Ikea räumt Erpressung ein Bombe in der Küchenabteilung

Nach einer europaweiten Serie von Bombenanschlägen in Ikea-Möbelhäusern ist es nun offiziell: Der schwedische Konzern wird erpresst. Die Suche nach dem Täter führt nach Polen.

Von Gunnar Herrmann, Stockholm

Der Knall im Dresdner Ikea-Möbelhaus ist so laut gewesen, dass zwei Kunden ein Trauma erlitten. Den Sprengsatz hatte der Täter kurz vor Ladenschluss in der Küchenabteilung versteckt, er beschädigte den Boden und einige Möbel. Der Angriff am 10. Juni war bereits der vierte binnen kurzer Zeit: Nur zehn Tage zuvor waren schon in Belgien, Holland und Frankreich fast zeitgleich Sprengladungen in drei Ikea-Häusern explodiert. Im September wurde dann eine Bombe vor einer Filiale in Prag entdeckt. Seit dieser Woche ist klar: Hinter den Anschlägen stecken ein oder mehrere Erpresser. Ikeas Konzernzentrale in Schweden räumte am Dienstag erstmals ein, entsprechende Drohungen erhalten zu haben. Polizisten suchen nun europaweit nach den Möbelhaus-Bombern.

Das Unternehmen habe wegen der Sache bereits seine Sicherheitsvorkehrung verschärft, sagt Sabine Nold, Ikea-Sprecherin in Deutschland. Damit habe man gleich nach den ersten Anschlägen Ende Mai begonnen. "Die Kunden werden vor allem bemerkt haben, dass vor unseren Warenhäusern Wachleute stehen", sagt sie. Daneben gebe es weitere Maßnahmen, die man aber nicht sehe.

Die Lage ist angespannt. Trittbrettfahrer und Witzbolde mit eigenartigem Humor verursachten schon an mehreren Standorten falschen Alarm. Im norwegischen Bergen etwa wurde kürzlich ein Ikea-Markt nach einer Bombendrohung geräumt, hinter der ein achtjähriger Junge stand, wie sich herausstellte. Über Details der echten Erpresserforderungen schweigt sich Ikea bislang aus. Auch Europol verweigert mit Verweis auf laufende Ermittlungen jeden Kommentar.

Offenbar geht die europäische Behörde aber von einem Zusammenhang zwischen den Attacken aus: Schon vor Wochen veröffentlichte Europol im Internet Phantombilder und Überwachungsvideos aus Dresden und dem holländischen Eindhoven, auf denen der mutmaßliche Bombenleger zu sehen sein soll. Ob es sich um ein und denselben Täter handelt ist nicht klar zu erkennen, aber die Beschreibungen decken sich: Der Mann ist demnach blond, etwa 1,75 Meter groß, 35 bis 45 Jahre alt, schlank, braungebrannt und spricht nur Englisch. In Dresden konnte die Polizei seine Spur bis nach Polen verfolgen. Hilfe bekamen die Beamten von fünf "Personensuchhunden" - deren Nasen sind so fein, dass sie der Fährte eines Menschen selbst dann folgen können, wenn der im Auto flüchtet.

Die Hunde schnüffelten sich vom Dresdener Ikea aus an der Autobahn entlang bis in die Stadt Legnica, etwa 80 Kilometer hinter der Grenze. "Wir haben dann unsere polnischen Kollegen um Amtshilfe gebeten, damit sie die Ermittlungen dort fortsetzen", sagt Kathlen Zink vom LKA Sachsen. Ob der Täter aus Polen stammt oder dort nur einen Stopp einlegt, ist bislang unklar.

Ikea ist ein reiches Unternehmen, das wächst und große Gewinne macht. Möglicherweise erscheint es Kriminellen deshalb als lohnendes Ziel. Der Möbelkonzern war bereits im Jahr 2002 einmal Opfer eines Erpressungsversuchs. Zwei Männer, die aus Polen stammten, drohten damals damit, Bomben in niederländischen Filialen zu zünden. Einen Sprengsatz konnte die Polizei rechtzeitig entschärfen, wobei allerdings zwei Beamte leicht verletzt wurden. Die Täter fasste man schließlich 2003 in Portugal, sie wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.