Stoffe sollen sofort vom Markt genommen werden können, um ihre Gefahren zu analysieren. Derzeit bleibt eine Substanz frei verfügbar, bis die Risikobewertung abgeschlossen ist und die Kommission reagieren kann.

Wie wichtig schnelles Handeln sein kann, zeigt der Stoff "5-IT": 2012 meldeten innerhalb von nur fünf Monaten vier EU-Staaten, darunter Deutschland, 24 Todesfälle, bei denen die synthetische Substanz mit aufputschender und halluzinogener Wirkung eine Rolle spielte. "5-IT" wird als Pulver, aber auch in Tabletten und Kapseln über das Internet und in sogenannten Head Shops als "Forschungschemikalie" verkauft. Die EU-Mitgliedstaaten und das Europaparlament müssen dem Vorschlag aus Brüssel noch zustimmen.