Nach umstrittenem Urteil Jüdisches Krankenhaus stoppt religiöse Beschneidungen

Damit sich die Chirurgen nicht strafbar machen, hat das Jüdische Krankenhaus in Berlin jetzt die religiösen Beschneidungen bei Jungen gestoppt. Das Kölner Landgericht hatte den Eingriff als Körperverletzung bewertet. Rechtlich kann die umstrittene Entscheidung nicht mehr angefochten werden.

Als Konsequenz aus dem Kölner Beschneidungsurteil will das Jüdische Krankenhaus Berlin bis auf weiteres keine religiösen Beschneidungen bei Jungen mehr vornehmen. Man könne die Chirurgen angesichts der rechtlichen Unsicherheit nicht operieren lassen, sagte ein Sprecher des Krankenhauses der Tageszeitung. Die Krankenhausleitung wünsche sich aber, die Operationen in Zukunft wieder ausführen zu können.

Das Landgericht Köln hatte den Eingriff als Körperverletzung bewertet. Er sei auch nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt, das Wohl des Kindes über der freien Religionsausübung der Eltern stehe. Der Körper des Kindes werde durch die in Islam und Judentum verbreitete Beschneidung "dauerhaft und irreparabel verändert". Jüdische und muslimische Verbände sowie die Kirche kritisierten das Urteil scharf als Eingriff in die Religionsfreiheit.

Gegen den umstrittenen Richterspruch können keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden. Das Urteil ist seit Freitag rechtskräftig, wie ein Sprecher des Landgerichts bestätigte. Demnach hat die Anklagebehörde auf eine Revision verzichtet, weil sie keine Aussicht auf Erfolg sah.

Schon jetzt seien im Jüdischen Krankenhaus Berlin zwei geplante Beschneidungen vom Operationsplan abgesetzt worden, sagte der Sprecher der Klinik. Von den rund 300 Beschneidungen des vergangenen Jahres in seinem Haus seien über ein Drittel religiös motiviert gewesen. Die Mehrheit davon sei nicht an jüdischen, sondern an muslimischen Jungen vorgenommen worden.