Gefälschte Vermessungsprotokolle, geklauter Stahl, zu dünner Beton: Beim Kölner U-Bahn-Bau spricht man von systematischem Betrug.
Der Aschermittwochs-Kater wird die Aufsichtsräte der Kölner Verkehrbetriebe (KVB) bereits an diesem Karnevaldienstag überkommen. Seit dem Archiv-Einsturz am 3. März vergangenen Jahres wird das KVB-Aufsichtsgremium zu seiner x-ten Krisensitzung zusammentreten: wegen immer neuer Missstände und Schlampereien bei dem umstrittenen U-Bahn-Bau.
Es ist fast unmöglich, bei dieser Menge Stahl und Beton zu erkennen, wo was fehlt und statisch bedenklich ist: Die Baustelle der Kölner U-Bahn-Haltestelle Heumarkt, aufgenommen am vergangenen Freitag. Knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben Stadtverwaltung, Feuerwehr und die Kölner Verkehrs-Betriebe zeitweise die Evakuierung von Teilen der Innenstadt erwogen. (© Foto: ddp)
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Bei dem gigantischen Milliarden-Projekt, das auf mehr als vier Kilometern als Nord-Süd-Tangente unterirdisch durch die Kölner Innenstadt vorangetrieben wird, ist eine organisierte Verantwortungslosigkeit offensichtlich, deren Dimensionen und Konsequenzen derzeit niemand so richtig abzuschätzen vermag.
Immer neue Details deuten auf Betrug hin
Es geht um Pfusch am Bau durch kriminelle Machenschaften. Längst sind die Staatsanwälte Stammgäste auf den Kölner U-Bahn-Baustellen. In den letzten Tagen wurden immer neue Details über Manipulationen an den U-Bahn-Baugewerken aufgedeckt, die auf organisierten Betrug hindeuten.
Für die sogenannten Schlitzwandlamellen an den drei Baugruben am Heumarkt, am Rathaus und am Waidmarkt sollen die Ermittler inzwischen auf 28 gefälschte Vermessungs-Protokolle gestoßen sein. Offenbar wurde bei etlichen dieser Schlitzwände deutlich weniger Beton verbaut als die Protokolle dies vorgeben. "Die Werte von Lamellen, die lediglich 2,80 Meter breit sind, wurden auf 3,60 breite Lamellen übertragen und rechnerisch angepasst", zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger einen Insider.
Ein unabsichtliches Verwechseln oder Vertauschen der Bauprotokolle schließen Experten aus. Der Betonguss einer Schlitzwand-Lamelle, die das Eindringen von Grundwasser in die Baugrube verhindern soll, wird mit der Präzision eines genetischen Fingerabdrucks dokumentiert. Jede Lamelle müsste demnach ein eigenes Bauprotokoll haben. Doch die Fahnder entdeckten, dass für unterschiedliche Bauwerke Protokolle mit identischen Daten vorliegen.
Ursprünglich war die Schlitzwand-Lamelle 11 in der U-Bahn-Baugrube am Kölner Waidmarkt ins Visier der Ermittler geraten. Von der Staatsanwaltschaft bestellte Gutachter vermuten ein Loch in dem 3,40 Meter breiten Abschnitt der Schlitzwand, durch das Anfang vergangenen Jahres womöglich große Grundwassermengen in die Baugrube einströmten.
Dies wiederum könnte am 3. März 2009 der Auslöser für den Einsturz des Historischen Kölner Stadtarchivs und zweier Nachbargebäude gewesen sein, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Der Sachschaden wird auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt.
Ermittler sprechen von "systematischer Fälschung"
Nach den jüngsten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollen aber nicht nur auf der U-Bahn-Baustelle am Waidmarkt Protokolle gefälscht worden sein. Laut Kölner Stadt-Anzeiger liegen den Ermittlern derzeit falsche Vermessungsprotokolle für 28 Schlitzwandabschnitte vor.
Insgesamt gibt es beim Kölner U-Bahn-Bau mehr als 1000 solcher Protokolle, die längst noch nicht alle überprüft sind. Offenbar gehen die Fahnder davon aus, dass sie in den nächsten Wochen weitere gefälschte Bauprotokolle entdecken werden. "Für uns sieht das nach einer systematischen Fälschung aus", sagte einer der Ermittler.
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An Puan:@, Ihr Bericht war gut,er zeigt auch einem nicht Fachmann von Tunnelbau die Dinge auf die er so nicht wissen kann. Was mich in der Sache des Koelner Ubahnbaues stoert ist die Tasache das es hier keine richtige Bauaufsicht gegeben hat,sonnst waehre das Unglueck nicht passiert. Auch ist es heute so,das die billigsten und Unfaehigsten Baufirmen die dann mit ungeeigneten Bauarbeitern diese arbeiten machen,die Auftraege bekommen. Auch ist es heute ublich das einige Leute die Hand der Korruption auf halten und als geschaetze Buerger ihre Felle sichern koennen. Was ist aus unsern Land geworden,der Tango Kurrupti ist zum Standartlied in den Behoerden geworden.
wie alle hier im Forum natürlich nur über die Ursachen des Archiveinsturzes spekulieren. Weder liegt mir das Bodengutachten vor, noch habe ich Einblick in die notwendigen Unterlagen. Dazu wird es ja wohl einen Untersuchungsausschuss geben.
Zur fachlichen Seite: Eine Schlitzwand wird in Einzelabschnitte in das Erdreich eingebaut. Dabei wird abschnittsweise ein Stahlkasten in die Erde eingerüttelt und das Erdreich im Inneren wird dabei ausgebaggert. Als Druckausgleich wird gleichzeitig eine thixotrope Flüssigkeit in den Hohlraum der entsteht eingefüllt. Danach wird der Bewehrungskorb in den Schlitz eingeführt und dann wird der unter gleichzeitigem Ziehen des Stahlkastens mit Beton aufgefüllt. Die dabei entstehende Wand bindet unten in möglichst dichten und tragfähigen Baugrund ein und wird je nach Aushubfortschritt abgestützt. Diese Schlitzwand dient nur dazu, die Baugrube wasserdicht zu halten und ein ungestörtes Arbeiten zur Erstellung der eigentlichen Tunnelröhre zu ermöglichen.
Die Bewehrungskörbe werden werkseitig hergestellt und am Stück, teilweise zur Aussteifung verschweißt auf die Baustelle geliefert und dort vor dem Einbau vom Prüfingenieur abgenommen. Wie aus diesen Körben Bügel verschwinden sollen, ist mir schleierhaft, wenn sie denn vorher eingebaut worden sind. Was die Betonmenge angeht, die in die Schlitze eingefüllt werden, so ist mir nur das Gegenteil bekannt, dass nämlich mehr Beton als berechnet gebraucht wurde. Das passiert, wenn sich im Bereich der Schlitze Hohlräume befinden, alte Schächte oder Keller, in die der Beton fließen kann.
Das alles ist und bleibt ein Mirakel.
Zitat:"Wer hier nun versagt hat, die Firma mit eigener Überwachung, das örtliche Bauamt, der Prüfingenieur, der Statiker oder alle zusammen, wird hoffentlich eine unabhängige Untersuchung ans Tageslicht bringen."
Wer hier versagt hat? Versagt hat das System. Der Bau der Kölner U-Bahn ist jetzt schon Jahre hinter dem Zeitplan und die Baukosten sind explodiert. Was liegt also näher als zeitraubende Dokumentationen, Gutachten und Studien ein bischen abzukürzen? Der Druck zum Beschläunigen der Arbeiten kam hierbei sicher von der Stadt Köln aber natürlich auch von den Geldgebern (Bund und Land).
Wird offensichtlichtlich, das die Überwachung nicht wirklich vorgenommen wird, dann sind Pfusch und Betrug nicht weit. Als Hauptgeldgeber liegt die Kontrollpflicht eigenlich beim Land. Die Landesregierung hat aber gar nicht das nötige Personal dafür. Also wurde die Kontrolle der Bauarbeiten auf das Bauamt der Stadt Köln abgeschoben. Da die Stadt Köln aber auch Bauherr ist (die KVB gehören der Stadt) kommt es hier zum ersten Interessenkonflikt. Das Bauamt der Stadt Köln ist aber wohl ebenfalls damit überfordert und deligiert die Aufsichtspflicht an die KVB. Der Interessenkonflikt wird damit nicht kleiner. Schließlich hat die KVB gar nicht die nötigen Fachleute und verläßt sich auf das Bauunternehmen. Womit Bauausführung und Bauüberwachung in einer Hand liegen. Prüfingenieure und Statiker wiederum werden vom Bauunternehmen bezahlt, deren 'Lied' sie dann auch singen. Das System der breit verteilten Verantwortung sorgt dafür, das es am Ende wieder keiner wirklich gewesen ist. und je höher die Verantwortlichen positioniert ist, desto schwächer ist der Wille der Staatsanwaltschaft wirklich etwas zu ermitteln.
... gibt's eine Geisterbahn.
"Ben51379: Der Diebstahl der Eisenbügel könnte so gewesen sein, aber der Beton? Wurde der in die Gullis gekippt? "
Im funktionierenden Korruptionssystem werden der (fehlende) Beton und andere Baustoffe gar nicht geliefert, aber bezahlt. Bei den Eisenteilen handelte es sich wahrscheinlich um nicht verbaute Restmengen, die häufig auf Großbaustellen anfallen und wieder an den Eisenhandel zurückgehen. Diesen Umstand hat man wahrscheinlich lediglich genutzt um Bauarbeitern eine Schuld an den kriminellen Handlungen anzulasten. Mit der eigentlichen mangelnden Bauausführung hat das aber nicht s zu tun.
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