Microsoft-Gründer Bill Gates Warum Gates sein Geld in die Stiftung steckt

Es sei eine simple Idee gewesen, die ihn dazu gebracht habe, sein Geld in eine humanitäre Stiftung zu stecken, erzählt Bill Gates: "Dass alle Leben denselben Wert haben. Daraus folgt, dass alle Menschen, egal wo sie leben, die Möglichkeit haben sollten, sich ein gutes Leben aufzubauen." Millionen Menschen, die mit dem Aids-Erreger HIV infiziert sind und die einst nur noch auf den Tod warteten, können heute dank Behandlung lange leben. Während früher viele Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie Diarrhö und Lungenentzündung starben, kommen sie nun an lebensrettende Impfstoffe. Bei der Bambi-Verleihung will er sich auch beim deutschen Volk für seine Großzügigkeit beim Spenden bedanken. Darauf könnten die Deutschen stolz sein.

Gates' Stiftung ist inzwischen weniger umstritten als am Anfang. Anfänglich hatten viele professionelle Helfer noch die Nase gerümpft über diesen Milliardär, der in Konzernchef-Manier und mit dickem Portemonnaie in Afrika einfiel, um dort die Entwicklungshilfe unternehmerisch umzukrempeln. Die Stiftung machte sich durch manche Fehlentscheidungen angreifbar. So unterstütze sie ausgerechnet ein Aids-Projekt in Botswana, einem der reicheren Länder Afrikas - und zog so Ärzte aus Nachbarländern ab, die dort noch viel dringender gebraucht wurden.

Inzwischen arbeitet die Stiftung mit den Großen der Helfer-Branche und auch mit vielen kleineren Organisationen zusammen. Er prüfe den Erfolg seiner Interventionen sehr kritisch - und säge die nicht effizienten auch sogleich ab, versichert Gates.

Kritik und Lob

"Wir sehen die Stiftung immer noch differenziert", sagt Jörn Kalinski von der Hilfsorganisation Oxfam. "Viele Regierungen und Institutionen verstecken sich mittlerweile hinter Gates und erfüllen ihre eigene Pflicht etwa zur Gesundheitsfinanzierung oder bei der Entwicklung von Impfstoffen nicht." Oliver Moldenhauer, der viele Jahre für verschiedene Nichtregierungsorganisationen zum Thema Zugang zu Medikamenten gearbeitet hat, kritisiert vor allem einen "Kuschelkurs mit der Pharmaindustrie". Die Stiftung setze der Preispolitik der Konzerne nichts entgegen, bemängelt Moldenhauer.

Es sei aber extrem wichtig, auch weiterhin Druck auf die Industrie auszuüben, damit diese etwa Aids-Medikamente in armen Ländern billiger abgibt oder die Herstellung von billigen Nachahmerprodukten toleriert. Gates entgegnet darauf, dass diese Frage doch weithin geklärt sei. Die Pharmaindustrie gebe doch schon seit Jahren in den ärmsten Ländern Medikamente zum Selbstkostenpreis ab. In anderen Staaten müssten die Firmen aber Geld verdienen, um neue Medikamente entwickeln zu können.

Im Nahkampf gegen Polio

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Kritisch sieht Moldenhauer auch den großen politischen Einfluss der Stiftung, die sich durch Spenden in vielen Vorständen von Entwicklungsorganisationen einen Platz verschafft hat und viel Geld in Lobbyarbeit investiert: "Die Stiftung hat erheblichen politischen Einfluss, ohne demokratisch legitimiert zu sein." Insgesamt aber begrüßt Moldenhauer Gates' Wirken: "Wir sind glücklich, dass es die Stiftung gibt. Mit ihrer Hilfe ist die Welt zweifelsohne schon ein besserer Ort geworden."

Das könnte Gates selbst nicht besser sagen. Er nippt nochmal an der Cola light, die er aus der Flasche trinkt, und steht auf. Der nächste Termin wartet. Er muss weiter - die Welt retten.